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Schalke verliert gegen Köln:Huntelaars Job wird zur Mission Impossible

FC Schalke 04 - 1. FC Köln

Klaas-Jan Huntelaar: Comeback erst nur von der Tribüne aus

(Foto: Marius Becker/dpa)

Wegen Wadenproblemen verpasst der Rückkehrer aus den Niederlanden sein erstes Spiel bei Schalke 04 - und muss von der Tribüne mit ansehen, wie sein Klub mit 1:2 gegen den 1. FC Köln verliert.

Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Viele Schalke-Fans dürften sich vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln weniger für die Mannschaftsaufstellung als für die Bankbesetzung interessiert haben. Doch dort fehlte der Name, nach dem alle suchten. Klaas-Jan Huntelaar musste sein Comeback wegen Wadenproblemen verschieben. Stattdessen saß er mit einem Kaffee auf der Tribüne und erlebte die Leiden des Abstiegskampfes. Lange Zeit sah es nicht gut aus für seine Schalker, die 0:1 zurücklagen, dann wendete sich das Geschehen mit dem Ausgleich, und als die Nachspielzeit schon fortgeschritten war und das für beide Seiten erträgliche 1:1 der Stand der Dinge zu bleiben schien, brach das nächste Unglück über dem königsblauen S04 herein: Nach einem missratenen Rettungseinsatz von Benjamin Stambouli schoss der eingewechselte Jan Thielmann das Tor zum 2:1-Sieg für den FC, und in den Kölner Reihen wurde gejubelt, als würde dieser Treffer die finale Erfolgsmeldung der Saison bedeuten.

Soweit ist es zwar noch nicht am letzten Tag der Hinrunde, aber für die Lage im Abstiegskampf haben sich die Kölner mit diesem Sieg gewichtige Vorteile verschafft: Unter anderem acht Punkte Vorsprung auf den demoralisierten Tabellenletzten Schalke. Für Klaas-Jan Huntelaar wird sein Rettereinsatz zur Mission Impossible. "Das Spiel ist hin- und hergeschwankt, aber über die gesamte Zeit hinweg finde ich den Sieg verdient", meinte FC-Trainer Markus Gisdol.

Der 1. FC Köln hatte seinen Gastgeber zunächst mit einer brandneuen Variante verblüfft: Er formierte eine Elf ohne Angreifer. Spielmacher Ondrej Duda erweckte allenfalls den Anschein einer falschen Neun, der Rest der Männer in Rot versammelte sich in der eigenen Hälfte, um den Gegner zu empfangen. Die Schalker misstrauten ihren Freiheiten jedoch und nahmen das Angebot allenfalls zögerlich an. Immer wieder kreiselte der Ball zwischen den Innenverteidigern Ozan Kabak und Matija Nastasic, bevor er dann bei Torwart Ralf Fährmann landete. Auf die Dauer entwickelten die Schalker aber doch eine gewisse Dominanz mit ein paar Annäherungen ans gegnerische Tor. Suat Serdar forderte Timo Horn heraus, auch Mark Uth kam zu einer passablen Chance.

Die Kölner entsagten einem eigenen Angriffsspiel nahezu konsequent, bis plötzlich Kingsley Ehizibue zufällig und durchaus aussichtsreich zum Torschuss gelangte. Der Ball flog weit vorbei, doch der FC schien jetzt verstanden zu haben, dass es außer der eigenen Hälfte noch mehr Spielfläche gibt. Das 1:0 durch Abwehrchef Raphael Czichos beendete nicht nur eine torlose Zeit von mehr als 500 Spielminuten, es war auch die Folge eines zarten Kölner Drängens und einer Serie von gefährlichen Eckstößen. Schalke reagierte auf den Rückstand relativ gefasst und erspielte sich bis zur Pause noch einige Gelegenheiten, die aber vertan wurden.

Hektik, Unruhe und Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten waren auch in der zweiten Halbzeit die bestimmenden Kennzeichen der Partie. Schalke machte Druck, Köln versuchte zu kontern. Beinahe hätte ihnen Kabak die Arbeit abgenommen, als er im Rutschen den Ball an den Pfosten von Fährmanns Tor setzte (54.). Den Ausgleich hatten sich die Schalker dennoch verdient, Matthew Hoppe profitierte mit seinem fünften Tor im dritten Spiel vom Kölner Abwehrchaos. Die folgende Viertelstunde überstand der heftig wankende FC vor allem deshalb, weil Schalke aus seinen Möglichkeiten zu wenig machte und Timo Horn zur Stelle war. "Wir haben es mit Mann und Maus verteidigt", sagte Gisdol. Die Schalker griffen mit Tempo und Leidenschaft an, aber oft ohne Verstand, Amine Harit war mit seinen manchmal brillanten und manchmal sinnfreien Dribblings zugleich Motor und Bremse der offensiven Anstrengungen. So war er in einer Person der beste und der schlechteste Spieler in königsblau. Die Auswechslung von Kapitän Sead Kolasinac, der mit seinen Läufen auf links viel bewegt hatte, aber wegen Muskelproblemen passen musste, nahm dann einigen Schwung aus den Aktionen der Schalker.

Die letzten Minuten glichen einer altenglischen Fußballschlacht: Ein Zweikampf nach dem anderen, der Ball wechselte im Sekundentakt die Seiten. Schalke drückte mit dem Mut der Verzweiflung, aber ohne die geeigneten Mittel nach dem Siegtreffer - Köln bekam ihn, als sich auf einmal ein glücklicher Moment eröffnete.

© SZ/pps/ska
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