FC Bayern in der Champions League:Flick schätzt Coman nicht nur, er weiß ihn auch richtig einzuschätzen

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Das Offensivspiel gegen Atlético war ein Gemeinschaftswerk, bei dem der für Gnabry ersatzweise auf den Flügel ausgewichene Müller ständig woanders auftauchte, wie man das von ihm kennt. Auch im Mittelfeld wechselten die defensiveren Kimmich und Goretzka mit dem offensiveren Corentin Tolisso die Positionen, wobei gerade die Rolle des Franzosen, der mit einem Distanzschuss zum 3:0 traf, eine überraschend prominente war. Und dann rissen die Sprints von Coman große Lücken in der Atlético-Defensive, in der herausragende Mannschaften schon abendelang vergebens nach Lücken gesucht haben.

Der FC Bayern hat sich in den vergangenen Jahren fußballerisch zu einem großen Teil über seine Flügelangreifer definiert, sie hießen Franck Ribéry und Arjen Robben und spielen inzwischen, mit 37 und 36, in Florenz und Groningen, wo sie immer noch rüstig von außen in die Mitte ziehen. Es ist nicht so lange her, da galten die beiden als fast unersetzlich - ironischerweise zu einer Zeit, in der sie im Zweifel von Fußballern ersetzt werden sollten, die nun auch Sané und Gnabry ersetzen sollen: Müller muss seit jeher von seinem Stammplatz in einer möglichst unbegrenzten Mitte manchmal auf die Flügel ausweichen. Costa kam erstmals 2015 zu den Bayern, bevor er 2017 nach Turin ging - dorthin, von wo Coman 2015 gekommen war.

Doch der Franzose, erst 2017 fest verpflichtet, auch danach verletzungsanfällig und manchmal als wankelmütig in seinen Leistungen charakterisiert, ist inzwischen eben auch kein Talent mehr, das seine Klasse erst noch beweisen müsste, sondern ein Champions-League-Sieger. Und er hat einen Trainer, der ihn nicht nur schätzt, sondern auch richtig einzuschätzen und einzusetzen weiß. Dass Flick Coman vor zwei Monaten im Finale von Lissabon aufstellte, war damals ja eine durchaus überraschende Wahl, die Flick unter anderem mit einem möglichen "Schuss Extramotivation" begründete, weil Coman in der Jugend fürden Finalgegner Paris spielte.

Auch nach dem Spiel gegen Madrid ging es um Comans Motivation. Ob sie in der Champions League möglicherweise größer sei als in der Bundesliga, wo er bisher nicht so regelmäßig trifft? Flick nahm das gerne auf. Tore und Vorlagen, eine Leistung wie am Mittwoch, sagte der Trainer, "das muss man von einem Spieler seiner Qualität in den anderen Wettbewerben genau so erwarten".

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