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0:6 gegen Spanien:Bierhoff stützt Löws Personalentscheidungen

Am gefahrlosesten ließe sich vermutlich Müller ins kräftig verjüngte Team einbauen. Löw hat zwar bereits jetzt im offensiven Mittelfeld tendenziell ein Überangebot zu moderieren, Müllers Form in München ist aber bestechend, viel besser als damals im März 2019, als er in München unter dem damaligen Trainer Niko Kovac litt. Ein Müller ist zudem immer gut fürs Binnenklima, da sind innenpolitische Probleme mit den aktuellen Führungskräften kaum zu befürchten.

Anders könnte dies im Fall Hummels aussehen. Käme der selbstbewusste Dortmunder Abwehrchef zurück, würde sich die Hierarchie in der Elf quasi über Nacht verändern. Jung gegen Alt, das war schon bei der missratenen WM 2018 in Russland eines der Probleme, das sich Löw vermutlich ungern wieder in seine Mannschaft zurückholen will. Ob Hummels oder Boateng im ersten EM-Spiel am 15. Juni 2021 gegen die französischen Supersprinter Kylian Mbappé, Kingsley Coman oder Antoine Griezmann viel besser aussehen würden als, sagen wir mal, ein Robin Koch, wäre ebenfalls eine interessante Frage.

Löw hat am Dienstagabend, sichtlich gezeichnet von der Niederlage, etwaige Avancen erst mal abgewehrt. Man müsse "die Situation zum richtigen Zeitpunkt bewerten", sagte Löw. Sein Vertrauen in die aktuellen Spieler sei "jetzt auch nicht völlig erschüttert", eine scheppernde Niederlage hin oder her. Nationalelfdirektor Oliver Bierhoff ließ die Gelegenheit aus, sich in der Personalfrage gegen Löw zu positionieren. "Die Frage ist immer die gleiche, und die Antwort ist auch immer die gleiche", sagte Bierhoff in der ARD: "Es ist eine Entscheidung des Trainers, wen er nominiert - aber ich teile die." Er sei "den Weg mitgegangen" und finde ihn "auch richtig".

Die Frage nach dem Zeitpunkt ist indes nicht so schwer zu beantworten: Löw hat seine Spieler erst in viereinhalb Monaten wieder beisammen, im März 2021; für dieses Treffen wird er, sofern er im Amt bleibt, einen Kader nominieren, der den Weg in Richtung EM weisen wird. In dem die Namen von Boateng und/oder Hummels und/oder Müller auftauchen werden. Oder eben nicht.

© SZ.de/sonn
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