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Bundesliga:Salz&Pfeffer-Abend mit Tuchel und Guardiola

Emotionales Coaching: Thomas Tuchel und Pep Guardiola bei dem jeweils ersten Saisonspiel ihres Vereins.

(Foto: ap)

In seinem Pausenjahr traf sich Dortmunds neuer Coach mit Kollege Guardiola, um wild über Taktik zu diskutieren. Nun sind sie Rivalen. In Kürze wird sich zeigen, ob der BVB die Bayern wirklich ärgern kann.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Der Geschichte nach, die vermutlich einmal zur Legende wird, haben sich die Kellner am Ende nicht mehr an den Tisch getraut. Derart wild sei dort mit Salz- und Pfefferstreuern hantiert, seien diese in ständig wechselnden Formationen über die polierte Platte verschoben worden, dass eine ordnungsgemäße Anlieferung von Getränken nicht möglich gewesen sei. Eigentlich hatten sich Pep Guardiola und Thomas Tuchel verabredet, um sich besser kennenzulernen, um über Fußball zu reden, doch im Verlauf des Abends, heißt es, sei die Sache zwischen den Taktik-Freaks eskaliert. Da hätten beide mit Salz und Pfeffer hantiert wie zwei Generäle, die sich in die Nachstellung historischer Schlachten reinsteigern. Guardiola und Tuchel spielten die ganz berühmten Rasen-Derbys nach. Einmal, so wird es in München erzählt, geschah dies im Restaurant Brenners in der Maximilianstraße, einmal in der Bar Schumanns am Odeonsplatz. Der Salz&Pfeffer-Abend fand im Schumanns statt.

Seit Thomas Tuchel sein Pausenjahr beendet hat und bei Borussia Dortmund anheuerte, gilt der Kontakt zunächst einmal - aus wettbewerbsrechtlichen Gründen - als eingefroren. Mit Gegnern speist man nicht! Aus Tischnachbarn sind wieder Rivalen geworden, die das jeweilige Werk bereits am ersten Spieltag respektvoll beäugt haben dürften. Guardiolas Bayern siegen 5:0, Tuchels Dortmunder legten per 4:0 nach (und sogar Breitenreiters Schalker meldeten sich mit einem 3:0 zurück). Ob sich daraus eine Kampfansage entwickelt, ob der FC Bayern auf dem Weg zur anvisierten vierten Meisterschaft in Serie kernig herausgefordert wird, ist völlig offen, zunächst aber stimmt wohl der erste Eindruck zur Saison: Die Ligaspitze stürmt schlank und fit aus dem Sommerloch.

Tuchel quälte die Bayern 2010 mit einer "Boy-Group"

Tuchel hatte einst schon im kleinen Mainz die Theorie vertreten, man dürfe vor den Bayern nicht auf die Knie fallen. Und auch Guardiola wird längst die jüngere Liga-Historie kennen, in der Tuchel den Worten auch schon Taten folgen ließ: Unvergessen jener Septembertag im Jahr 2010, an dem eine Mainzer "Boy-Group" die Louis-van-Gaal-Bayern in München mit einem 2:1-Sieg quälte.

Direkt konfrontiert sehen sich die beiden Tischfußballer bereits am sechsten Spieltag. Spätestens dann, wenn der Schumanns-Cup zwischen Guardiolas Bayern und Tuchels BVB im Stadion ausgespielt wird, muss sich weisen, wie tief die gemeinsamen Nächte nachwirken. Ob die Gemüter dieser beiden Generäle, die durchaus als reizbar gelten, auch im direkten Duell auf freiem Feld bestehen.

© SZ vom 17.08.2015/mane
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