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DFB-Elf unterliegt Italien 1:2:Unbezwingbares blaues Bollwerk

Gegen den Stadionsprecher konnte dann aber auch der Bundestrainer nichts mehr ausrichten. Eine halbe Stunde vor dem Anpfiff verkündete er das wohlgehütete Geheimnis: Toni Kroos, Lukas Podolski und Mario Gomez in der Startelf, die Viertelfinal-Beginner Marco Reus, André Schürrle und Miroslav Klose auf der Bank. Jetzt war nur noch die Frage zu klären, wer sich von diesem Überraschungs-Coup mehr würde überraschen lassen: die Italiener? Oder die Deutschen selbst?

Deutschland gegen Italien 2012 in Warschau

Besiegt von Mario Balotelli. Philipp Lahm ist fassungslos.

(Foto: AFP)

Zunächst schien die DFB-Auswahl die Kriegslisten von Löw besser zu verstehen. Und am besten verstand sie natürlich der schlaue Mats Hummels. Der Innenverteidiger eröffnete den Hauptteil des Abends mit einer vorzüglichen Stürmeraktion. Seinen Kopfball kratzte der ebenfalls ziemlich schlaue Andreas Pirlo aber technisch brillant von der Linie. Toni Kroos, der sich mit Mesut Özil das Spielzentrum sowie die einstige Müller-Reus-Flanke aufteilte, gab den nächsten Warnschuss ab. Es war ein verwirrend mutiger Beginn der deutschen Mannschaft. So konnte es weitergehen. Ging es aber nicht. Nicht einmal im Ansatz.

Löws Jungs brachten sich mit ihrem mobilen Mittelfeld nämlich auch selbst aus dem Konzept. Sie wollten das ausgefuchste italienische Mittelfeld um Pirlo, Claudio Marchisio und Daniele De Rossi verbauen. Sie bauten allerdings nur Löcher. Und vor allem vernachlässigten sie mit zunehmender Dauer ihre Kerngeschäfte. Vor dem italienischen Führungstreffer gab Hummels einen zweikampfschwachen Außenverteidiger. Auch Özil und Jérôme Boateng standen nur so dabei, als Antonio Cassano auf Balotelli flankte - und da wollte Holger Badstuber auch nicht weiter stören. Weil Deutschland keinen Pirlo auf der Linie hatte, sondern nur einen Neuer, stand es nach 20 Minuten 0:1.

Eine Viertelstunde später vernachlässigten die sichtlich geschockten Deutschen dann alle Geschäfte auf einmal. Riccardo Montolivo schickte Balotelli diesmal mit einer langen Bogenlampe auf die Reise. Im Mittelfeld fehlte der Zugriff, in der Abwehr die Ordnung. Balotelli drosch den Ball unhaltbar für Neuer zum 2:0 ins Netz. Solch ein simples Tor hatten sich Löws Fußballer schon lange nicht mehr eingefangen.

In der Halbzeitpause unternahm der sichtlich gezeichnete Bundestrainer den Versuch, seine gravierendsten Fehlkal- kulationen aus dem ersten Durchgang zu korrigieren. Er brachte die Viertelfinaltorschützen Marco Reus und Miroslav Klose für Lukas Podolski und Mario Gomez. Das Spiel der Deutschen nahm in der Folge damit wieder etwas an Fahrt auf, aber jetzt verlegten sich die Italiener auf ihre fast schon vergessenen Kernkompetenzen. Sie verbarrikadierten ihr Tor mittels eines massiven Doppelvierer-Blocks.

Die deutsche Elf mühte sich redlich, aber es fehlten die zündenden Ideen und, ja, auch die Überraschungen um dieses blaue Bollwerk zu durchbrechen. Dies glückte nur Mesut Özil spät (90.+20), mit einem Handelfmeter, den Balzaretti verursacht hatte. 1:2 - aus der Traum.

© SZ vom 29.06.2012/ebc
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