Bayern-Sieg gegen HSV:52 Minuten zäh, dann überfordert

FC Bayern Muenchen v Hamburger SV - Bundesliga

Thomas Müller trifft zum 4:0 für den FC Bayern. Nicht nur HSV-Keeper René Adler ist da überfordert.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Nach dem 2:0 gegen den Hamburger SV zeigt der FC Bayern seine taktische Vielfalt.
  • Die folgenden Tore von Thomas Müller sind das Ergebnis wunderbarer Spielzüge. Das 5:0 erzielt ein begeisternder Zugang des FC Bayern.
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Aus dem Stadion von Benedikt Warmbrunn

Erinnerung an ein Derby vor 50 Jahren

Die neue Bundesliga-Saison, sie begann mit einem ausgesprochen dominanten Hamburger SV. Die Mannschaft, die sich in der vergangenen Spielzeit erst in der Relegation vor dem Abstieg gerettet hatte, konnte zunächst 100 Prozent in der Ballbesitzstatistik für sich verbuchen, elf Sekunden lang. Nach 19 Sekunden gewann der Hamburger Dennis Diekmeier den ersten nennenswerten Zweikampf. Und der erste Torschuss der Spielzeit 2015/16 der Fußball-Bundesliga kam von Lewis Holtby.

Allein, der erste Tabellenletzte der Saison hieß am Ende dieses Freitagabends dennoch: Hamburger SV.

Und der erste Tabellenführer, das war der FC Bayern München. Die anderen 16 Mannschaften der Liga mögen an diesem Freitag nicht gespielt haben. Und doch steckte im Auftreten des Titelverteidigers beim 5:0 (1:0) gegen Hamburg eine Bestimmtheit, die verdeutlichte, wie ernst es der Mannschaft mit dem Saisonziel ist. Und das Saisonziel ist es, auch nach 34 Spieltagen auf dem ersten Tabellenplatz zu stehen. Als erste Mannschaft der Bundesligageschichte zum vierten Mal in Serie.

Begonnen hatte dieser Abend, der für den FC Bayern der Auftakt zu einer historischen Saison sein soll, mit einer kleinen Geschichtsstunde. Auf den Tag genau 50 Jahre zuvor hatte der Verein erstmals in der Bundesliga gespielt, mit einem heute schwer vorstellbaren Ergebnis: Der FC Bayern verlor zum Auftakt der Saison 1965/66 0:1 gegen den TSV 1860. Das wurde selbstverständlich verschwiegen. Dafür aber waren ein paar Spieler der Aufstiegsmannschaft in der Arena, sie wurden empfangen mit freundlichem Beifall.

In der Tradition dieser Aufstiegself also sah sich der FC Bayern in der Spielzeit 50 Jahre später zu einer Demonstration der Machtverhältnisse verpflichtet. Ab der zwölften, spätestens der 20. Sekunde dominierte daher das Team in Rot die Partie. Die Mannschaft hatte, abgesehen von kleineren technischen Stolpereien, eine erstaunliche Klarheit in ihrem Spiel. Sie trat auf mit der entspannten Lässigkeit eines Kollektivs, das genau weiß, was es will. Und wie es dorthin will. So ließ sich das Team nicht davon verunsichern, dass der HSV, der zuletzt in München meist nahe der Zweistelligkeit verloren hatte, fast 30 Minuten lang erfolgreich sein Tor verteidigte.

Holtby schießt vergeblich auf Neuers Tor

Pep Guardiola, der Trainer des FC Bayern, stellte eine Startelf auf, die die ganze Stärke seines Kaders zeigte. Eine Offensive mit Robert Lewandowski, Douglas Costa, Arjen Robben (zunächst halbrechts hinter Lewandowski) und Thomas Müller (zunächst auf der Robben-Position rechtsaußen). Ein passstarkes Zentrum aus Arturo Vidal und Xabi Alonso. Und eine Abwehr mit den Hünen Medhi Benatia und Jérôme Boateng in der Mitte sowie den Außenverteidigern David Alaba - und rechts mit Philipp Lahm. Im Tor stand Manuel Neuer, aber das war eigentlich nur bei Holtbys Schuss in der vierten Minute wichtig. Neuer fing den Ball mühelos.

Danach war der FC Bayern so dominant, dass der HSV nur selten in die Nähe eines elfsekündigen Ballbesitzes kam. Der Gastgeber stand sehr hoch, passte geduldig - und erspielte sich eine Chance nach der anderen. Nach einem langen Ball von Alaba verfehlte ein Kopfball von Robben knapp das Tor (8.). Wenige Sekunden später rutschte Lewandowski an einer Flanke von Costa vorbei. In der nächsten Spielminute blockte HSV-Verteidiger Matthias Ostrzolek einen Schuss von Lahm.

Die wenigen Gefahrenmomente für den FC Bayern verursachte in dieser Phase allein die kraftvolle Zweikampfführung von Sven Schipplock, dem Hamburger Angreifer. Wuchtig lief dieser die FCB-Hünen an, erkämpfte so den einen oder anderen Ballverlust und gelbe Karten für den Gastgeber. Für einen Gegenangriff der Gäste reichte es jedoch nicht. Also musste der FC Bayern nur geduldig bleiben.

Das erste Tor der Saison fiel in der 27. Minute. Diekmeier hatte den flinken Costa gefoult, Alonso trat einen präzisen Freistoß, Benatia verfehlte den Ball mit dem Kopf, nicht aber mit der Schulter - die Führung für den Titelverteidiger.

Neue Attraktion des FC Bayern

Der HSV blieb zwar zunächst ein zäher Gegner, mehr allerdings nicht. Für den Rekordmeister blieb es ein lockerer Abend, an dem die Mannschaft ein paar Varianten präsentieren durfte. Doppelpass zwischen Alaba und Costa, flache Flanke von Alaba, Müller schoss knapp vorbei (29.). Ein strammer Distanzschuss von Boateng, HSV-Keeper René Adler klärte unsicher (32.). Ecke von Costa, Michael Gregoriwitsch traf fast ins eigene Tor (33.).

In der zweiten Halbzeit hatte der HSV allenfalls ein paar Sekunden lang den Ball, es wurde ein eindeutiger Abend. In der 52. Minute wehrte Ostrzolek den Ball mit dem Kopf ab, direkt vor Lewandowskis Füße - das 2:0. Dann präsentierte der FC Bayern seine taktische Vielfalt. Schon wurde aus einem zähen Gegner ein überforderter. Alonso ging raus, Rafinha kam, Lahm durfte in sein geliebtes Zentrum. Robben ging raus, Mario Götze kam, Costa wechselte auf die rechte Außenbahn. Auch dort spielte er als das, was er in der Vorbereitung war: als neue Attraktion des FC Bayern. Intuitiv, ballsicher, gewitzt - und immer schneller als der Gegenspieler. In der 69. Minute stand er an der Torauslinie, er hatte mit rechts flanken können. Er flankte mit dem linken Außenrist, auf Müllers Kopf, das 3:0. Vier Minuten später passte Lewandowski durch drei verwirrte Verteidiger, erneut traf Müller.

Der Schlusspunkt gehörte dann wieder Douglas Costa. Ostrzolek vertändelte stümperhaft im eigenen Strafraum den Ball, Rafinha spitzelte diesen zu Costa, ein Schlenzer von der Strafraumgrenze. Der FC Bayern und der HSV, das waren in diesem Augenblick wieder zwei Mannschaften, die weiter kaum von einander entfernt sein können.

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