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Arminia-Profi Edmundsson:Back to earth in Bielefeld

DSC Arminia Bielefeld v 1. FC Koeln - Bundesliga

Edmundsson war der umfeierte Mann beim 1:0 der Arminia gegen Köln.

(Foto: Getty Images)

Trifft er auch gegen die Bayern? Jóan Símun Edmundsson ist der erste färöische Fußballer der Bundesliga - seine Karriere ist ein kleines Wunder aus dem Norden.

Von Jonas Beckenkamp

Die Bundesliga ist bisher gut zu Bielefeld gewesen, aber das ist in Ostwestfalen noch lange kein Grund für Euphorie. Der Aufsteiger steht vor dem Duell mit dem FC Bayern an diesem Samstag auf Platz zehn, die Gemütslage könnte also durchaus Richtung Frohsinn neigen, doch vermutlich belässt man es in der Heimat der Arminia wie sonst auch bei einem "Joa, muss ja". Die Bayern? Ja, schon irgendwie cool, dass sie nach all den Jahren wieder auf der Alm gastieren, aber halt auch nur eine Fußballmannschaft. Klar, 2006 überrumpelte Arminia die Münchner mit 2:1, Siegtor durch Jonas Kamper. Aber deswegen gleich ausflippen? Muss nicht.

In Bielefeld hebt keiner so schnell ab, dafür ist die Volksseele zu sehr auf back-to-earth geeicht. Aber ein Bielefelder musste diese Woche durchaus hoch durch die Lüfte: Jóan Símun Edmundsson, 29, Bielefelds Vielflieger kehrte per Flugzeug von seiner Länderspielreise auf Färöer zurück - Lettland (1:1) und Andorra (2:0) hießen die Gegner in der Nations League. Nicht der ganz große Fußball, eher was für Liebhaber, doch dieser Edmundsson ist aktuell die größte Attraktion der Arminia. Sein Tor gegen Köln am 2. Spieltag bescherte der Liga eine Weltpremiere, denn einen färöischen Torschützen hatte es noch nie zuvor gegeben.

"Das war ein fantastischer Moment für mich", sagt "Eddy" nun mit all seinem verfügbaren nordischen Enthusiasmus am Telefon. Man muss wissen, dass Edmundssons Temperament in etwa so ausgeprägt ist wie das vieler Ostwestfalen, also kaum. Wer mit ihm spricht, erlebt eher keine Quasselstrippe, aber in Bielefeld lieben sie ihn gerade deswegen. "Ich mag es sehr bei Arminia und ich glaube, sie mögen mich hier auch", beschreibt er die gegenseitigen Gefühlswelten. Edmundssons Premierentor hat seinen Angaben nach fast jeder daheim in Färöer verfolgt, er bekam Zuschriften von "Freunden, von meinen ehemaligen Trainern und sogar von Menschen, die ich gar nicht kenne."

Überwältigend für einen, der irgendwie noch gar nicht begreifen kann, wie weit er es als Fußballprofi gebracht hat. Vom 1100-Seelen-Kaff Toftir am Skálafjørður auf der Insel Eysturoy in die Bundesliga - das ist die bisher abenteuerlichste Reise eines färöischen Fußballers überhaupt. "Ein Privileg" sei es für ihn, auf diesem Level zu spielen, auch wenn er es bisher nur auf Kurzeinsätze brachte. Andersherum darf sich aber auch die Bundesliga glücklich schätzen, endlich einen Färinger präsentieren zu dürfen.

In mythengefüllten Geschichtsbüchern steht, dass Deutschland zwar ein paar Bratseths, Bergdølmos oder Fjørtofts aus Norwegen erlebte. Isländer wie Sverrisson oder Sigurðsson. Dänen wie Simonsen, Lerby oder auch ein paar Poulsens. Die Bundesliga schloss Schweden, Esten, Finnen, Schotten ins Herz und mit Jesper Grønkjær einen gebürtigen Grönländer - es gab sogar deutsche Nordmänner wie André Hahn oder Toni Kroos zu bestaunen. Aber einen von den Färöer? Da haben die glücklichen Bielefelder ein Unikat. Ein weitgereistes noch dazu, denn gekommen war Edmundsson 2018 über viele Umwege. Er ist quasi einmal durch die ganze Nordsee geschippert, ehe er bei der Arminia anheuerte.

Odense, Newcastle, Fredericia, Stavanger, Torshavn, Vejle - das sind nur ein paar seiner Stationen. Und vielleicht ist für einen von den Schafsinseln Bielefeld ja schon sowas wie Italien. Bis es so weit war, musste er jedoch immer wieder nach Hause, um in der färöischen Liga bei Kurz-Engagements gegen sein Heimweh anzukicken. "Als ich jünger war, fiel mir die Eingewöhnung im Ausland schwer", blickt Edmundsson zurück, "ich war ungeduldig, wollte oft schnell wieder weiterziehen." Jetzt in Bielefeld ist das anders, er sei gereift und viel mehr im Frieden mit sich, findet er. Dabei lief es für ihn auch in Deutschland nicht immer nur schnurgeradeaus.

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