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Urlaub mit Kindern:Mit Jetlag durch New York

Stopover in New York. Sonntag. Es nieselt. Alle sind müde. Das heißt: Die Erziehungsberechtigten sind müde. Kinder sind eine jetlagfreie Zone. Was anfangen mit dem Tag? Ich meine, New York . . . that doesn't sleep . . . Sinatra und so. Shoppen, sagt die Älteste. Aber Manhattan am Sonntag im Niesel hat an manchen Stellen Ähnlichkeit mit Miesbach am Sonntag im Niesel.

Fußball, sagt der Mittlere, aber von Fußball - Klinsmän who? - hat man hier noch nie etwas gehört. Und der Kleine will: fernsehen. Im Grunde keine üble Idee . . . aber (vorsichtiger Blick zur stadtkulturbeflissenen Miterziehungsberechtigten) klar, das geht gar nicht. Gehen wir spazieren. SPAZIEREN???! Die Kinder sehen aus wie die Matrosen der Bounty, kurz bevor sie Bligh mit zehn Kilo Dörrfleisch in die Barkasse setzen. Stimmung: tintenschwarz.

Da kreuzen wir die High Line, das ist eine alte Hochbahntrasse, die zu einem superschmalen Park auf Stelzen umgebaut wurde. Nun gibt es zwei Dinge, die unsere Kinder verachten: spazieren gehen - und Botanik. Ohne Steckdosen und Internet. Woraus aber doch noch die schönste Wanderung der Welt wird. Warum? Weil man von der High Line den New Yorkern in die Wohnungen gucken kann: Das ist besser als Window Shopping. Besser als Fernsehen. Und einmal ist in einem Fernseher sogar ein Fußballspiel zu sehen. Mit Klinsmän.

Gerhard Matzig

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