Debatte um deutsche Anti-Doping-Behörde:Geld floss nach langem Gezerre

Tatsächlich hatte sich kurz vor der Nada-Feier etwas getan in der Finanzdebatte. Ende Oktober bewilligte der Sportausschuss nach langem Gezerre weitere Gelder. Aber damit war Richthofens Kritik nicht obsolet geworden. Bewilligt wurde ja nur eine Umverteilung - und eine dauerhafte Lösung gibt es weiter nicht.

Dass die Finanzierungssorgen der Nada nach wie vor groß sind, kritisierte erst jüngst David Howman, der Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur: "Ich finde es bedauerlich, dass sie keine abgesicherte Zukunft hat und keinen gesicherten Geldbetrag, mit dem sie planen kann." Dass die Nada Geld von Staat, Sport und privater Seite einsammeln müsse, sei "nicht das normale Modell. In den meisten Ländern werden die Agenturen voll vom Staat finanziert".

Dagmar Freitag, die Sportausschuss-Chefin und Nada-Aufsichtsrätin, nimmt die Änderungsaktion mit Erstaunen zur Kenntnis. "Wenn man unbedingt nachträglich etwas korrigieren wollte, hätte man den Satz nicht ersatzlos streichen, sondern umformulieren sollen; schließlich war die grundsätzliche Kritik von Herrn von Richthofen ja durchaus berechtigt", sagt die SPD-Politikerin. "Es war nicht akzeptabel, die Gelder für die Nada kürzen zu wollen. Es ist schließlich nur in einer Last-Minute-Aktion gelungen, die Finanzierung für 2013 seitens des Bundes sicherzustellen."

Neben der Frage, warum Politik und Sport so sehr an Kosmetikübungen für ihre als handzahm geltende Nada gelegen ist, geht es nun um die Mehrkosten für den Eingriff. Laut Nada betrugen sie 2500 Euro - eineinhalb Dutzend Urinproben ließen sich damit finanzieren. Angesichts des knappen Etats stellt sich die Frage, wie sinnvoll der Aufwand war. Für eine Jubiläumsbroschüre (Auflage: 2500). "Wer so knapp mit dem Geld ist wie die Nada, muss auf jeden Cent schauen", findet Freitag.

Die Sportpolitikerin hatte sich schon bei Tygarts Besuch stark über ein Zitat gewundert, das ihm der DOSB nach dem Treff mit Bach und Vesper, engagierten Gegnern eines harten Anti-Doping-Gesetzes wie in anderen Ländern, zugeschrieben hatte: Es sei "die gute Zusammenarbeit zwischen Usada, dem deutschen Sport und der Nada deutlich geworden".

Freitag, die Tygart eingeladen hatte, hält dagegen: "Sowohl im Ausschuss als auch in einem knapp einstündigen Vorgespräch hat Tygart deutlich gemacht, wie wichtig aus seiner Sicht eine deutliche Trennung von Agentur und Sport ist." Was hierzulande nicht der Fall ist. Hierzulande stellt die PR-Arbeit, die der Sport für seine Nada betreibt, deren Fahndungserfolge locker in den Schatten.

© SZ vom 16.02.2013/jbe
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