DFB-Frauen in der Nations League:Euphorie im Gepäck

DFB-Frauen in der Nations League: 35 Treffer in 53 Länderspielen: Lea Schüller (links) zählt beim Nationalteam zu den Torgarantinnen - gegen Wales traf sie zwei Mal.

35 Treffer in 53 Länderspielen: Lea Schüller (links) zählt beim Nationalteam zu den Torgarantinnen - gegen Wales traf sie zwei Mal.

(Foto: H. Langer/Imago)

Wie gut die Zusammenarbeit zwischen dem Interims-Bundestrainer und dem Nationalteam funktioniert, lässt sich vor dem Nations-League-Spiel in Island besser einschätzen. Bei Lea Schüller zeigt sich das beispielhaft.

Von Anna Dreher

Horst Hrubesch hatte sich vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) eigentlich schon verabschiedet, diesmal wirklich, das dachte er vor fünf Jahren zumindest. Seit ein paar Wochen ist der 72-Jährige bekanntermaßen doch zurück und trainiert interimsweise als Bundestrainer das Nationalteam der Frauen, zum zweiten Mal seit 2018. Erstmal für vier Nations-League-Spiele, je nach Ergebnissen vielleicht etwas länger, sollte das mit Olympia 2024 klappen. Aber Hrubesch kann sich im Prinzip schon darauf einstellen, dass der DFB sich wieder bei ihm meldet.

Denn es kann für den Verband im Grunde keine andere Option geben, als Hrubesch weiter zu verpflichten, Ruhestand hin oder her: als Mentor jeglicher Absolventen der Trainerlehrgänge, auf ewig. Bis zum ersten Spiel der erneuten Zusammenarbeit vergangenen Freitag gegen Wales war nicht klar, ob die Kombination Hrubesch/DFB-Frauen so gut passen würde wie damals. Nach dem 5:1 aber lässt sich vermuten: Hrubesch hat es noch, dieses gewisse Etwas, das schon bei diversen Teams für Freude und Fokus gesorgt hat, das die Schwere durch Leichtigkeit ersetzen kann und dynamisch erspielte Siege bringt. So etwas wäre in Flaschen abgefüllt ein Verkaufsschlager! Aus DFB-Sicht sollte es auf möglichst viele Fußballlehrer überspringen.

Den Nationalspielerinnen scheint die Zusammenarbeit mit ihm und seinem Co-Trainer Thomas Nörenberg jedenfalls die Anspannung aus den schwierigen Wochen nach der WM und der Krankschreibung von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg genommen zu haben. "Mit seiner Art und Weise findet er gute Worte", sagte Giulia Gwinn. "Ich glaube, dass Horst gerade zwischenmenschlich ein sehr gutes Gefühl für die Mannschaft hat." Den Eindruck der Bayern-Spielerin teilten auch andere, Sarai Linder fasste die Stimmung des Neustarts am plakativsten zusammen: "Die Atmosphäre war Bombe!"

Dass es den EM-Finalistinnen von 2022 trotz Verbesserungen an Sicherheit mangelt und sie effizienter spielen müssten, hielt die Ausgelassenheit im Rahmen - gegen Wales listete die Statistik 22 Torschüsse und 19 Eckstöße auf. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Nationalspielerinnen den Weg aus der Krise finden, ist gestiegen. Hrubesch dirigierte sein Ensemble gegen Wales äußerst aktiv, ohne es zu verwirren. Jede Einwechslung brachte einen Mehrwert und gerade bei Lea Schüller zeigte sich der Hrubesch-Effekt deutlich. Mit ihr besprach er am Freitag während der Partie immer wieder wirkungsvoll Details.

Dass Kapitänin Alexandra Popp - in Anlehnung an Hrubesch das eigentliche Kopfball-Ungeheuer - verletzt fehlte, fiel nicht weiter auf, denn diese Abschlussgattung übernahm Schüller. Sie sollte auf Flanken warten und in den Ball reinlaufen: "Er sagte, dann ist es einfacher." Offensichtlich war es das, zweimal ging der Spielzug Flanke, Kopfball Schüller auf. Ihre Quote liegt nun bei 35 Treffern in 53 Länderspielen, vier davon gelangen ihr im April 2018 bei Hrubeschs Debüt als Frauen-Bundestrainer. Auch ohne Popp könne sich sein Team "einen Haufen Torchancen rausspielen. Und wir können auch Kopfballtore machen", stellte Hrubesch zufrieden fest - warnte allerdings vor dem nächsten Nations-League-Spiel gegen Island: "Wir werden beißen müssen."

An diesem Dienstag (20 Uhr, zdf.de) wird sich zeigen, wie viel Anteil die Euphorie am Erfolg gegen Wales hatte und wie viel davon im Flugzeug von Frankfurt nach Reykjavík mitgenommen werden konnte. An Island haben Hrubesch und die DFB-Frauen zwar gute Erinnerungen, 2018 gelang ihnen dort ein vorentscheidender Sieg in der WM-Qualifikation. Doch die Däninnen hatten zuletzt große Mühe gegen Island. Und gegen Dänemark wiederum verloren die Deutschen im September 0:2 - und müssen deshalb um Olympia bangen. Aber das war ja noch, bevor dieses gewisse Etwas zurückkam.

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