Formel 1:Piquet fühlt sich missverstanden

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Formel 1: Der Weltmeister schweigt: Max Verstappen (rechts) hat sich bislang nicht zur Entgleisung von Nelson Piquet gegen Lewis Hamilton (links) geäußert. Piquet ist der Vater von Verstappens Lebensgefährtin Kelly.

Der Weltmeister schweigt: Max Verstappen (rechts) hat sich bislang nicht zur Entgleisung von Nelson Piquet gegen Lewis Hamilton (links) geäußert. Piquet ist der Vater von Verstappens Lebensgefährtin Kelly.

(Foto: Lars Baron/Reuters)

Der frühere Formel-1-Weltmeister reagiert auf den Vorwurf, er habe Lewis Hamilton rassistisch beleidigt. Er weist einen solchen Hintergrund zurück - Experten bezweifeln seine Erklärung jedoch.

Nach seiner rassistischen Entgleisung gegen Lewis Hamilton hat sich der dreimalige Weltmeister Nelson Piquet beim Briten öffentlich entschuldigt. Der Brasilianer wies in einer am Mittwoch verbreiteten Stellungnahme einen rassistischen Hintergrund jedoch zurück und sieht sich von Medien fehlinterpretiert. Als Konsequenz aus dem Streitfall könnte Piquet künftig aus dem Formel-1-Fahrerlager ausgesperrt werden.

"Ich entschuldige mich von ganzem Herzen bei allen Betroffenen, einschließlich Lewis, der ein unglaublicher Fahrer ist, aber die Übersetzung in einigen Medien, die jetzt in den Sozialen Medien kursiert, ist nicht korrekt", hieß es in der Erklärung, die im Namen von Nelson Piquet verbreitet wurde. "Diskriminierung hat weder in der Formel 1 noch in der Gesellschaft etwas zu suchen, und ich freue mich, in diesem Zusammenhang meine Gedanken klarzustellen."

Zuvor waren Aussagen des 69-Jährigen aus dem vergangenen Jahr aufgetaucht, in denen er Hamilton in einem Interview verunglimpft hatte. "Was ich gesagt habe, war unbedacht, und ich wehre mich nicht dagegen, aber ich möchte klarstellen, dass es sich bei dem verwendeten Begriff um einen handelt, der weithin und historisch betrachtet im brasilianischen Portugiesisch umgangssprachlich als Synonym für "Kerl" oder "Person" verwendet wird, und nie beleidigend gemeint war", hieß es weiter.

Das sieht Thiago Amparo, Professor an der FGV (Getulio Vargas Foundation) in São Paulo, entschieden anders. Gegenüber BBC Brasil stellte er klar, das von Piquet verwendete Wort "Neguinho" sei eine häufige Form des Rassismus in Brasilien. "Es ist ein Wort, das im Diminutiv und im Kontext dazu dient, schwarze Menschen auf paternalistische Weise als intellektuell minderwertig zu charakterisieren." In brasilianischen Medien wird in dem Kontext zudem darauf hingewiesen, dass Piquet ein offener Unterstützer des ultra-rechten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro ist.

Formel 1: Nelson Piquet.

Nelson Piquet.

(Foto: Zuma Wire/Imago)

Hintergrund von Piquets abfälligen Äußerungen war der Unfall zwischen dem Mercedes-Piloten Hamilton und Red-Bull-Fahrer Max Verstappen beim Rennen in Silverstone vor einem Jahr. Nach Ansicht von Piquet war ein Fehler Hamiltons der Grund für den Crash. Der zuvor führende Verstappen kam nach einer Kollision mit Hamilton von der Strecke ab und musste sich nach einem heftigen Einschlag in der Bande im Krankenhaus medizinisch untersuchen lassen. Hamilton wiederum gewann trotz einer Zeitstrafe den Grand Prix.

Piquet ist der Vater von Verstappens Lebensgefährtin Kelly Piquet. Der Niederländer hat sich bislang noch nicht zu den Äußerungen Piquets geäußert - im Gegensatz zu vielen andere aus der Königsklasse.

"Es war genug Zeit zu lernen. Jetzt ist es Zeit zu handeln", schreibt Hamilton

Allen voran die Formel 1 und der Automobil-Weltverband Fia haben Piquets Aussagen verurteilt. Der 1996er Weltmeister Damon Hill, der als TV-Experte für Sky Sports F1 tätig ist, denkt nicht, dass Piquet im Fahrerlager "sehr willkommen wäre, wenn er auftauchen würde". Hamilton twitterte nach Piquets Beleidigung: "Dies sind veraltete Sichtweisen, die sich ändern müssen und keinen Platz in unserem Sport haben." Der siebenmalige Weltmeister schrieb, er sei von derartigen Einstellungen sein ganzes Leben umgeben und zur Zielscheibe geworden. "Es war genug Zeit zu lernen. Jetzt ist es Zeit zu handeln."

Daniel Teixeira von der Nichtregierungsorganisation Ceert sagte: "Aufgrund des strukturellen Rassismus in unserer Gesellschaft ist es für Weiße schwierig, Schwarze als gleichwertig zu betrachten. Wie Hamilton selbst sagte, geht es nicht nur um die Sprache, sondern auch um die Mentalität, die dahinter steht, nämlich eine Person auf ihre Hautfarbe zu reduzieren." Ein Jahr nach dem umstrittenen Vorfall zwischen Hamilton und Verstappen in Silverstone kehrt die Formel 1 an diesem Wochenende für den zehnten Saisonlauf nach Großbritannien zurück.

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