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Trainer beim FC Bayern:Es geht jetzt um die Deutungshoheit

Die Bayern wollen sich im Moment nicht offiziell äußern zur Trainerfrage, dennoch werden sie versuchen müssen, die Deutungshoheit in dieser Causa zurückzugewinnen. Sie kann ihnen ja nicht gefallen, die Version, die sich nun aufdrängt: die Version, wonach sie mehrere Monate entspannt Zeit gehabt hätten, um diesen begehrten Trainer für sich zu gewinnen, bevor sie am Ende unter Zuhilfenahme jeder verfügbaren Hektik dann doch zu spät gekommen sind. Einstweilen ist von den Bayern nur zu hören, sie hätten von Tuchel keine Absage kassiert - eine Version, die Tuchels Partei gewiss bestätigen würde. Um etwas abzusagen, müsste erst mal etwas auf dem Tisch liegen - da lag aber nichts. Es gab keinerlei Angebot, so weit waren die Parteien noch lange nicht. Und so weit werden sie nun auch nicht mehr kommen.

FC Bayern

Vom Konsenskandidaten bis zur großen Lösung

Ob die Bayern sich dramatisch verspekuliert und verpokert haben mit ihrer erkennbar vergeblichen Heynckes-Hingabe, oder ob Tuchel am Ende die Nerven verloren und woanders unterschrieben hat, wie die Bayern nun zu streuen versuchen: Es ist am Ende vielleicht auch Geschmackssache, welche Version der Geschichte man für glaubwürdiger hält. Stark zu vermuten ist: Thomas Tuchel findet die erste Version besser. Und Uli Hoeneß die zweite.

In Tuchels Lager geht man allerdings davon aus, dass allein der Name des neuen Vereins ausreichen wird, um die Trainerversion zu stützen. Es handelt sich offenbar um einen Klub, der auf gar keinen Fall nach Notlösung klingt. Um den reflexhaft herbeizitierten FC Arsenal handelt es sich nach SZ-Informationen auf keinen Fall, dort ist Arsène Wengers Zukunft weiter ungeklärt. Eine deutlichere Fährte führt zu Paris St. Germain, auch vom FC Chelsea, von Tottenham Hotspur und Real Madrid wird noch geraunt. Tuchel, so heißt es, werde einen Klub übernehmen, der jederzeit die Champions League gewinnen könne.

Wer die Bayern übernimmt, ist dagegen völlig offen. An diesem Montag wollen sich die Bosse wieder zusammensetzen und mit Namen spielen, in etwa sechs Wochen - so der interne Plan - sollte der neue Trainer feststehen. Alle interessanten Kandidaten stehen derzeit unter Vertrag, gehandelt werden weiter Niko Kovac, Ralph Hasenhüttl, Jürgen Klopp oder Lucien Favre. Immer noch gilt der Wunsch, einen deutschsprachigen Mann zu engagieren, aber ein Dogma ist das offenbar nicht mehr. Warum sollte man sich nicht mit dem Italiener Antonio Conte befassen, sollte der bei Chelsea frei werden? Ein auf seine spezielle Weise ebenfalls deutschsprachiger Kandidat stand und steht aber - entgegen anderer Gerüchte - nicht zur Debatte: Der Badener Jogi Löw, finden sie in München, sei doch ein ausgezeichneter Verbandstrainer.