bedeckt München 17°
vgwortpixel

Fußball: FC Bayern:Der Mann, der Uli Hoeneß ist

Bayern-Präsident Uli Hoeneß entdeckt das Internet und die Ironie - und sorgt in einem Youtube-Video für Aufsehen. Als Würstchenverkäufer mit Schnauzbart und Schiebermütze.

Es gab vor kurzem einen Film über Uli Hoeneß im Fernsehen. Ein Porträt, das sich dem jetzigen Präsidenten des FC Bayern München privat zu nähern versuchte. Der Anlass war das Ausscheiden Hoeneß' als Manager des Klubs, der Film spielte auch daheim am Tegernsee, zeigte den Hund Kuno und die Frau Susanne und sogar einen Blick ins Wohnzimmer der Familie. Der Zuschauer glaubte, eine Menge zu erfahren über den wahren Uli Hoeneß. Aber dann stand der Mann am Ufer des Tegernsees, es war Winter, die Bäume trugen keine Blätter, und Hoeneß sagte mit brummigem Stolz: Seine größte Leistung in all den Jahren in der Öffentlichkeit sei, "dass mich niemand kennt".

Jetzt gibt es wieder einen Film, es ist eine Art Werbespot. Er läuft im Internet und zeigt Uli Hoeneß, wie ihn tatsächlich niemand kennt. Mit Schnauzbart und Schiebermütze und einem Vertreterkoffer in der Hand. So verkleidet, versucht er, mit einem stadtbekannten Fischhändler ins Geschäft zu kommen. Der verkauft auf dem Viktualienmarkt alles, was aus dem Meer kommt, außer Meerschweinchen. Der Mann, der Uli Hoeneß ist, aber nicht so aussieht, möchte ihn überreden, den Nürnburger zu vertreiben, angeblich seine Erfindung. Drei Nürnberger Rostbratwürste in einem Brötchen mit Senf und Zwiebeln. "Schleich di'", ruft der Fischhändler. "Wirst schon seh'n, was du davon hast", ruft der Mann, der Uli Hoeneß ist, aber nicht so aussieht.

Nein, aus Uli Hoeneß ist kein Wallraff geworden, jener Verkleidungsjournalist, der einst bei Bild Hans Esser war. Obwohl Hoeneß selbst auch ein Esser ist, ein leidenschaftlicher sogar, am liebsten isst er seine eigenen Würstchen, die er in seiner eigenen Firma produziert. Die Erfindung des Nürnburgers ist dabei allerdings so neu wie die Wurst an sich - "Drei im Weggla" gibt es in Franken schon so lange, wie zermatschtes Schweinefleisch in Därme gepresst wird. Es könnte mit dem gleichen Recht also jemand eine Scheibe Leberkäs in eine Semmel packen, süßen Senf drauf klecksen und behaupten, er habe den Leberking erfunden.

Das ganze ist einerseits ein Spaß, der dazu beiträgt, dass die Leute noch weniger wissen, wie dieser Uli Hoeneß wirklich ist. Selbstironie gehörte bisher ja nicht zu den hervorstechenden Eigenschaften des oft mit heiligem Zorn Moral predigenden Machers. Andererseits hat Hoeneß offensichtlich etwas Nützliches in der Hinterlassenschaft seines Vorgängers als Bayern-Präsident gefunden: eine Anleitung zur Selbstvermarktung. Franz Beckenbauer war ja ein Meister darin, mit sich ein Heidengeld zu verdienen, und Uli Hoeneß macht das jetzt halt auch. Bisher bekennender Technik-Feind, erlebt das Publikum also Hoeneß 2.0 als Blogger und Youtube-Star. Wer kennt schon wirklich diesen Mann?

© SZ vom 17.06.2010/leja

WM 2010: Karneval der Fans

Masken, Hüte, Sensationen