Fußball in Italien:Grillo wird den Fußballer sicher nicht wieder aufbauen

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Die neuen Populisten im Land setzen nicht auf das Rasenspektakel. Die Fünf-Sterne-Bewegung des ehemaligen Komikers Beppe Grillo ist nach Umfragen derzeit die stärkste Kraft. Fußball ist für sie kein Thema. Was sicher auch daran liegt, dass Grillo keinen Verein besitzt. Aber immerhin hält er die Markenrechte an den "Fünf Sternen". Der Wahlverein liegt also in seiner Hand, ähnlich wie "Forza Italia" in der von Berlusconi. Beiden gemeinsam ist zudem das Spiel mit den Emotionen der Anhänger, denen Berlusconi Brot und Spiele bot. Grillo verspricht ein allgemeines Grundeinkommen und den spektakulären Sturz der Gegner.

Aus seiner rosa Villa über dem Meer von Genua, umsorgt von seinen Hausangestellten, wütet Grillo gegen die poteri forti (herrschenden Mächte), gegen die politische Kaste und deren "Lügenpresse". Rechts oder links, alle sind in seinen Augen gleich korrupt und gleich verdammenswert. Grillos Taktik ist die Dauer-Attacke, nur das Ancien Regime spielt in seinen Augen defensiv. Sein Fußvolk betreibt einen entfesselten digitalen Angriff gegen alle da oben, gleichgültig, ob es sich um Politiker, Filmregisseure, Schriftsteller handelt. Als Sammelbecken des Sozialneids und Trostverein der Talentlosen wird die Fünfstern-Bewegung zwangsläufig bald auch den Fußballmillionären das Wasser abgraben wollen.

Berlusconi hat den Fußball als Lieblingssport der Italiener kaputt gemacht, Grillo wird ihn sicher nicht wieder aufbauen. Denn bei ihm macht nur einer die Show: Grillo selbst. Nie hat man ihn im Stadion gesehen. Anderen applaudieren, so weit kommt's noch. Mit seinen Monologen tourt der 67-Jährige durch die Theater und über die Plätze, und einmal durchschwamm er bei seinem Dauer-Wahlkampf die Meerenge von Messina. Das erinnerte natürlich frappierend an den alten Mao, der 1966 mit 72 den Jangtse durchquert hatte und gab eine Menge Klicks für Grillos Blog, der sich durch Werbung finanziert. Mit Fußball aber holt ein Grillo weder Geld noch Stimmen.

Beim Stadion gaben Grillos Emissäre klein bei

Fußballer werden ebenso zu Feinden wie Intellektuelle, wenn sie es wagen, für die Anderen Partei zu ergreifen oder gar Grillo zu kritisieren. Das gilt für Nationalmannschafts-Kapitän Gianluigi Buffon, der in einem Zeitungs-Interview den ehemaligen Premier Matteo Renzi lobte, ebenso wie für Roms Fußball-Idol Francesco Totti, der sich vergebens für die Olympia-Kandidatur seiner Heimatstadt einsetzte. Die römische Bürgermeisterin, eine Politikerin der Fünf Sterne, lehnte die Bewerbung ab. Olympia, so ihr Argument, sei nur eine Einladung zur Korruption. Das Projekt eines neuen Stadions für den AS Rom hätte sie auch gerne versanden lassen, Fußball habe für sie "keine Priorität". Inzwischen müssen Grillos Emissäre beim Stadion klein beigeben. Der Fußball ist stärker, wenigstens in Rom.

"Wir brauchen keine Schnellzüge, nur Datenautobahnen", hat Grillo mal gesagt, in seiner rosa Villa überm Meer. Mit so einem Programm ist Fußball nicht kompatibel. Ein Spiel dauert immer noch 90 Minuten, eine Ewigkeit, in der Grillos Netzgemeinde ein paar hundert Tweets absetzen kann oder ein Dutzend aufmüpfige Parlamentarier aus dem Amt kegeln.

90 Minuten nichts weiter zu tun, als zu hoch bezahlten Profis beim Kicken zuzusehen, das ist nun mal aus der Zeit gefallen. Außer vielleicht für Investoren aus China.

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