11 im Fokus - das Rückrundenpuzzle:"Jedes Spiel eine Sprinteinheit"

Lesezeit: 3 min

Eintracht Braunschweig v 1. FC Nuernberg - Bundesliga

Ken Reichel in vollem Lauf während des Hinrundenspiels gegen den 1. FC Nürnberg

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der schnellste Spieler der Bundesliga? Heißt nicht Pierre-Emerick Aubameyang. Ken Reichel von Eintracht Braunschweig ist noch schneller - und verkörpert die Hoffnung der Eintracht auf den Klassenerhalt. Teil neun unserer Serie von Spielern, auf die Sie in der Rückrunde achten sollten.

Von Johannes Knuth

Die Bundesliga ist fasziniert von Dortmunds blitzschnellem Angreifer Pierre-Emerick Aubameyang. Es heißt, der Franzose könne sogar Usain Bolt auf den ersten Metern bezwingen, den schnellsten Mann der Welt. Dabei spielt der schnellste Spieler der Liga bei Eintracht Braunschweig, arbeitet als Außenverteidiger und heißt Ken Reichel. Ken wer? Im SZ.de-Interview redet der 27-Jährige über seine Schnelligkeit, wie es ihm im Sprintduell mit Aubameyang erging und warum die Eintracht den Klassenerhalt schafft.

SZ.de: Herr Reichel, der schnellste deutsche Sprinter über 100 Meter, Julian Reus, hat vor kurzem Pierre-Emerick Aubameyang herausgefordert, den angeblich schnellsten Fußballspieler der Bundesliga ...

Ken Reichel: ... das habe ich mitgekriegt.

Strenggenommen hätte Reus Sie herausfordern müssen. Laut Opta-Statistik sind Sie der schnellste Spieler der Hinrunde, mit 35,53 Stundenkilometern am 9. Spieltag gegen den FC Schalke 04.

Das habe ich auch gelesen. Das ist natürlich eine tolle Sache, wenn man angeblich der schnellste Spieler der Bundesliga ist. Aber allzu viel Wert kann ich darauf auch nicht legen. Die Frage ist ja, wie es gemessen wurde, über welche Distanz.

Spürt man das eigentlich während des Spiels, nach einem Sprint?

Nicht wirklich. Ich mache jetzt nicht an einem Sprint fest, ob es ein gutes Spiel war oder nicht. Es ist wichtiger, dass man effektiv läuft, nicht nur schnell und planlos.

Am zweiten Spieltag haben Sie in Dortmund auch gegen Aubameyang verteidigt.

Er war für kurze Zeit mein Gegenspieler, da hat er mal die Seite gewechselt. Er ist auf jeden Fall extrem antrittsschnell. Wenn du die ersten Meter verschläfst, ist es fast zu spät. Da hat er mir gegenüber noch einen großen Vorteil. Bei der Endgeschwindigkeit kann ich aber mithalten, das zeigt die Statistik. Über längere Distanzen habe ich wohl sogar Vorteile.

Woher kommt ihre Schnelligkeit?

Eine Grundschnelligkeit hatte ich schon immer. In der Schule gab es früher einen Leichtathletik-Kurs, da habe ich oft mit den 100-Meter-Sprintern trainiert. Das war sicherlich von Vorteil. Die Besten durften bei dem Schulwettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" in der 4x100-Meter-Staffel laufen. Wir sind damals Siebter beim Bundesfinale in Berlin geworden. Das war mit 15, 16 Jahren, da bin ich 100 Meter in 12,0 Sekunden gelaufen.

Die Zeit dürften sie mittlerweile unterbieten.

Ich hoffe es stark (lacht).

Für einen Fußballspieler ist es ja durchaus hilfreich, wenn man schnell ist. Können Sie beschreiben, wie Ihnen das auf ihrer Position als Außenverteidiger hilft?

Als Außenverteidiger muss man viele Sprints nach vorne machen, oft geht es direkt am Gegner vorbei. Das gleiche gilt für die Rückwärtsbewegung. Ich habe mal in der Statistik gesehen, dass es so um die 30 Sprints sind, die wir im Spiel absolvieren. Davon alleine 20, bei denen es ans Limit geht. Aber ich absolviere fast jeden Antritt mit 100 Prozent. Das ist bei jedem Spiel wie bei einer richtig heftigen Sprintausdauer-Einheit.

Hat sich die Laufleistung auf ihrer Position verändert?

Auf jeden Fall. Der Fußball heute ist sehr offensiv ausgerichtet, wir Außenverteidiger stehen sehr hoch, müssen viel mehr zwischen Offensive und Defensive pendeln. Da ist es von Vorteil, wenn du sprintstark bist. Wir haben das bei uns in Braunschweig schon im Aufstiegsjahr verändert, dass die Außenverteidiger etwas offensiver stehen. Das hat sich in der ersten Liga fortgesetzt. In der Bundesliga kommt hinzu, dass das Tempo noch höher ist als in der zweiten Liga.

Sie haben sich Anfang November das Innenband im Knie gerissen, dann noch den Meniskus. Mittlerweile sind sie wieder fit, aber Braunschweig hängt mit elf Punkten auf dem letzten Tabellenplatz fest. Warum schafft die Eintracht trotzdem den Klassenerhalt?

In der ersten Phase der Saison haben wir sehr viel gelernt, fast alle Spieler haben sich weiterentwickelt. Uns sind am Anfang viele Leichtssinnsfehler unterlaufen, die wurden eiskalt bestraft. Jetzt halten wir die Konzentration jetzt höher, bereiten uns auch besser auf die Spiele vor.

Sie sind mit Braunschweig den langen Weg von der dritten in die erste Liga mitgegangen. Damit stehen sie exemplarisch für die Mannschaft, die vorrangig auf den Lerneffekt von ehemaligen Drittligaspielern setzt. Was verbindet sie mit dem Klub?

Braunschweig ist ein besonderer Verein. Ich bin als unerfahrener Spieler mit 20 Jahren hierhergekommen und habe dann alles mitgemacht, die gesamte Entwicklung. Das verbindet halt extrem. Das Umfeld ist sehr familiär, man fühlt sich wohl.

Reicht die Verbundenheit auch wieder bis in die zweite Liga, falls sie doch absteigen?

Ja, definitiv. Aber ich sehe momentan keinen Grund, schon jetzt so weit zu denken. Für uns geht es in den letzten 17 Spielen darum, die nötigen Punkte zu holen.

Wer trägt die Hoffnungen der Bundesliga-Klubs in der Rückrunde? Wer startet ein aufsehenerregendes Comeback? Und wer kommt nochmal groß raus, obwohl er schon fast vergessen war? Die Sportredaktion von SZ.de stellt Ihnen elf Spieler vor, auf die Sie achten sollten.

Bislang erschienen: Julian Green (FC Bayern), Josip Drmic (1. FC Nürnberg), Marc-André ter Stegen (Mönchengladbach), Kyriakos Papadopoulos (FC Schalke 04), Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund), Kevin Vogt (FC Augsburg), Tobias Weis (Eintracht Frankfurt), Bastian Schweinsteiger (FC Bayern München).

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