WM-Prozess:Der ominöse fünfte Mann

Gianni Infantino

Fifa-Präsident Gianni Infantino.

(Foto: dpa)
  • Am Montag soll der Prozess um die WM-Affäre in der Schweiz beginnen.
  • Nachdem das Gericht eine Verlegung wegen des Coronavirus-Ausbruchs abgelehnt hatte, droht nun aus anderen Gründen das Ende des Prozesses.
  • Es geht dabei um neue Details rund um ein Geheimtreffen zwischen Fifa-Präsident Gianni Infantino und dem Chef der Schweizer Bundesanwaltschaft Michael Lauber.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Im Herbst 2015 hat die Affäre begonnen, am Montag soll in Bellinzona nun der Strafprozess zur Millionenschieberei um die WM 2006 starten. Aber das Verfahren wackelt immer heftiger. Zwar wies das Bundesgericht das Begehr der Beschuldigten zurück, die Sache wegen des Coronavirus zu vertagen. Doch nach SZ-Informationen gibt es vom Anwalt des früheren Fifa-Generals Urs Linsi einen neuen Antrag, den das Gericht nicht so leicht ablehnen kann. Ein Verfahrensende, zumindest die Unterbrechung wird verlangt - Linsis Anwalt stützt seine Forderung auf die gravierenden neuen Fakten, die am Mittwoch zum seltsamen Innenverhältnis zwischen Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) und Fußball-Weltverband ruchbar wurden. Die Fifa ist in diesem Verfahren Privatkläger.

Mitte der Woche publizierte die für die BA zuständige Aufsichtsbehörde ein 48 Seiten langes Dokument über die Verfehlungen von BA-Chef Michael Lauber; voll abenteuerlicher Erkenntnisse und Vorwürfe. Entscheidend für Linsis Eingabe ist ein ganz neuer Sachverhalt. Die Aufseher legen dar, dass bei einem Geheimtreffen im Juni 2017, an das sich kein Beteiligter mehr erinnern will und über das Lauber laut Aufsichtsbehörde mehrfach "willentlich und wissentlich die Unwahrheit" sagte, nicht nur der BA-Chef, sein Sprecher, Fifa-Boss Gianni Infantino und dessen juristischer Helfer Rinaldo Arnold zugegen waren. Sondern noch eine fünfte Person, deren Name sich aus Laubers Terminkalender ergebe. Im publizierten Bericht wurde der Name aber geschwärzt.

Damit erscheint klar: Sollte der mysteriöse fünfte Teilnehmer konkret in die Ermittlungsarbeiten involviert gewesen sein, wäre der Prozess wegen Befangenheit erledigt. Bereits in zwei anderen Fällen beriefen sich Beklagte auf Laubers Dates mit Infantino - prompt wurde eingestellt. Auch im Sommermärchen gab es eine solche Eingabe; sie wurde verworfen, weil sie zu spät erfolgt sei. Jetzt muss das Bundesgericht über eine dank neuer Vorwürfe drastisch verschärfte Eingabe entscheiden. Explizit wird das Gericht aufgefordert, die ominöse fünfte Person zu identifizieren. Das hatte die Aufsicht der Bundesanwaltschaft nicht getan.

Für den Basler Fifa- und Korruptions-Experten Mark Pieth ist klar: "Es wäre auch für die Öffentlichkeit außerordentlich wichtig zu erfahren, wer die zusätzliche Person ist. Falls es der verfahrensleitende Staatsanwalt war, haben wir tatsächlich eine fundamental andere Lage!"

Linsis Anwalt listet zahllose weitere Befangenheitsgründe auf. Die Bundesanwaltschaft verfüge über einen "Giftschrank" im Fifa-Komplex, ohne dessen Öffnung kein Verfahren fortgesetzt werden könne. Der Bericht beschreibe sogar, wie die Behörde Infantino den Weg an die Fifa-Spitze geebnet habe. Linsis Partei fordert die Offenlegung des von der Aufsicht vielfach geschwärzten Berichts; insbesondere an heiklen Stellen, wie zur Kooperation zwischen BA und US-Justiz.

Im Prozess geht es um die Zahlung von 6,7 Millionen Euro des DFB an die Fifa im April 2005. Laut BA liegt eine Schädigung des DFB vor, weil das Geld der Rückzahlung eines Kredits für Franz Beckenbauer gedient habe. Beschuldigt sind neben Linsi die DFB-Altfunktionäre Theo Zwanziger, Horst R. Schmidt und Wolfgang Niersbach. Alle drei werden nicht nach Bellinzona reisen.

© SZ vom 07.03.2020/schm
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