Golf-Amateur Nick Dunlap:Das wäre seine Million gewesen ...

Golf-Amateur Nick Dunlap: Der Moment des Triumphs: Nick Dunlap blickt nach seinem Sieg an Loch 18.

Der Moment des Triumphs: Nick Dunlap blickt nach seinem Sieg an Loch 18.

(Foto: Ryan Sun/dpa)

33 Jahre nach Phil Mickelson gewinnt ein Amateurspieler wieder ein Turnier auf der PGA Tour: Der 20-jährige Nick Dunlap hat eine vielversprechende Karriere vor sich - auf sein erstes großes Preisgeld aber muss er verzichten.

Von Felix Haselsteiner

Irgendwo an der schmalen Grenzlinie zwischen Mut und Arroganz spazierte dieser 20-jährige Amateurgolfer über den Platz, mit einem lässigen Schwung und einem freundlichen, selbstbewussten Lächeln. Nicht einmal für Kommentare in Richtung der Fernsehkameras war er sich zu schade, während er all die großen, bekannten Namen düpierte - mehrfache Turniergewinner, Major-Sieger, Ryder-Cup-Spieler, alle ließ ein Kerl hinter sich, den bislang nur Kenner auf dem Schirm hatten.

Die normale Golf-Öffentlichkeit kannte Phil Mickelson noch nicht, damals, im Februar 1991, als er in Tucson, Arizona, seinen ersten Sieg auf der PGA-Tour holte. Er war schließlich noch Amateur, Student auf dem College und daher ein sensationeller Emporkömmling: Zu einem solchen Zeitpunkt überhaupt auf der PGA Tour mitspielen zu können, ist eine beachtliche Leistung - zu gewinnen, ist nahezu unvorstellbar.

Es dauerte deshalb auch fast 33 Jahre, bis sich die Geschichte am Sonntag wiederholen sollte - mit beeindruckenden Parallelen. Nick Dunlap heißt der neue Mickelson, 20 Jahre alt, freundliches Lächeln, mutig am Mikrofon und verdammt gut am Schläger. Das stellte er beim American Express Turnier in La Quinta, Kalifornien, unter Beweis, wo er am Samstag in der dritten Runde beinahe einen neuen Platzrekord aufstellte und am Sonntag die beiden US-Ryder-Cup-Spieler Justin Thomas und Sam Burns hinter sich ließ, als wären sie auch nur Studenten.

Er kann nun jederzeit Profi werden, müsste dafür aber das Studium abbrechen

Eine Sponsoreneinladung hatte Dunlap überhaupt erst zum Turnier gebracht, wo es für ihn nur um Spielpraxis und Erfahrungswerte ging: Amateure dürfen kein Preisgeld kassieren, die knapp 1,5 Millionen US-Dollar für den Sieger werden ihm nicht ausbezahlt. Dafür kann er fortan jederzeit Profi werden und dann auf der PGA Tour spielen, was allerdings nur auf den ersten Blick eine leichte Entscheidung ist: Eine College-Ausbildung bereits als Sophomore, also mittendrin, abzubrechen, ist eine Wette auf die Zukunft als großer Golfer - aber sollte man die nicht eingehen, in seiner Position?

"Ich werde das mit einigen Leuten besprechen müssen, bevor ich eine Entscheidung treffe", sagte Dunlap, dem allerdings so oder so die Türen zu einer großen Karriere offen stehen: Als Sieger der zwei wichtigsten US-Amateurturniere hatte er bereits vergangenes Jahr auf sich aufmerksam gemacht, nun sind auf einmal die ebenso jung erfolgreichen Golfer wie Mickelson und Tiger Woods der Maßstab, an dem er sich messen lassen möchte. Angesprochen auf Woods' 82 Siege im Laufe dessen Karriere sagte Dunlap: "Ich weiß, dass das eine extrem hohe Messlatte ist, und ich weiß nicht, ob das großspurig rüberkommt oder nicht, aber für mich ist das schon etwas."

An der bekannten schmalen Grenzlinie also bewegt er sich, wie seine gesamte Generation: Die jungen Golfer, die derzeit vom College kommen, strotzen allesamt vor Selbstbewusstsein. Es ist eine beachtlich talentierte Gruppe von Spielern wie dem Schweden Ludvig Aberg, 24, und eben Dunlap, die die Weisheit ad absurdum führen, dass man im Golf erst in den späten 20er-Jahren reif für die großen Siege ist. Und die vor allem auf der PGA Tour Hoffnung wachsen lassen, dass der Nachwuchs auf der Suche nach sportlichem Ruhm die besten Geschichten schreiben wird, während die etablierten Spieler für viel Geld zur saudi-arabischen LIV-Tour wechseln.

Auch Mickelson ist diesen Weg gegangen, weshalb man seinen Sinn für politisches Feingefühl durchaus infrage stellen kann. Auf seine Expertise auf dem Platz sollte man dennoch vertrauen. Die Einschätzung seines Nachfolgers übernahm er gleich selber. "Beeindruckend" sei Dunlaps Leistung gewesen, teilte Mickelson mit: "Das ist nur der Anfang."

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