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Fifa-Kongress in Paris:Der DFB muss Infantino die Stirn bieten

FIFA-Präsident Gianni Infantino mit DFB-Funktionären 2019 in Berlin

Alle in eine Richtung? Fifa-Boss Gianni Infantino (Mitte) mit Rainer Koch (links) und Reinhard Rauball.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der Fifa-Boss wird auf dem Kongress in Paris wiedergewählt - das steht fest. Spannend ist, ob die Deutschen die Pläne des Autokraten höflich abnicken.

Am Mittwoch ist Kongress in Paris, dann kriegt die Fußballwelt wieder das, was sie verdient: Gianni Infantino an die Fifa-Spitze. Die Kür ist klassisch, ohne Gegenkandidat. Und während einige europäische Verbände noch über die Symbolik von Enthaltungen nachdenken, würde das servile Gefolge aus anderen Weltregionen den Affären-Funktionär am liebsten ins Amt applaudieren. "Infantino ist ein Geschenk für den Fußball", erläuterte gerade Nigerias Verbandschef Amaju Pinnick in der ARD. Pinnick und vier Getreue, nebenbei, werden am 1. Juli vor ein Strafgericht im heimischen Abuja zitiert. Wo es ums Übliche geht: Korruptionsverdacht mit Fördergeldern.

Aus deutscher Sicht ist spannend, welche Position der DFB in Paris vertritt. Er erholt sich ja noch von seiner jüngsten Funktionärs-Posse, Reinhard Grindels "Uhren-Affäre". Der Ex-DFB-Boss hat verwaiste Vorstandssitze in Fifa und Europa-Union Uefa hinterlassen, diese Plätze würde der DFB gern wiederhaben. Aber wie?

Neue Kandidaten hat er zur Hand, Interimspräsident Rainer Koch und Liga-Vertreter Peter Peters. Der DFB will sich neu aufstellen nach der letzten Grindelei, im Kern ist das löblich. Ein Spähtrupp um Koch nahm jüngst Fühlung zu Fifa und Uefa auf, um die Pläne vorzustellen. Im DFB sollen nicht mehr alle Ämter auf eine Person fallen, der Verbandschef nicht mehr in die hochdotierten Vorstände von Fifa und Uefa entsandt werden.

Klingt gut, hat aber einen Haken. In der Uefa ist Sitzungstourismus à la Fifa verpönt, erwünscht sind starke Verbandsrepräsentanten - Vorstände, die nicht erst den Chef daheim fragen müssen. Ganz anders in der Fifa. Hier herrscht ein Autokrat, der sein Ratsgremium als Abnicker-Runde begreift - so, wie Infantino auch alle internen Kontrollinstanzen auf Linie getrimmt hat, und zwar auf seine.

Dank Infantino ist der Fußball uneiniger denn je

Der DFB sollte also mehr zu bieten haben als weitere mausgraue Funktionsträger, die die sog. "Einheit des Fußballs" wie eine Monstranz vor sich hertragen. Es gibt keine Einheit, dank Infantino ist der Fußball uneiniger denn je. Fifa und Uefa lavieren am Rande der Spaltung. Die offizielle Einheits-Frömmelei ist nur ein Dreh für Funktionäre, die lieber tagen und tafeln, als sich Arbeit und Ärger aufzuhalsen. Doch die neuen DFB-Kandidaten bringen Höflings-Attitüden mit. Gerade Koch legt gern beeindruckt dar, wie groß doch Infantinos Support außerhalb Europas sei. Als wäre das nicht, erstens, selbstverständlich - und zweitens genau das Problem.

Im Unterhaltungsgewerbe Fußball wedelt der Schwanz mit dem Hund, dank eines absurden Wahlrechts, das Infantino nun die nächste Thronmesse beschert: Zahllose Kleinststaaten mit wenig bis gar keinem Ballbetrieb haben dieselbe eine Stimme wie der DFB. Nur verfügt dieser allein über 7,2 Millionen Mitglieder, er vertritt also mehr Sportinteressierte, als die kleinsten 50 Wahlländer der Fifa Einwohner haben. Und nein, Vergleiche mit globalen Institutionen wie der UN-Versammlung taugen hier nicht: In der Fifa geht's nur um Kicken und Unterhaltung, nicht um Völker-, Grund- und Menschenrechte.

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