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Meisterschaft in Italien:Juve ist bereit für den letzten Smash

Juventus Turin: Cristiano Ronaldo feiert mit Teamkameraden

Die Jubelpose ist wohlgeübt: Cristiano Ronaldo (re.) hat in der Serie A schon 30 Mal getroffen.

(Foto: AFP)

Vor der Corona-Pause fragil, jetzt fast Meister: Die Elf von Maurizio Sarri macht mit dem Sieg bei Lazio den neunten Titel in Serie fast perfekt. Ronaldo jagt weiter Rekorde - und Robert Lewandowski.

Von Oliver Meiler, Rom

Am Ende, wenn dieser wunderliche Fußballsommer auch noch die letzten Kräfte aus den Spielern gesogen haben wird, steht Madama, die "Verlobte Italiens", wieder da, recht rüstig trotz Strapazen und in Eile gekämmt, als wäre nichts geschehen. Juventus Turin wird auch diese Meisterschaft der Serie A gewinnen, die neunte in Serie, es ist nur noch eine Frage der Mathematik: vielleicht am Donnerstag schon, vielleicht erst am kommenden Wochenende, wenn alles schief läuft nächste Woche. "Die beste Mannschaft war nur weniger schlecht als die anderen", schreibt La Repubblica. Der Calcio, hingeschmolzen bei 30 Grad in der Nacht. "Auch die Pfosten schwitzten."

Im Schlüsselspiel gegen Lazio Rom am Montagabend im Juventus Stadium, Anpfiff 21.45 Uhr, war es nach 23 Uhr noch so heiß und schwül, dass der Schiedsrichter auch in der zweiten Halbzeit eine "Cooling break" anordnete, wie auch die Italiener die Wasserpause nennen. Und da standen sie also, Juventini und Laziali, und schütteten sich literweise Wasser über ihre Köpfe. Ein Abnutzungskampf bei verhaltenem Spieltempo, eine Folter. Juve gewann 2:1, weil Juve immer gewinnt, wenn es zählt. Nicht überlegen, nicht souverän, aber eben doch. Alles passierte in der zweiten Hälfte, als die Müdigkeit alle übermannt hatte und die Verteidiger Fehler begingen, derer man sie nicht für fähig gehalten hätte. Von den Stürmern muss dann gleich noch die Rede sein.

Juves Vorsprung auf den Zweiten, Inter Mailand, beträgt jetzt acht Punkte, der auf Atalanta Bergamo neun, der auf die zuletzt völlig kollabierte Lazio gar elf. Und es bleiben noch vier Spieltage. "Matchpoint Juve", titelt der Corriere della Sera. Es sind gleich mehrere nacheinander, um im Bild zu bleiben: Matchball am Netz, bereit für den letzten Smash. Wer hätte sich ein solch gewöhnliches Finale vor dem Restart der Serie A ausdenken können?

Vor der Corona-Pause war Sarri kritisiert worden

Man muss sich das noch einmal in Erinnerung rufen. Als die Meisterschaft ihren Betrieb wieder aufnahm, trennte Juve und Lazio nur ein einziger Punkt. Die Römer galten als das inspiriertere, selbstsicherere Team. Maurizio Sarri, der Trainer Juves, wurde kritisiert für Resultate und Spiel. Nichts machte er richtig, vor allem schaffte er es nicht, seiner Startruppe den "Sarrismo" beizubringen, seinen schnellen und oftmals begeisternden Kombinationsfußball aus Zeiten bei Napoli. Das lag natürlich nicht nur an ihm, es fehlten Sarri die Spieler dafür. Doch Juve war so fragil wie in einer Dekade nicht mehr.

Von diesem 34. Spieltag hatte es deshalb geheißen, er würde den spektakulären Showdown einer ungewöhnlichen Saison bieten, die Wasserscheide, die Entscheidung im Kopf-an-Kopf, bei Lazio träumten sie vom historischen Triumph beim dauersiegenden Drachen, vom Bruch der Ära. Und halb Italien träumte mit, wenigstens ein schöner Teil des nicht-juventinischen Italiens. Dauersieger sind ja auch Langweiler. Doch dann fiel Lazio nach dem Restart, den es selbst so sehr herbeisehnte, völlig auseinander. Spieler verletzten sich in Serie, die Moral war schnell dahin.

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