Hotel "Mondschein" in Bozen:Historisches Haus, frisch entstaubt

Lesezeit: 4 min

Hotel "Mondschein" in Bozen: Vom Parkhotel Mondschein aus lässt sich Bozens Altstadt gut erkunden.

Vom Parkhotel Mondschein aus lässt sich Bozens Altstadt gut erkunden.

(Foto: Michael Malorny/Imago Images)

Das Hotel Mondschein in Südtirols Hauptstadt Bozen nahm schon im 13. Jahrhundert Reisende auf, die über den Brenner zogen. Jetzt ist es renoviert - und ein perfekter Ausgangspunkt, um die Stadt zu erkunden.

Von Evelyn Pschak von Rebay, Bozen

Es ist eine Hotelterrasse wie aus vergangenen Filmkomödienzeiten. Vermutlich müsste man nur lange genug unter den grünen Sonnenschirmen mit den weißen Troddeln sitzen bleiben, und irgendwann würde Caterina Valente ums Eck tanzen, unter Palmen die sauber geharkten, sanft geschwungenen Kieswege entlang, die Treppe aus Südtiroler Porphyr hinauf, durch die offenen Flügeltüren in die Luna-Bar hinein, vorbei an Marmortresen und samtbezogenen Barhockern in Altrosé. "Komm ein bißchen mit nach Italien" würde die Valente singen, und die fauchende Marzocco-Espressomaschine untermalte mit jedem ausgegebenen Caffè den Takt.

Der verklärte Blick auf das Parkhotel Mondschein ist den Brüdern Moritz und Klaus Dissertori geschuldet. Sie haben das denkmalgeschützte Haus in der Altstadt von Bozen von der Eigentümerfamilie gepachtet und nach mehrmonatiger Renovierungsphase im Mai wiedereröffnet. Dabei hält sich der 32-jährige Moritz Dissertori selbst gar nicht für nostalgisch: "Das Haus strahlt einen gewissen Charakter aus, das spürt man einfach", betont der Südtiroler. "Den wollten wir wieder zum Leben erwecken."

Hotel "Mondschein" in Bozen: Die Zimmer sind nach der Sanierung in gedeckten Farben gehalten.

Die Zimmer sind nach der Sanierung in gedeckten Farben gehalten.

(Foto: Ana Santl)
Hotel "Mondschein" in Bozen: Die Fassade ist nach wie vor von Efeu umrankt.

Die Fassade ist nach wie vor von Efeu umrankt.

(Foto: Ana Santl)

Darin haben die beiden inzwischen Expertise. Vier Hotels betreiben sie mittlerweile. Aufgewachsen sind sie im Städtchen Lana, zwischen Meran und Bozen gelegen, im Hotel Schwarzschmied der Eltern, dem sie inzwischen ebenfalls eine Verjüngungskur angedeihen ließen. Wenige Meter vom Schwarzschmied entfernt eröffneten sie vor wenigen Jahren die Villa Arnica als Adults-only-Refugium mit künstlerisch-mondänem Flair und einem Pool samt Saint-Tropez-tauglichem Poolhaus inmitten von Weinbergen, Apfelbäumen und den charmant gepflegten Parzellen des für die Gastküche genutzten Obst- und Gemüsegartens. Außerdem ließen sie das Gasthaus 1477 Reichhalter im nahen Ortskern entstauben, das im Namen das Jahr seiner ersten Erwähnung in den Ortsannalen trägt.

Noch betagter als das Reichhalter ist indes der älteste Trakt des Mondscheins, der sich zur Bindergasse hin öffnet. Seit Ende des 13. Jahrhunderts zog der Verkehr vom Brenner in die Stadt durch diese nach der einflussreichen Fassbinderzunft benannte Straße. Und schon bald darauf kehrte man im Mondschein ein.

Durch den Torbogen gelangt man noch heute in den mittelalterlichen Innenhof mit zweigeschossigen hohen Rundbogenöffnungen und gedrechseltem Geländer, von dort weiter zur Rezeption, einem Zwischenbau im Mid-Century-Design der 1960er-Jahre und schließlich ins Haupthaus aus der Belle Époque, dessen breite Gänge zu Hotelzimmern mit hohen Decken und Stuckelementen führen.

