Barças 1:1 im Stadtderby:Enttäuschung in Mateus Zirkus

Lesezeit: 2 min

Barcelonas Frenkie de Jong hatte es schwer gegen die biestigen Profis von Espanyol. (Foto: Joan Monfort/dpa)

Ein wildes Unentschieden gegen Espanyol bedeutet für den FC Barcelona, dass der Vorsprung vor Real Madrid im neuen Jahr erst einmal dahin ist - und Trainer Xavi Maßnahmen ergreifen muss.

Von Felix Haselsteiner

Von allen WM-Fahrern, die am Samstag das Camp Nou betraten, hatte einer seine Form am besten behalten. Die Frage, wie man sich keine zwei Wochen nach dem Finale einer Fußball-Weltmeisterschaft präsentieren würde, hatte auch beim FC Barcelona viele Spieler und Verantwortliche beschäftigt - nicht aber offensichtlich Mateu Lahoz, den Schiedsrichter des Barcelona-Derbys, der in der spanischen Liga genauso weitermachte, wie er in Katar aufgehört hatte.

Mit links, mit rechts und aus sämtlichen Brust- und Hosentaschen zog Lahoz beim 1:1 zwischen Barça und Espanyol Karten hervor. Am Ende wurden es 13 gelbe und zwei gelb-rote Karten, eine glatt-rote Karte hatte der Videoschiedsrichter noch verhindert. Es war ein chaotisches Spiel, bei dem sich der spanische Schiedsrichter allerdings glücklich schätzen durfte, dass Lionel Messi inzwischen in Paris spielt - sonst hätte er sich vermutlich noch mit weitaus mehr Kritik auseinandersetzen müssen.

WM in Katar
:Eto'o flippt wegen Youtuber aus

Nach dem Spiel Brasilien gegen Südkorea kommt es vor dem Stadion zu einer Handgreiflichkeit: Kameruns früherer Stürmer tritt einen jungen Mann zu Boden - der Vorfall hat möglicherweise pikante Hintergründe.

Von Felix Haselsteiner

Messi nämlich war nach dem WM-Viertelfinale zwischen Argentinien und den Niederlanden bereits auf Lahoz losgegangen. "Sie können so einen Schiedsrichter nicht für so ein Spiel ansetzen. Er ist nicht auf der Höhe", sagte Messi damals, nachdem Lahoz mit 17 gelben und einer gelb-roten Karte einen neuen WM-Rekord aufgestellt hatte. "El circo de Mateu" nannte die katalanische Zeitung Sport das Barcelona-Derby diesmal: Mateus Zirkus.

Dabei hatte Barça die Manege eigentlich schnell unter Kontrolle bekommen. Mit Robert Lewandowski im Sturm, dessen Drei-Spiele-Sperre aus dem November erst einen Tag zuvor vertagt worden war, hatte Xavis Mannschaft mehr Spielanteile und ging durch Marcos Alonso in der siebten Minute in Führung. Es folgte eine 65-minütige Phase, in der gegen den Tabellensechzehnten Espanyol eigentlich alles stimmte - bis auf die Anzahl der Tore. Alonso, Raphinha und Lewandowski vergaben im Verlauf des Spiels beste Gelegenheiten, dann fiel der Ausgleich in der 73. Minute, allerdings erneut unter Beteiligung von Lahoz.

Barcelona und Real beginnen das neue Jahr beide mit 38 Punkten

Alonso war Espanyols Stürmer Joselu unglücklich im Strafraum bei einem Kopfballduell auf die Ferse gestiegen und hatte ihm dabei den Schuh ausgezogen. Für das Schiedsrichterteam war das Beweis genug, um einen Elfmeter zu erteilen - den verwandelte Joselu sicher gegen Marc-Andre ter Stegen. Ab dem Ausgleich wurde das Spiel endgültig wild: Jordi Alba sah für ausufernde Beschwerden Gelb-Rot, zwei Minuten später foulte Vinicius Souza Lewandowski und musste ebenfalls vom Platz, eine zweite rote Karte aus derselben Szene verhinderte der VAR, weil ein Tritt gegen den Kopf des polnischen Stürmers bei genauerer Ansicht doch keine Absicht war. An der Seitenlinie wütete Xavi.

Zehn gegen zehn blieben Barça noch zehn Minuten Nachspielzeit, die allerdings nicht ausreichten, um das Spiel noch zu gewinnen - womit die Tabellensituation in La Liga weiterhin ausgeglichen bleibt: Barcelona und Real beginnen das neue Jahr beide mit 38 Punkten.

Die Gründe für die Enttäuschung gegen Espanyol im Stadtderby wollte Xavi allerdings nicht beim Schiedsrichter suchen. "Das Unentschieden ist unsere Schuld", sagte Barcelonas Trainer: "Ich mache Mateu keine Vorwürfe, die Schuld für den Verlust von zwei Punkten liegt bei uns." Barcelona hatte wie schon häufiger im Saisonverlauf damit zu kämpfen, sich vom Gegner aus dem Tritt bringen zu lassen, was gerade in der kommenden Saisonphase problematisch werden könnte: Am kommenden Wochenende reist Xavis Mannschaft zu Atletico Madrid, Mitte Januar findet der spanische Supercup in Saudi-Arabien statt.

Xavis Antwort auf die Frage, wie man zwei Wochen nach der Weltmeisterschaft eine Mannschaft wieder in den Rückrunden-Modus bekommt, ist nun ebenfalls bekannt. Den geplanten freien Neujahrstag für Zeit mit den Familien strich Barcelonas Trainer nach dem 1:1: Am Sonntagnachmittag setzte er stattdessen das erste Training im neuen Jahr an.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

MeinungChampions League
:Schön, sie scheitern zu sehen!

Juventus Turin und der FC Barcelona, die immer noch eine Superliga gründen wollen, um ihr aus den Fugen geratenes Geschäftsmodell zu retten, scheiden aus der Champions League aus - da ist Schadenfreude nicht unmoralisch, sondern angebracht.

Kommentar von Philipp Selldorf

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: