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Reaktionen auf Doping-Geständnis:"Armstrong soll für seine Lügen büßen"

Der Tennis-Weltranglistenerste Djokovic nennt Lance Armstrong eine "Schande für den Sport", Usada-Boss Trygart hält das Geständnis für nicht ernst gemeint und Wada-Präsident Fahey glaubt, dass der Radfahrer der Erlösung nicht näher gekommen ist. Die Reaktionen auf die Beichte des Rad-Betrügers bei Oprah Winfrey.

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Travis Tygart

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Der Tennis-Weltranglistenerste Djokovic nennt Lance Armstrong eine "Schande für den Sport", Usada-Boss Trygart hält das Geständnis für nicht ernst gemeint und Wada-Präsident Fahey glaubt, dass der Radfahrer der Erlösung nicht näher gekommen ist. Die Reaktionen auf die Beichte des Rad-Betrügers bei Oprah Winfrey.

Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur Usada, bezeichnete Lance Armstrongs Geständnis als "kleinen Schritt in die richtige Richtung". Tygart, der mit seinen Ermittlungen maßgeblich zum Sturz des früheren Radsport-Helden beigetragen hatte, forderte: "Wenn er es ernst meint, seine Fehler zu korrigieren, muss er ein vollständiges Doping-Geständnis unter Eid ablegen." Armstrong hatte die Untersuchungen der Usada stets als "Hexenjagd" oder "Blutrache" bezeichnet. Tygart sagte: "Heute hat Lance Armstrong endlich akzeptiert, dass seine Radsport-Karriere auf einer mächtigen Kombination aus Doping und Betrug basiert hat."

Tour de France - Jens Voigt

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Der deutsche Radprofi Jens Voigt zeigte sich wenig überrascht über die TV-Doping-Beichte. Nach den Anklagen der US-Anti-Doping-Agentur Usada sei "klar gewesen, in welche Richtung das Gespräch gehen würde", sagte Voigt. Er habe das Interview nicht live gesehen, weil er zur Vorbereitung auf die Tour Down Under im australischen Adelaide beim Training war. "Die Leute mögen Geständnisse, aber es wird für Lance sicher noch ein langer Weg", meinte der RadioShack-Fahrer. Dem Team gehörte zuletzt auch Armstrong an. Voigt monierte eine gewisse Laxheit Armstrongs bei seinen angebotenen Entschuldigungen. "Ich habe gegen ihn nur ein, zwei Rennen verloren. Das war nicht schlimm. Aber es gibt sicher andere, die haben viel mehr unter ihm gelitten. Da wird noch mehr nötig sein, als ein kurzes Sorry über den Bildschirm", meinte der 42-jährige Berliner.

2013 Australian Open - Day 5

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Der Tennis-Weltranglistenerste Novak Djokovic bezeichnete Lance Armstrong als eine "Schande für den Sport". Nach seinem Einzug ins Achtelfinale der Australian Open forderte der Serbe, Armstrong solle "für seine Lügen büßen". "Er hat den Sport betrogen. Er hat viele Menschen auf der ganzen Welt mit seiner Karriere und seiner Lebensgeschichte betrogen", sagte Djokovic. Seine eigene Sportart hält der Tennisspieler für sauber.

Werner Franke

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Der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke sprach von einem "Minimalgeständnis" und erinnerte daran, dass Armstrong Kronzeugenaussagen zufolge "Kollegen physisch bedroht und alle möglichen Tricks angewandt" habe: "Ich glaube dem grundsätzlich gar nichts. Er tut nur das, was nötig ist, um die eine oder andere seiner Millionen noch behalten zu dürfen."

Pat McQuaid

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Der Radsportweltverband UCI begrüßt die Doping-Beichte von Armstrong. UCI-Präsident Pat McQuaid sprach von "einem wichtigen Schritt auf dem langen Weg, den Schaden zu reparieren, den der Radsport erlitten hat, und um das Vertrauen in den Sport zurückzugewinnen". Der Ire sah in den Aussagen Armstrongs auch eine Bestätigung dafür, dass es nie eine "geheime Absprache oder Verschwörung" zwischen Armstrong und der UCI gegeben habe. Auch an der 125.000 Dollar Spende im Jahr 2002 sei nichts Verwerfliches gewesen. "Es gab keine positiven Tests, die vertuscht wurden und er hat bestätigt, dass die Spenden an die UCI als Unterstützung im Kampf gegen Doping gedacht waren", sagte McQuaid. McQuaid, der seit 2005 der UCI vorsitzt und im Zuge des Falls Armstrong stark in der Kritik steht, unterstrich auch Armstrongs Aussage, dass der Radsport heute ein "komplett veränderter Sport" sei.

Rolf Aldag

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Der frühere Radprofi und jetzige Manager bei Tony Martins Quickstep-Team, Rolf Aldag, attestiert Lance Armstrong ein klares Bekenntnis zu seiner Doping-Vergangenheit. "Er hat nicht rumgeeiert, er steht zu seiner Entscheidung und seiner Geschichte", sagte der 44-Jährige. Das Entscheidende sei aber, dass es nach dem Interview einen dritten Teil gäbe, "den, wo es um Aufklärung und Erneuerung geht. Es war ein Anfang für ihn, aber er muss jetzt dranbleiben".

Radsport - Jörg Jaksche

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Für den ehemaligen Radprofi und Doping-Kronzeugen Jörg Jaksche hat Armstrong bei seiner Beichte "keine Reue gezeigt". "Das war die Pflichtaufgabe, um sein Image aufzupolieren", sagte der ehemalige Armstrong-Konkurrent. Jaksche vermutet, dass für das tagelang angekündigte Gespräch mit der Oprah Winfrey viel Geld geflossen sein muss. "Vielleicht hat er so viel bekommen, wie er im Prozess gegen sein ehemaliges US-Postal-Team angeboten hat", sagte Jaksche. Der Texaner hatte nach US-Medienberichten für die Einstellung des Verfahrens fünf Millionen Dollar geboten.

Vancouver 2010 - Pressekonferenz

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John Fahey, Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, übte vor allem an der Aussage des Ex-Radprofis, durch den jahrelangen Dopingkonsum lediglich faire Voraussetzungen schaffen zu wollen, heftige Kritik. Dieser Kommentar sei "ein bequemer Weg zu rechtfertigen, was er getan hat - nämlich betrügen", sagte Fahey. Durch solche Aussagen werde Armstrong "völlig unglaubwürdig", ergänzte er. Der Wada-Boss war von dem Auftritt enttäuscht. "Er hat keine Namen genannt, hat nicht verraten, wer ihn (mit Dopingmitteln) versorgt hatte, welche Funktionäre involviert waren", bemängelte Fahey und ergänzte: "Falls er auf Erlösung aus war, war er nicht erfolgreich."

Cycling Tour of Oman - third stage

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Der deutsche Radfahrer Marcel Kittel sagte: "Um es auf den Punkt zu bringen: Eigentlich ist nichts Neues rausgekommen. Und außerdem ist immer noch nicht ersichtlich, was sein Ziel ist."

Fritz Sörgel

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Fritz Sörgel, Dopingexperte und Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) in Heroldsberg bei Nürnberg,  bezeichnete das Geständnis gerade im Vergleich zu den Kronzeugenaussagen gegen Armstrong als "gar nichts, eine einzige Enttäuschung."

© Süddeutsche.de/dpa/sid/sonn/jbe

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