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Alba-Berlin-Boss im Interview:"Inzwischen wollen immer mehr Talente nach Berlin"

Basketball easyCredit BBL Final-Turnier Basketball München 26.06.2020 Saison 2019 / 2020 easyCredit BBL Final-Turnier 20

Eine Stütze der Meistermannschaft: der gebürtige Berliner Niels Giffey (r.).

(Foto: BBL-Foto/imago images)

Seit 30 Jahren eine Basketball-Instanz: Alba-Chef Axel Schweitzer erklärt, warum der BBL-Meister trotz Pandemie gut aufgestellt ist - und warum er mit Uli Hoeneß essen geht.

Interview von Joachim Mölter

SZ: Es ist erst ein Monat her, dass Alba Berlin die deutsche Basketball-Meisterschaft geholt, das Double gefeiert und die beste Saison seit langem beendet hat - und schon ist die halbe Mannschaft weg: Martin Hermannsson, Rokas Giedraitis, Makai Mason und Tyler Cavanaugh sind nach Spanien gegangen, Landry Nnoko nach Belgrad, Kenneth Ogbe nach Bamberg ...

Axel Schweitzer: ... die Freude über die Meisterschaft ist nach wie vor da.

Sie machen sich also keine Sorgen, dass die Mannschaft auseinanderfällt?

Aber nein. Was mich noch mehr freut als die beiden Titel in diesem Jahr, ist unsere Kontinuität: Dass wir es über 30 Jahre hinweg geschafft haben, 34 Mal in ein Finale einzuziehen und auch noch zwanzig Mal als Sieger daraus hervorzugehen. Über eine solche Zeit immer oben zu stehen, ist etwas, das Alba auszeichnet: aufbauend auf unserem festen Fundament, uns ständig weiterzuentwickeln und zu erneuern.

Alba hat sich auch in diesem Sommer sehr schnell wieder erneuert: Abgesehen vom etablierten Nationalspieler Maodo Lo, der zunächst für ein Jahr unterschrieben hat, sind die Talente Ben Lammers, Simone Fontecchio, Louis Olinde gekommen - alle Anfang Zwanzig und mit Drei-Jahres-Verträgen ausgestattet. So lange Laufzeiten sind ungewöhnlich im Basketball.

Das ist eine logische Folge unserer Ausrichtung: Wir haben vor Jahren einen Weg eingeschlagen, der darauf basiert, junge Spieler mit Entwicklungspotenzial zu holen mit dem Ziel, sie auf ein höheres Niveau zu bringen. Wir akzeptieren damit auch den Abgang, wenn sie später die finanziellen Möglichkeiten nutzen und bei anderen Klubs teilweise das Doppelte oder Dreifache verdienen. Das ist Teil des Geschäftes. Zum anderen entwickeln wir ein Team, das Titel gewinnt. Deshalb ergibt es ganz viel Sinn, langfristige Verträge abzuschließen. Diese Ausrichtung - Talente zu entwickeln, Titel zu gewinnen und gleichzeitig auch noch als wesentlicher Sozialakteur zu agieren - ist einzigartig.

Auch viele Verträge von Stammspielern wie Luke Sikma, Peyton Siva, Jonas Mattisseck, Marcus Eriksson gelten bis 2023. Ist dann mit einer Zäsur zu rechnen?

Ganz und gar nicht. Es ist immer so, dass wir einen Kern von Spielern behalten und Talente hinzufügen. Dazu gehört auch, dass uns immer wieder Spieler verlassen. So erhalten wir unsere Spielphilosophie und schaffen es trotzdem, uns kontinuierlich weiterzuentwickeln: Schauen sie sich nur das Team 2017 und das Team 2020 an.

2017 war das Jahr, in dem die spanische Trainerlegende Aíto zu Alba kam. Im Moment warten die Fans gespannt, ob er noch mal ein Jahr dranhängt; er ist ja schon 73. Wie sieht es aus?

Aíto wird immer ein Teil von Alba bleiben, und das auch deutlich über die Saison hinaus. Und Alba wird immer ein Teil von Aíto bleiben. Der Austausch, den ich mit ihm habe, macht mich zuversichtlich, dass der gemeinsame Weg weitergeht.

Was zeichnet ihn aus in Ihren Augen?

Was ich bei Aíto so faszinierend finde: dass es ihm nicht nur auf das nächste Spiel ankommt, sondern dass er immer schon auf das Spiel nach dem nächsten ausgerichtet ist. Und auf das Ende der Saison. Und am Ende der Saison dann auf die nächste. Das ist im Prinzip ein immer weitergehender Zyklus. Wenn Sie sich an die erste Saison unter Aíto erinnern: Da hatten wir den Litauer Marius Grigonis, und als er nach einem Jahr ging, hieß es: Jetzt fällt alles auseinander. Dann kam sein Landsmann Rokas Giedraitis - und keiner hat mehr über Grigonis gesprochen. Das muss nicht immer zwangsläufig so ineinander übergehen, aber diese Veränderung ist Teil unserer Philosophie. Was mich freut, ist, wie sehr sie jetzt anerkannt wird. Am Anfang musste unser Sportdirektor Himar Ojeda stärker überzeugen: Komm zu uns! Inzwischen wollen immer mehr Talente nach Berlin, weil sie sehen: Hey, Alba schafft es, den Einzelnen besser zu machen.

Bei Alba wird aber auch immer der Teamgedanke hochgehalten ...

Wenn man von Sportvereinen spricht, sagt jeder: Natürlich sind wir ein Team. Ich glaube, beim Finalturnier um die Meisterschaft war einer der Gründe, warum wir gewonnen haben, dass wir gezeigt haben: Team ist nicht nur ein Wort, das da ohne Inhalt steht - wir leben es auch. Was mich wirklich glücklich macht, ist, dass wir Spieler haben, die in Berlin bleiben, obwohl sie woanders ein Vielfaches verdienen könnten. Wir sprechen hier vom Profisport, wo Athleten nur eine begrenzte Zeit haben, die sie für sich monetarisieren können! Und wenn Spieler dann trotz nachweislich mehr als doppelt so hoher anderer Angebote bei Alba bleiben, spricht das für das, was uns sehr wichtig ist: Dass Alba mehr ist als jeder einzelne - ein Team eben.

Welche Spieler sind das denn, die anderswo mehr hätten verdienen können und trotzdem bei Alba geblieben sind?

Ach, da möchte ich jetzt keinen Einzelnen nennen. Das würde ja genau dem Teamgedanken widersprechen, von dem ich gerade gesprochen habe.

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