FC Bayern:Vom Konsenskandidaten bis zur großen Lösung

Wenn er seine Meinung nicht noch radikal ändert, dann wird Jupp Heynckes im Sommer aufhören. Aber irgendjemand muss trotz der gescheiterten Gespräche mit Tuchel ja Bayern-Trainer werden. Der aktuelle Stand bei allen möglichen Nachfolgern.

Von Matthias Schmid und Martin Schneider

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Jürgen Klopp

Huddersfield Town - FC Liverpool - Klopp

Quelle: picture alliance / Martin Ricket

Wäre es nach dem Willen von Uli Hoeneß gegangen, dann wäre Jürgen Klopp längst Bayern-Trainer. Vorausgesetzt, man glaubt Uli Hoeneß. Der Präsident erzählt jedenfalls die Geschichte, dass er im Jahr 2008 lieber Klopp statt Klinsmann haben wollte, sich aber überzeugen ließ. Klopp ging also nach Dortmund, von da reiste er weiter nach Liverpool - und da ist er immer noch. Sein Berater sagte zu Bayern-Gerüchten: "Da ist nichts dran." Warum Klopp trotzdem in dieser Liste der potenziellen Bayern-Trainer auftaucht? Er wäre eine von zwei möglichen großen, deutschsprachigen Lösungen (siehe: Joachim Löw). Was dagegen spricht: Es läuft für ihn in Liverpool gerade sehr gut, er hat die Causa Coutinho fast schon gestärkt überstanden und während man einen Meistertitel in München mit einem Kopfnicken zur Kenntnis nimmt, würde ihm ein Meistertitel mit Liverpool vermutlich eine Bronzestatue vorm Stadion einbringen.

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Julian Nagelsmann

FC Augsburg v TSG 1899 Hoffenheim - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Ein oft thematisiertes Phänomen des Fußballs ist die "Schnelllebigkeit des Geschäfts" was übersetzt heißt: Der Erfolg von heute ist morgen nichts mehr wert. Maximal hält er bis übermorgen. Es war im vergangenen Jahr, als Julian Nagelsmann sich mit der TSG Hoffenheim für die Champions-League-Qualifikation qualifizierte. Mit einer Mannschaft, die er im Jahr davor auf dem 17. Tabellenplatz übernahm. Das erzeugt Aufmerksamkeit, auch beim FC Bayern. Spätestens, als Nagelsmann den flirtenden Satz aussprach: "Der FC Bayern würde mich noch ein Stück glücklicher machen". Nun ist Julian Nagelsmann noch immer erst 30 Jahre alt und auch wenn er im Sommer schon 31 sein wird, kommt hier wieder die "Schnelllebigkeit des Geschäfts" ins Spiel. Nagelsmann scheiterte in der Qualifikation zur Champions League, er schied trostlos in der Europa League aus, in der Liga rutschte er ab. Und auch, wenn dem FC Bayern möglicherweise aufgefallen ist, dass ein entscheidender Teil der Nagelsmann-Mannschaft (Sebastian Rudy, Niklas Süle, Sandro Wagner) nun in München spielt, ist auch sein Unterstützer im Vorstand an der Säbener Straße von der Idee abgerückt, seinen Luxuskader jemandem anzuvertrauen, der jünger ist als einige Spieler.

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Joachim Löw

Chile v Germany - FIFA Confederations Cup Russia 2017 - Final

Quelle: REUTERS

Die zweite große Lösung, die aber auch aus Bayern-Sicht zwei große Probleme hat: Löw hat beim Deutschen Fußball-Bund einen Vertrag bis 2020 und muss im Sommer noch eine Weltmeisterschaft spielen. Nun könnte man halt sagen: Wen juckt es? Das richtige Training geht beim FC Bayern sowieso erst los, wenn alle Nationalspieler wieder aus Russland zurück sind. Aber dafür müsste Löw das erstmal wollen und keine Aussage deutete darauf hin, dass er mit einem fliegenden Wechsel sympathisiert. Im Gegenteil: Löw hat immer betont, dass sein DFB-Vertrag die Europameisterschaft 2020 mit einschließt und so müsste das Turnier in Russland schon eine unerwartete Wendung nehmen. Löw wäre bei einem Hopplahopp-Transfer zudem nicht an der Kader-Zusammenstellung beteiligt - ein Privileg, dass er sich als Weltmeister-Trainer herausnehmen könnte. Dass Löw irgendwann mal wieder einen Klub übernehmen will, dass hat er gleichwohl immer wieder betont.

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Niko Kovac

Bayern München - Eintracht Frankfurt 3:0

Quelle: picture alliance/AP Images

Der große Vorteil von Niko Kovac ist, dass viel für ihn spricht. Er wäre aller Voraussicht nach a) verfügbar, b) ein ehemaliger Bayern-Spieler und er leistet c) in Frankfurt seit 2016 sehr gute Arbeit, weil er die Eintracht von einem Abstiegsplatz Stand Jetzt auf einen Champions-League-Platz geführt hat (siehe dazu auch: Julian Nagelsmann). Der große Nachteil von Niko Kovac ist, dass er a) noch nie einen großen Klub trainiert hat, b) sogar noch nie verantwortlich im Europapokal trainiert hat (er also auch nicht wie Julian Nagelsmann scheitern konnte). Niko Kovac ist der Konsenskandidat. Er wäre aber auch - bei aller Wertschätzung - eine kleine Trainer-Lösung. Gewonnen hat er bisher nämlich noch nichts.

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Ralph Hasenhüttl

RB Leipzig - SSC Neapel

Quelle: dpa

RB Leipzig empfängt am 18. März den FC Bayern. Es wäre also die passende Gelegenheit, Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl als neuen Top-Bayern-Trainer-Kandidaten auszurufen. Als möglicher Bayern-Coach wird der Österreicher schon länger gehandelt. Er selbst hat dazu eine demütige Meinung: Die Bayern-Bank wäre noch zu groß für ihn. Sagt er selbst. "Ich habe noch nicht die Erfahrung international", hatte er vor der Winterpause in einem Interview der Bild am Sonntag mitgeteilt. Ein Jahr Gruppenphase in der Champions League zähle nicht. "Ich finde es unabdingbar, dieses Wissen mitzubringen, wenn ich irgendwann Trainer eines Formats FC Bayern werden würde." Ob das Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß auch so sehen?

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Christian Streich

Sport-Club Freiburg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Vor dem Spiel zuletzt gegen den FC Bayern begegnete Freiburgs Trainer Christian Streich dem Gerücht, dass er einer der Kandidaten für die Nachfolge von Jupp Heynckes sein soll, mit Humor. "Bei den Bayern wird ja jede Woche ein anderer Name gehandelt", sagte also Streich. "Da wäre ich ja beleidigt gewesen, wenn mein Name nicht auch einmal aufgetaucht wäre." Nach dem Spiel hörte sich das schon viel weniger lustig an, richtig verärgert reagierte er sogar: "Das ist unwahr und stimmt einfach nicht", bekannte der 52-Jährige und fügte hinzu: Es könne nicht sein, dass "irgendwelche Leute Dinge behaupten, die erfunden sind". Das Thema schloss er mit den Worten ab: "Das ist alles Schall und Rauch." Ist es das? Zumindest haben die Bayern-Macher sich dem Vernehmen nach intern mit seinem Namen beschäftigt. Und das kann Christian Streich auch als Wertschätzung für seine Arbeit beim SC Freiburg verstehen.

© sz.de/schma
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