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DFB-Präsident Fritz Keller:Wortbruch statt Aufbruch

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Fritz Keller war am Wochenende zu Gast im ZDF-Sportstudio.

(Foto: imago images/Martin Hoffmann)
  • DFB-Präsident Fritz Keller zieht es nach SZ-Informationen ins Führungsgremium des Weltverbands Fifa.
  • Bei seiner Wahl hatte Keller noch das Gegenteil versprochen.
  • Blickt der DFB im Weltfußball überhaupt noch durch?

Als Fritz Keller im vergangenen Herbst zum Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aufstieg, tat er selbstlos einen Verzicht kund. Nein, er wolle nicht in die Leitgremien von Fifa und Uefa einrücken, teilte er mit, andere Kollegen sollten diese - fürstlich dotierten - Vorstandsämter im Welt- und im Europaverband besetzen. Gewaltenteilung! Das war das Thema der Stunde beim sich selbst reformierenden DFB.

Offenkundig ist der fromme Ansatz nur Monate später schon Makulatur. Fritz Keller, 62, zieht es ins Council der Fifa, das formal höchste Gremium des Weltfußballs. Nach SZ-Informationen hat er sein Interesse bereits bei Fifa-Boss Gianni Infantino vorgetragen, den er vorige Woche in Zürich besuchte, und auch bei Europas Fußball-Union Uefa in Nyon. Eine konkrete Anfrage, ob Keller dies getan habe oder nicht, ließ der DFB unbeantwortet. Er erklärte aber allgemein, Ziel und Anspruch des Verbandes sei es, in den höchsten Gremien von Fifa und Uefa vertreten zu sein. Wirbt Keller also nun um ein Amt, wäre dies ein Widerspruch in Hinblick auf die vollmundigen Ankündigungen, die seine Inthronisierung begleiteten. Zugleich würde es das Bild nur ergänzen, das der DFB unter Kellers Regie abgibt.

Bei seiner Kür vor einem halben Jahr wurde Keller als Figur des Aufbruchs verkauft, der Verband steckte wieder mal tief in der Personalkrise. Amtsvorgänger Reinhard Grindel hatte abdanken müssen, weil aufgeflogen war, dass er eine Luxus-Uhr angenommen hatte. Ohnehin war sein autoritärer Führungsstil lange moniert worden. Als DFB-Chef besetzte er nach alter Sitte auch Vorstandssitze in Fifa und Uefa. Nach Grindel sollte die Macht verteilt werden, ein ganz anderer Typ Präsident sollte her. Am Ende eines monatelangen, strikt geheimen Findungsprozesses wurde Keller präsentiert - federführend ausgesucht vom mächtigen Amateur-Boss Rainer Koch und von Christian Seifert, dem smarten Chef der Deutschen Fußball-Liga und faktisch stärksten Mann im Betrieb.

Kellers denkwürdiger Auftritt im ZDF-Sportstudio

Keller, Präsident des Bundesligisten SC Freiburg, sollte der genügsame Neue sein, einer, der sich ganz aufs Präsidentenamt im DFB konzentrieren werde. Im Land gibt es genug zu tun, und der bodenständige badische Winzer wollte auch weiter die Bratwurst beim Amateurkick oder die Schorle im Stadion genießen. Ein neuer Chef. Eine neue DFB-Kultur?

Ein halbes Jahr danach ist von Auf- und Umbruch nichts mehr zu sehen. Rund um die Eskalation der Fanproblematik in der vergangenen Woche gab der DFB ein sehr schlechtes Bild ab. Und just Kellers Beiträge zu brisanten Gesellschaftsthemen, die den Fußball erschüttern, klangen weitgehend substanzfrei. Die Fans, die per Schmähbanner in Hoffenheim an einen DFB-Wortbruch erinnern wollten? Seien schlicht auf Zerstörung des Spiels aus. Rassismus? Da könnte sich auch mal das restliche Stadionpublikum gegen die Täter wenden. Frauen? Einfach mehr Verantwortung anstreben, appellierte Keller wacker im ZDF-Sportstudio. Es war ein denkwürdiger Auftritt, er bündelte die bisherige Außendarstellung des neuen Chefs. Da fügt sich ein, dass auch zur Sommermärchen-Affäre, die ab Montag vor dem Schweizer Bundesgericht verhandelt werden soll, nichts spürbar ist von der beschworenen neuen Transparenz.

Aber jetzt kümmern sich die Deutschen auch auf der internationalen Bühne ums Porzellan. Keller und Co. werfen die ursprüngliche Ansage über Bord, der DFB-Chef befasst sich mit seiner Fifa-Nominierung. Ein Funktionär, der erst im Herbst 2018 bei seinem SC Freiburg auf Repräsentativ-Aufgaben reduziert worden war, was ihm erkennbar Unmut bereitet hatte.

Wortbruch statt Aufbruch: Ist das die neue, alte Losung? Wenn das so käme, würde die Frage auch diejenigen erreichen, die Keller so akribisch ausgewählt haben.

Bei der affärenbedingten Neuaufstellung im Herbst waren Gewaltenteilung und gegenseitige Kontrolle das Kernmotto der gebeutelten Funktionäre um DFB-Interimschef Rainer Koch, 61. Gerade für ihn, den eifrigen Kulissenschieber aus Bayern, der auch Grindels Königsmacher war, durfte beim zweiten Anlauf nichts schiefgehen. Außerdem hatte das mit der Gewaltenteilung auch für ihn einen aparten Nebeneffekt: Koch drängte sich jetzt für die internationalen Hochämter auf, die Grindel in Uefa und Fifa hinterließ.

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