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FC Bayern in Augsburg:Das Glück des Tüchtigsten

Manuel Neuer gewann mit dem FC Bayern in Augsburg - und er zog mit Oliver Kahn gleich.

(Foto: ANDREAS GEBERT/AFP)

196. Spiel ohne Gegentor: Torwart Manuel Neuer stellt beim 1:0 gegen Augsburg einen Bundesliga-Rekord ein. Das Zustandekommen des Sieges zeigt, wie der FC Bayern die strapaziöse Saison in schwierigen Phasen bewältigen will.

Von Sebastian Fischer, Augsburg

Wenn Trainer sofort nach dem Schlusspfiff auf den Fußballplatz rennen, ist das meistens ein Hinweis auf außergewöhnliche Geschehnisse. Nach gewonnenen Titeln kommt das vor, manchmal auch bei Kritik oder Lob, das im Überschwang der Emotionen keine Sekunde mehr warten kann. Am Mittwochabend, nach dem 1:0-Sieg des FC Bayern beim FC Augsburg, lief Toni Tapalovic los. Und der Münchner Torwarttrainer stoppte erst, als er in den Armen von Manuel Neuer angekommen war.

Tapalovic, 40, kennt Neuer schon aus gemeinsamen Zeiten beim FC Schalke 04. Er war sein Trauzeuge, und sie machen zusammen Urlaub, was man seit einem eher unvorteilhaften Video aus dem vergangenen Sommer weiß, in dem zu sehen war, wie beide an einer Strandbar in Kroatien ein Lied einer kroatischen Band mitsangen, die als rechtsextrem gilt. Jedenfalls sagte es viel über die Bedeutung des Abends, wie die Freunde Tapalovic und Neuer, 34, diesen Erfolg gegen Augsburg feierten, Neuers 196. Spiel ohne Gegentor in der Bundesliga, was vorher nur Oliver Kahn gelang. Vor allem aber war es das erste Bundesligaspiel zu null für den Welttorhüter seit dem 24. Oktober. Sein Jubel war ein passendes Ende der Hinrunde.

Bayern-Trainer Hansi Flick hat vor ein paar Tagen gesagt, dass er einen "Einbruch" der Leistung seiner Mannschaft in dieser strapaziösen Saison eigentlich schon früher erwartet hätte: nicht erst in der vergangenen Woche, als das DFB-Pokalspiel beim Zweitligisten Kiel verloren ging, sondern schon im Herbst. Ohne die reihenweise überragenden Leistungen Neuers, seine zahlreichen Weltklasse-Paraden in entscheidenden Momenten, wäre es wohl auch so gekommen. Und nun hatte Neuer eben auch mal Glück.

"Natürlich haben wir nicht die Selbstverständlichkeit wie früher, einen Gegner auch über 90 Minuten zu dominieren", sagt Neuer

Ähnlich wie beim 2:1 gegen den SC Freiburg am vergangenen Sonntag war der Sieg auch gegen Augsburg am Ende noch mal in Gefahr geraten. War es gegen Freiburg die Latte, die in der Nachspielzeit half, war es diesmal der Innenpfosten, an dem Augsburgs Stürmer Alfred Finnbogason bei einem Elfmeter in der 76. Minute scheiterte. Der Spielverlauf war auch deshalb erstaunlich, weil Augsburg anders als Freiburg keine Mannschaft in bester Form ist, sondern gerade ausgesprochen harmlos.

Doch das war am Mittwoch nur in der ersten Hälfte zu sehen, als die Bayern per Elfmeter durch das bereits 22. Saisontor von Rekord-Torjäger Robert Lewandowski in Führung gingen, einen zweiten Treffer trotz zahlreicher Chancen aber vergaben - und Neuer gar nichts tun musste. In der ersten Hälfte lautete die Torschussstatistik 12:0 für Bayern. In der zweiten dann allerdings: 1:9 aus Münchner Sicht.

"Wir waren uns in der Halbzeit zu sicher, dass wir das Tor machen werden", sagte Neuer im Sky-Interview. Und er erklärte: "Natürlich haben wir nicht die Selbstverständlichkeit wie früher, einen Gegner auch über 90 Minuten zu dominieren." Er fand allerdings, dass man nun "nicht alles schlechtreden" müsse. Er selbst sei zwar "körperlich" fit ("und physisch auch", wie er sicherheitshalber hinzufügte), "dennoch ist es viel, was wir in den letzten Wochen und Monaten abgespult haben". Sein Fazit: "Jetzt haben wir zwei Spiele hintereinander gewonnen. Das war ein Zeichen an die Konkurrenz."

Ganz ähnlich sah es auch Trainer Flick. Die vergebenen Chancen und die Leistung in der zweiten Halbzeit, das biete zwar Anlass für Kritik. Es sei noch "ein langer Weg, bis wir wieder so dominant spielen, wie wir das letzte Saison gespielt haben", betonte er. Doch bis dahin, so konnte man ihn verstehen, sind jetzt auch solche Siege erlaubt, die dafür sorgen, dass der Vier-Punkte-Vorsprung auf den Tabellenzweiten RB Leipzig weiter Bestand hat - und mehr nicht.

Flick stellt erstmals seit Wochen wieder Hernandez links in der Abwehr auf - und ist zufrieden

Dass es Flick mehr als in den Vorwochen um defensive Stabilität ging, konnte man durchaus auch aus seiner Aufstellung herauslesen. Zum ersten Mal in diesem Jahr setzte er auf der Linksverteidigerposition nicht den von ihm hochgeschätzten Alphonso Davies ein. Dem Kanadier waren in den vergangenen Wochen immer wieder leichtsinnige Fehler unterlaufen, auch gegen Freiburg. Und so lief links in der Viererkette der robustere, erfahrenere Lucas Hernandez auf, den Flick danach für ein "sehr gutes" Spiel lobte, "sehr aggressiv", mit guten Akzenten nach vorne. Tatsächlich war es der Franzose, der den Elfmeter herausholte.

Vor dem Spiel war er auch deshalb im Gespräch gewesen, weil sich der Abschied von Abwehrchef David Alaba im kommenden Sommer inzwischen endgültig abzeichnet und Hernandez im Sommer 2019 für 80 Millionen Euro vorrangig als Innenverteidiger verpflichtet worden war. Er traue ihm zu, Alabas Rolle zu übernehmen, sagte Flick - und sprach trotzdem von einem neuen Spieler, den der FC Bayern im Sommer verpflichten werde. Fortsetzung folgt.

Über Nachfolger hat auch Manuel Neuer am Mittwoch kurz gesprochen, als es um seine 196 Spiele zu null ging. "Wer weiß, wer in Zukunft den nächsten Rekord bricht. Es werden ja auch Torhüter nach mir kommen", sagte er und lächelte gutmütig. Bis ihn jemand überholt, wird es noch sehr lange dauern.

© SZ/bek/tbr
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