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Pokal-Drama in Dortmund:"Langsam wird es lächerlich"

Borussia Dortmund v SC Paderborn 07 - DFB Cup: Round Of Sixteen

Gesprächsbedarf: Tobias Stieler im Dialog mit Paderborns Trainer Steffen Baumgart.

(Foto: Pool/Getty Images)

Ein umstrittenes Dortmunder Tor entscheidet das Pokal-Achtelfinale gegen Paderborn in der Verlängerung. SCP-Trainer Steffen Baumgart kritisiert Schiedsrichter Tobias Stieler scharf.

Erst Blitzstart, dann großes VAR-Drama - Borussia Dortmund hat in einem Pokal-Thriller die nächste Hürde auf dem Weg nach Berlin nur knapp genommen. Nach drei Achtelfinalpleiten in Serie bezwang der BVB den leidenschaftlich kämpfenden Zweitligisten SC Paderborn im westfälischen Dauerregen mit 3:2 (2:2, 2:0) erst nach Verlängerung und schaffte es wieder in die Runde der letzten Acht.

Die niemals verzagenden Gäste boten nach ihrem Zweitrundencoup bei Union Berlin wieder eine starke Leistung - doch BVB-Stürmer Erling Haaland (95.) sorgte für die Entscheidung, die erst nach knapp fünfminütiger Überprüfung wegen einer möglichen Abseitsstellung feststand. Tat Haaland wohl auch, doch Schiedsrichter Tobias Stieler wollte zuvor eine Berührung eines Paderborners gesehen haben.

Das brachte den SCP-Coach Steffen Baumgart in Rage. "Das ist eine Frechheit. Wir haben die Bilder, das kann er sich 20 Mal angucken. Daraus eine Berührung des Balles zu machen, finde ich frech. Langsam wird es lächerlich. Das ärgert mich, das hat keiner verdient. So machen wir uns zum Affen. Respekt bedeutet auch, sich den Scheiß anzugucken und eine Entscheidung zu treffen", sagte Baumgart in der ARD und fügte hinzu: "Es geht hier für uns um zwei Millionen. Ich bin keine Aktiengesellschaft, wir kämpfen um jede müde Mark. Ich bin gespannt, ob ich einen Brief vom DFB bekomme, weil ich mich aufgeregt habe."

"Wir kamen richtig gut rein und haben schnell zwei Tore gemacht. Dann wurde es ein Pokalspiel, in dem alles passieren konnte. Für die Zuschauer zu Hause war es ein geiler Pokalabend, für uns war es hart", sagte BVB-Profi Thomas Delaney in der ARD.

Nach Videostudium: Kein Haaland-Tor, dafür Strafstoß für Padeborn

Viermal in Folge Finale, danach dreimal das bittere Aus: 2021 soll es für den BVB bis ins Endspiel gehen. "Berlin, dafür kämpfen wir", sagte Trainer Edin Terzic. Emre Can (6.) und Jadon Sancho (16.) bescherten ihm mit frühen Toren nur scheinbar einen entspannten Abend - auch ohne Abwehrchef Mats Hummels, Stammtorwart Roman Bürki (beide verletzt) und Kapitän Marco Reus, der auf der Bank saß. Spätestens nach dem Treffer durch Julian Justvan (79.) musste der Favorit bangen.

In der Nachspielzeit wurde es dramatisch. Haaland traf zur vermeintlichen Entscheidung (90.+5), doch Schiedsrichter Tobias Stieler bemühte aufgrund einer vorherigen Szene im BVB-Strafraum den Videobeweis und entschied nach Studium der Bilder auf Foul von Felix Passlack an Sebastian Schonlau. Prince Owusu (90.+7) verwandelte den Elfmeter sicher.

Paderborn, darauf hatten Terzic und auch SCP-Trainer Steffen Baumgart hingewiesen, ist der Gegner gleich: Es wird gepresst und nach vorne gespielt. Das setzten die Gäste auch mutig um - aber sie wurden kalt erwischt, als Can mit links aus sieben Metern wuchtig abzog. Sanchos Tor machte der Hoffnung auf einen "sensationellen Tag" (Baumgart) fast schon ein Ende.

Dortmund versucht die Uhr herunterzuspielen

Doch der BVB schaltete zu früh auf Verwaltung um und verunsicherte sich gegen flinke, extrem laufstarke Paderborner selbst. Dennis Srbeny (25.) und Christopher Antwi-Adjei (31.) vergaben große Chancen auf den Anschlusstreffer, Can musste seine Kollegen in der Abwehr wachrütteln. Erst danach hatten die Dortmunder wieder mehr Kontrolle, obwohl auch Mateu Morey (Übelkeit) den Platz verlassen musste.

In ungewohnter Zusammensetzung spielte der BVB fortan mit viel Ballbesitz die Uhr herunter, hohe Kunst war es äußerst selten. Die Paderborner blieben ihrem Stil treu, sie rannten wie besessen auf und ab, waren nervig und liefen mit Erfolg stets die gegnerischen Abwehrspieler an.

Mehr als eine weitere Srbeny-Chance (56.) und einen Fernschuss von Jamilu Collins (66.) brachte dieser gewaltige Aufwand aber lange nicht ein. Andererseits war das schon besser als alles, was der BVB offensiv nach dem 2:0 bis zur 70. Minute zustande brachte: Erst Sancho (73.) hatte bei einem Konter wieder eine gute Gelegenheit. Er schob den Ball knapp am Pfosten vorbei, damit blieb Paderborn aus Sicht der Gastgeber unnötig im Spiel gab mit dem Anschlusstor den Startschuss für einen Krimi.

Bremen setzt sich durch

Werder Bremen ist seiner Favoritenrolle gegen die SpVgg Greuther Fürth gerecht geworden. Die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt schlug den Zweitligisten am Dienstagabend nach einem engagierten Auftritt mit 2:0 (1:0) und sicherte sich neben der weiter bestehenden Chance auf den siebten Pokaltriumph auch eine willkommene Prämie in Millionenhöhe.

Möhwald brachte sein Team mit dem Führungstreffer nach einer Ecke auf Kurs (12.), schon am Samstag hatte der Mittelfeldspieler gegen Schalke (1:1) getroffen. Der eingewechselte Felix Agu erhöhte in der 73. Spielminute auf 2:0 und nahm den Gästen den Mut. Werder verdiente sich den Erfolg, musste aber gegen engagierte Fürther von Trainer Stefan Leitl alles abrufen.

Kiel setzt sich erneut im Elfmeterschießen durch

Bayern-Bezwinger Holstein Kiel steht nach einem erneuten Elfmeter-Krimi im Viertelfinale. 20 Tage nach dem Coup gegen den Pokal-Verteidiger aus München setzten sich die "Störche" im Entscheidungsschießen 7:6 (1:1, 0:0) gegen den Zweitliga-Konkurrenten Darmstadt 98 durch.

Simon Lorenz verwandelte den entscheidenden Elfmeter. In der regulären Spielzeit hatten Janni Serra (58.) für Kiel und Serdar Dursun (86.) für Darmstadt getroffen. Zum letzten Mal hatten die Kieler zuvor 2012 unter den besten acht Mannschaften gestanden.

© SZ.de/sid/dpa/tbr
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