EM 2012: Korruption bei der Uefa?:Wieso interessieren die Vorwürfe niemand?

Marangos, der sagt, er müsse seine Zeugen schützen, antwortete: Per Post wolle er "keine Dokumente oder sonstige Beweise schicken, und obwohl ich 910 Euro für mein Ticket für den 24. August schon bezahlt habe, will ich Ihr freundliches Angebot der Kostenübernahme nicht annehmen." Er werde mit seinen Anwälten über das weitere Vorgehen beraten.

Am 15. Oktober hakte Anwalt Neocleous bei der Uefa nach. "Nach Absage des Treffens unseres Klienten mit Herrn Limacher am 24. August auf Wunsch von dessen Vorgesetzten" wolle Marangos effektivere Schritte unternehmen, heißt es in der Mail, "bitte informieren Sie uns über das rechtliche Prozedere". Die Disziplinarabteilung der Uefa antwortete: "Wir bestätigen den Erhalt Ihrer Mail. Sie wurde an Alasdair Bell, Direktor der Rechtsabteilung, weitergereicht."

Marangos Behauptungen sind ungeprüft und unbewiesen. Doch die Frage, warum das bis heute so ist, bringt die Uefa unter Druck - speziell im Licht des aktuellen Fifa-Skandals um zwei dortige Vorständler, die angeblich ihre Stimme bei der WM-Kandidatenkür Anfang Dezember verkaufen wollten. Wieso durfte der hohe Landesfunktionär bisher nicht vortragen? Und: Bremste die Uefa-Verbandsspitze im August tatsächlich den eigenen Topfahnder Limacher aus? Marangos wäre sogar nach Genf geflogen - von wem kam das Stoppsignal? Platini soll den Vorgang nicht genau kennen, Infantino gibt sich unwissend. Er gilt intern aber als Widerpart Limachers.

Nur drei Wochen nach dem abgesagten Treff mit Marangos wurde Limacher in der Uefa kaltgestellt. Im September lösten mehrere Veröffentlichungen des Stern, die sich mit Limachers Mitarbeiter Robin B. befassten und diesen als Wettbetrüger darstellten, ein Uefa-internes Revirement aus. B. soll mit Limachers Duldung Reportern gegenüber Manipulationsbehauptungen bezüglich des Uefa-Cup-Halbfinales St.Petersburg - FC Bayern 2008 erhoben haben. Die Bayern verklagten das Uefa-Duo wegen Verleumdung. Ex-Mitarbeiter B. beantragte vor Wochen eine Einstweilige Verfügung gegen das Magazin, die Entscheidung steht immer noch aus.

Der Zypern-Vorgang wirft neue Fragen zum Umgang mit Limacher auf: War der Fahnder zur Belastung im eigenen Haus geworden? Unter Druck gab Limacher das Uefa-Disziplinarwesen ab, entlassen ist er nicht. Sollten Marangos' Vorwürfe substantiell sein, hätte die Uefa eine Affäre, die jene in der Fifa in den Schatten stellen würde. Marangos sagt, er würde "jederzeit mit den Papieren ins Flugzeug steigen".

© SZ vom 23.10.2010/jbe
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