Die neuen Besitzer wollen an die alte Grandezza anknüpfen

"Das Hotel war einst eines der prestigeträchtigsten in Südtirol", sagt Moritz Dissertori. An diese Zeiten wollen die Brüder anknüpfen und das Haus zudem den Einheimischen zugänglich machen: "Die Bozner kennen alle das Parkhotel Mondschein." Auch für sie wollten die Dissertoris den namensgebenden Park wieder öffnen. Sie haben dort also wuchernden Efeu entfernt, Grünflächen bepflanzt, Kieswege angelegt, eine Terrasse gebaut. Damit nicht nur Hotelgäste, sondern eben auch Bozner den Weg zu Frühstücks-Cornetto oder Eggs Benedict in die ebenfalls neue Luna-Bar finden: Wo sich im Erdgeschoss Hotelzimmer befanden, ist jetzt die Bar, die Dissertori "das Herz des Hotels" nennt.

Schwer und voll sei das Haus gewesen, sagt der Unternehmer und zeigt ein paar Fotos auf seinem Handy: Dunkle Jugendstilmöbel und Ölgemälde standen dicht an dicht, motivbedruckte Teppichmeterware bedeckte den herrlichen, inzwischen freigelegten Terrazzoboden. Auch im Saunabereich im Erdgeschoss ermöglichen die Dissertoris nun den Blick ins offene Gewölbe, vom großen Yoga-Raum soll man durch die Fenster bald auf einen Außenpool im Park schauen können, noch fehlen dafür Genehmigungen. In den Stockwerken darüber warten 76 Zimmer mit gedeckten Farben und reduzierter Einrichtung auf, gedämpftes Licht fällt auf Fischgrätparkett.

Von den Zimmern der Westseite fällt der Blick bis zu den markanten Zacken der Rosengartengruppe. Vor manchen Räumen bauchen sich schmiedeeiserne Balkone, aus Terrakottatöpfen duftet Lavendel, Efeu fasst das Haus in ein dichtgrünes Kleid. Aus den Südfenstern der Hauptfassade hingegen guckt man über die Altstadt hinweg zum baumbewachsenen Virgl, dem kleinen Hausberg der Landeshauptstadt. Vor Jahrzehnten noch Naherholungszone der Bozner mit Schwimmbad und Tennisplätzen, werden in der Stadt inzwischen Pläne der von René Benko gegründeten Signa-Gruppe diskutiert, dort vom renommierten norwegischen Architekturbüro Snøhetta ein Museumsquartier für den Ötzi errichten zu lassen. Ob es dazu kommt, steht noch in den Sternen.

Ein Stadtplan mit Tipps - eigens entworfen fürs Hotel

Wie zentral sich das Mondschein im Herzen Bozens befindet, lässt sich auch gut an der Stadtkarte erkennen, die die Hoteliers von Anna Quinz anfertigen ließen. Die gebürtige Boznerin ist Chefredakteurin der Reiseführer-Reihe "Josef", die junge oder auch ikonische Adressen in Meran, Trient oder Bozen vorstellen. Hier beschreibt Quinz ihren Heimatort als "einmal recht sumpfig und unbewohnbar, hat sich dann zur Handelsstadt gemausert und übt nun, wenn auch zaghaft, Entfaltung."

Diese Entfaltung ließe sich eben auch an Realisierungen wie denen der Dissertoris ablesen, sagt die Journalistin. Oder an den anderen besonderen Adressen, die sie auf dem Hotel-Stadtplan aufreiht: der zeitgenössischen Keramik im Tonhaus in der winzigen Rauschertorgasse etwa oder dem Victorienne am Obstmarkt, das die Financial Times sogar zu einem der elegantesten Damenbekleidungsgeschäfte ganz Europas kürte. Oder auch an der Pizzeria Corso, die sich eben nicht in der touristisch kartografierten Altstadt befindet, sondern am Siegesplatz nahe der Talferbrücke. In den 1930er-Jahren ließ das faschistische Regime hier ein italienisches Stadtviertel in der strengen, reduzierten Architektur des modernistischen Razionalismo entstehen. Unter dessen hohen Arkaden befindet sich auch die Caffè-Bar und Pizzeria Corso, mit antiken Holzstühlchen vor kobaltblauen Wänden.

"Der Chef macht die neapolitanische Pizza, seine Frau kümmert sich um die Dolci", erklärt Quinz. Und schließt: "Es lohnt sich, auch diese Ecke Bozens kennenzulernen, um die Seele der Stadt zu verstehen." Schließlich befände sich hier das echte, das vielfältige städtische Leben. In der Pizzeria kehrten vor allem Einheimische ein, sagt die Südtirolerin: "Aber hin und wieder", so sagt sie lachend, "verirren sich jetzt auch schon Touristen hierher." Was durchaus an ihrem Stadtplan fürs Mondschein liegen könnte.

Parkhotel Mondschein, Piavestraße 15, 39100 Bozen, DZ/Nacht inklusive Frühstück ab 240 Euro, parkhotelmondschein.com

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

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