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Lukas Podolski in der Nationalelf:Schwere Tage für den Wohlfühl-Menschen

Germany - Training & Press Conference

In Polen geboren, in der Welt zuhause: Lukas Podolski - ganz besonders zuhause fühlt er sich zudem in Köln.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Deutsch? Polnisch? Kölsch? Lukas Podolski erklärt sich beim DFB-Aufenthalt in seinem Geburtsland in vielen Sprachen. Am liebsten würde er aber nur eines tun: endlich wieder 90 Minuten Fußball spielen. Er durchlebt eine problematische Phase in seiner Karriere.

Lukas Podolski steht in einem Vorraum im ersten Stock des Hotels Westin in der Warschauer Innenstadt, um ihn herum wuseln die Menschen. Mitspieler, Mitarbeiter des DFB, Medienleute aus Deutschland und Polen. Lukas Podolski spricht mal hier mit jemandem, mal dort. Er lächelt oft. Aus ein paar Metern Entfernung ist nicht immer klar, welche Sprache er gerade verwendet: Deutsch? Polnisch? Kölsch? Egal, er beherrscht alles. Zu sehen und spüren ist indes, dass hier jemand zufrieden ist. Sehr zufrieden sogar.

Der 29-Jährige ist ein Wohlfühl-Mensch. Geht es ihm gut, ist er glücklich mit den Menschen um ihn herum, dann strahlt Lukas Podolski sein Poldi-Lächeln über das halbe Gesicht. Er geht herzlich und direkt auf die Leute zu. Seitdem er am Freitagvormittag in Polen gelandet ist, sagt er: "Hier fühle ich mich immer wohl."

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Vier Autostunden südlich, in Gleiwitz, Oberschlesien, ist er geboren. Er hat dort noch Familienangehörige, die er regelmäßig besucht. Nun trifft es sich, dass die deutsche Nationalmannschaft am Samstag in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 auf Polen trifft. Für ihn ist das "was ganz Besonderes, wenn ich quasi gegen mein Geburtsland spiele".

Wer gehässig sein will, kann an dieser Stelle einwerfen, dass es für ihn derzeit immer etwas Besonderes ist, wenn er Fußball spielen darf. Vor allem von Anpfiff an. Podolski erlebt eine schwierige Phase in seiner Karriere.

Er ist nun zwar Weltmeister und hat nach dem Sieg in Rio vermutlich zwei Wochen lang durchgehend über das halbe Gesicht gestrahlt. Doch auf dem Platz war er in Brasilien wenig gestanden. Knapp zehn Minuten zu Beginn gegen Portugal, als es bereits 4:0 stand. Im letzten Gruppenspiel dann die Chance von Beginn an gegen die USA.

Doch Podolski lief am Spiel vorbei, setzte kaum einen Sprint an, berührte kaum einen Ball. In der Halbzeit wurde er ausgewechselt. Später stellte sich heraus, dass er sich früh eine schmerzhafte Muskelverletzung zugezogen hatte. "Lukas hat sicherlich keine leichte WM gehabt", sagte DFB-Manager Oliver Bierhoff, "aber es war dann fast schockierend, mit welcher Verletzung er gespielt hat."

Der Auftritt gegen die USA blieb sein letzter in Brasilien. Zurück beim FC Arsenal erlebt er nun erneut: die Rolle als Ersatzmann. Erst ein paar Kurzeinsätze erhielt er in dieser Saison. Podolski spricht nun schon öffentlich davon, unter diesen Umständen den Klub wechseln zu wollen. "Ich bin keiner, der einen Vertrag aussitzt, mir gefällt es nicht auf der Bank", sagte er.

Trotz dieser Widrigkeiten musste er nie fürchten, dass Bundestrainer Joachim Löw ihn nicht nominieren würde. Es ist nicht die erste Krise in der Karriere Podolskis, doch Löw nominiert seinen Lukas nun seit zehn Jahren und betont stets seine Stärken. In Löws Nationalmannschaft fühlt sich Podolski wohl und wenn sich Podolski wohlfühlt, ist er auch ein besserer Fußballer.