DFB-Sieg gegen die Niederlande Bei Gnabry und Sané geht ein Raunen durchs Stadion

  • Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt nach starker erster und schwächerer zweiter Halbzeit 3:2 gegen die Niederlande.
  • Der Auswärtssieg bedeutet einen optimalen Start in die EM-Qualifiktion.
  • Bundestrainer Löw lobt die "guten Abläufe nach vorne, in die Tiefe". Insbesondere Leroy Sané und Serge Gnabry können überzeugen.
Von Matthias Schmid, Amsterdam

Die Schiene am rechten Daumen bedeckte das gesamte Gelenk und reichte fast bis zum Nagel hinauf. Sie sah furchteinflößend aus; Manuel Neuer war am Sonntagabend trotzdem voll belastbar, davon hatten sich die Zuschauer in der Arena in Amsterdam überzeugen können. Nach dem 3:2 (2:0) der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande im ersten Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2020 tat der Kapitän im Inneren des Stadions seine Meinung kund, dabei trug er die ganze Zeit eine schwarze Plastiktüte in der Hand spazieren, die bis oben hin gefüllt war. Sein Daumen, der ihm vor kurzem noch ein paar Spiele vom Sport befreit hatte, machte ihm offensichtlich keine Scherereien mehr.

Die Diskussion, ob er von Bundestrainer Joachim Löw in den vorzeitigen Ruhestand hätte versetzt werden müssen - genauso wie seine FC-Bayern-Kollegen Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng - hatte zuvor auch den lange unfehlbaren Torwart erreicht. Aber nach dem Spiel, nach seinen beiden spektakulären Manuel-Neuer-Momenten, dürften die Kritiker, die eine Berufung Marc-André ter Stegens zur Nummer eins gefordert hatten, vorerst inne halten.

"Ich weiß nicht, wer was gesagt hat", erklärte Neuer unaufgeregt, wie es seinem Naturell entspricht: "Grundsätzlich habe ich darauf gewartet, dass Szenen kommen, bei denen ich mich auszeichnen kann, in der Vergangenheit hatte ich nicht viele davon."

DFB-Elf in der Einzelkritik

Gnabry lässt van Dijk wie einen Schulbuben aussehen

Die erste Halbzeit sei "sensationell" gewesen, sagt Gnabry

Neuers herausragender Arbeitsnachweis gegen den Niederländer Ryan Babel, die taktische Grundausrichtung der DFB-Elf, die Schnelligkeit von Leroy Sané und Serge Gnabry - das waren die bestimmenden Themen nach dem erfolgreichen Start der deutschen Mannschaft in das Pflichtspieljahr. Vor allem in der ersten Hälfte hatte man eine Ahnung davon bekommen können, wie der deutsche Fußball seine lange vernachlässigte Transformation in die Moderne umsetzen könnte. In den guten Momenten sah es schon ganz nach dem Fußball der Zukunft aus, den Löw sich vorstellt: "Die erste Halbzeit haben wir wirklich sehr gut gespielt, das Spiel unter Kontrolle gehabt, hatten gute Abläufe nach vorne, in die Tiefe."

Gnabry kam sogar das Wort "sensationell" über die Lippen, um die Darbietung zu beschreiben, die eine 2:0-Pausenführung ergab. Löw hatte sich für eine 3-4-3-Grundformation entschieden, nachdem Marco Reus wegen Oberschenkelproblemen nicht für 90 Minuten fit zu bekommen war. Sané und Gnabry liefen in vorderster Linie als zentrale Stürmer auf, ein wenig dahinter assistiert von Leon Goretzka.

Doch eigentlich waren Sané und Gnabry überall zu finden, sie kombinierten, sie rannten und wirbelten die niederländische Abwehr um Virgil van Dijk durcheinander und überführten sie ein ums andere Mal der Hüftsteifigkeit in Tatmehrheit mit Überforderung. Reus hob den enormen Speed der beiden hervor und Joshua Kimmich schwärmte, dass es klasse sei, "dass man sie sowohl in die Tiefe als auch in den Fuß anspielen kann".