Borussia Dortmund:Füllkrug denkt positiv

Borussia Dortmund: Drei Tore auch als Antwort auf den Dreierpack des Stuttgarters Deniz Undav im Fernduell um eine Stürmer-Nominierung für die Heim-EM? Zehn Treffer in 13 DFB-Einsätzen sollten da reichen, findet Niclas Füllkrug.

Drei Tore auch als Antwort auf den Dreierpack des Stuttgarters Deniz Undav im Fernduell um eine Stürmer-Nominierung für die Heim-EM? Zehn Treffer in 13 DFB-Einsätzen sollten da reichen, findet Niclas Füllkrug.

(Foto: Leon Kuegeler/AFP)

Durch den Dreierpack des Nationalspielers steht der BVB wieder auf einem Champions-League-Platz. Nun bleibt die Frage, was die jüngste Siegesserie wert ist - und was die Tore für Füllkrug persönlich bedeuten.

Von Ulrich Hartmann, Dortmund

Borussia Dortmunds Trainer Edin Terzic hat zurzeit einen witzigen Spruch im Repertoire, und wenn seine Fußballer mitmachen, kann er diesen Spruch noch wochenlang zum Besten geben. Nach zwei Siegen im neuen Jahr in Darmstadt und Köln sagte Terzic am Sonntag vor dem Heimspiel gegen den VfL Bochum: "Es gibt etwas Besseres als zwei Siege in Folge: drei Siege in Folge." Anschließend gewannen die Dortmunder durch drei Treffer von Niclas Füllkrug 3:1 (1:1), woraufhin Terzic mit Blick auf das Spiel am nächsten Freitag in Heidenheim sagte: "Es gibt etwas Besseres als drei Siege in Folge: vier Siege in Folge."

Vier Siege, fünf Siege, sechs Siege - es ist nicht ausgeschlossen, dass die Dortmunder Fußballer diesen Treppenwitz nun in Heidenheim, gegen Freiburg und in Wolfsburg zu einem Serienlacher machen. Des Trainers Hunger auf eine Siegesserie kommt ja nicht von ungefähr. Es ist genau ein Jahr her, dass Terzics BVB nach einer weitgehend enttäuschenden Hinrunde aus der Winterpause kam - und acht Bundesligaspiele in Serie gewann. Von Ende Januar bis Anfang März 2023 holten die Dortmunder damals neun Punkte auf Tabellenführer Bayern München auf, und wie man inzwischen weiß, wurden sie am Ende jener Vorsaison nur wegen des schlechteren Torverhältnisses ganz knapp nicht Deutscher Meister.

Mit dem Meistertitel beschäftigen sich die Dortmunder nach ihren aktuellen drei Siegen in Serie allerdings nicht ernsthaft, weil zu diesem Zwecke vermutlich erforderlich wäre, dass Edin Terzic Mitte Mai vor dem letzten Spieltag sagen können müsste: "Es gibt etwas Besseres als 17 Siege in Folge: 18 Siege in Folge." Aber damit rechnen in Dortmund nicht einmal unverbesserliche Optimisten.

Noch immer beträgt Dortmunds Rückstand auf Tabellenführer Leverkusen 13 Zähler

Beim BVB sind sie nach dem Derbysieg gegen Bochum schon froh, dass ihre Mannschaft erstmals nach zwei Monaten wieder auf dem vierten Tabellenplatz steht. Mindestens dieser wäre am Saisonende erforderlich, um sich erneut für die lukrative Champions League zu qualifizieren. "Wir müssen in die Champions League kommen", sagte am Sonntag unmissverständlich Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl. Alles andere wäre eine bittere Enttäuschung. Acht Jahre nacheinander hat sich Dortmund zuletzt für die Königsklasse qualifiziert, aber es gibt, frei nach Terzic, natürlich etwas Besseres als acht Qualifikationen in Folge: neun Qualifikationen in Folge.

Selbst mit den jüngsten neun Punkten aus drei Spielen beträgt Dortmunds Rückstand noch immer 13 Zähler auf Tabellenführer Bayer Leverkusen sowie elf Punkte auf den Zweiten FC Bayern. Auf die Champions-League-Qualifikationskonkurrenten VfB Stuttgart und RB Leipzig hingegen haben die Borussen binnen drei Wochenenden sechs und neun Punkte gutgemacht. Die Leipziger (drei Niederlagen in Serie) haben sie am Sonntagabend sogar überholt.

Borussia Dortmund: "Es war kein überragendes Spiel, es war kein perfektes Spiel", sagt BVB-Trainer Edin Terzic über den Sieg am Sonntag.

"Es war kein überragendes Spiel, es war kein perfektes Spiel", sagt BVB-Trainer Edin Terzic über den Sieg am Sonntag.

(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Nun ist die Frage, was ein 3:0 in Darmstadt, ein 4:0 in Köln und ein 3:1 gegen Bochum über die neun Punkte hinaus perspektivisch wert sind. "Es war kein überragendes Spiel, es war kein perfektes Spiel", sagte Terzic über den Heimsieg am Sonntag. "Wir müssen uns noch steigern, das wissen wir", sagte Mittelfeldspieler Marcel Sabitzer. Doch aus dem Drei-Tore-Schützen Füllkrug sprachen verständlicherweise die Endorphine, als er sagte: "Ich will mich an negativen Gedanken gar nicht aufhängen, ich finde, wir sollten auf die positiven Dinge schauen: Nach unseren Problemen am Ende der Hinrunde bin ich momentan sehr einverstanden damit, dass wir uns mit Siegen das Selbstvertrauen zurückholen."

Niclas Füllkrug hat in dieser Saison bereits neun Mal getroffen

Es bedurfte zweier Elfmeter, mit denen Füllkrug in der 6. und der 91. Minute den 1:0-Auftakt und den 3:1-Schlusspunkt setzte. Dazwischen brachte er seine Dortmunder mit dem 2:1 per Kopf (72.) zurück auf jene Siegerstraße, die sie nach einem Eigentor durch Verteidiger Nico Schlotterbeck (1:1/45.) vorübergehend verlassen hatten. Für Füllkrug waren es binnen fünfeinhalb Jahren die verwandelten Elfmeter Nummer 14 und 15 in Serie, und es war der dritte Bundesliga-Dreierpack seiner Karriere.

Füllkrug hat sein Trefferkonto in dieser Saison damit auf neun erhöht. Nach dem Spiel wurde er keck gefragt, ob diese drei Treffer gegen Bochum auch eine Antwort auf den Dreierpack des Stuttgarters Deniz Undav tags zuvor (beim 5:2 gegen Leipzig) gewesen seien - im Fernduell um eine Stürmer-Nominierung für die Heim-Europameisterschaft im Sommer. Über diese Provokation jedoch konnte Füllkrug nicht lachen. "Ich habe in der Nationalmannschaft in dreizehn Spielen zehn Tore gemacht und zwei Vorlagen", antwortete er sehr ernst und fast ein wenig beleidigt, "ich weiß nicht, wonach man da sucht. Nach jemandem, der in 13 Spielen 25 Tore macht? Den findet man nicht in Deutschland."

Und so schießt Füllkrug nicht nur seine Dortmunder vorerst zurück in die Champions-League-Zone, sondern er weckt mit jedem Treffer auch ein bisschen deutsche Zuversicht für die EM. "Wir sind noch nicht am Limit, aber wir sind auf dem richtigen Weg", sagte er - das bezog er allerdings ausschließlich auf Borussia Dortmund. Über die Chancen der Nationalmannschaft im Sommer äußerte sich Füllkrug am Sonntag nicht.

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