Hotel in Südtirol:Die Zukunft der Sommerfrische

Hotel in Südtirol: Gute Aussichten inklusive: Die Gäste im Parkhotel Holzner haben die Dolomiten mit Schlern und Rosengarten stets im Blick.

Gute Aussichten inklusive: Die Gäste im Parkhotel Holzner haben die Dolomiten mit Schlern und Rosengarten stets im Blick.

(Foto: Armin Mayr)

Das Parkhotel Holzner auf dem Ritten bei Bozen hat eine mehr als hundertjährige Geschichte. Und ist ein Beispiel dafür, wie sich ein Haus modernisieren lässt, ohne seine Seele zu verkaufen.

Von Jochen Temsch, Oberbozen

Es ist nur ein Schritt von der Vergangenheit in die Gegenwart. Und Gäste, die gerade im Parkhotel Holzner in Oberbozen ankommen, merken nicht einmal, dass sie diesen Schritt tun.

Nach dem Einchecken gehen sie zum Aufzug, über einen rotschwarzen Steinboden, der teils mehr als hundert Jahre alt ist, teils frisch in einem neuen Trakt verlegt wurde. Die Gäste sehen keinen Übergang und keinen Unterschied, alles passt nahtlos zusammen - und das passt zu diesem Haus. Architekten und Künstler haben in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, dass alles ungekünstelt und symbiotisch wirkt im Holzner. Und natürlich Wolfgang Holzner selbst, der Hausherr, der das Parkhotel in vierter Generation führt und sich intensiv mit dieser Aufgabe auseinandersetzt.

Wenn der 41-Jährige von "künstlerischen Interventionen" spricht (der spitze Aussichtsturm auf dem Dach lässt sich wie eine Blüte öffnen), von der Analyse und behutsamen Erweiterung der ursprünglichen Farbpalette im Haus (das Eichenholz, der Stein, die Pastelltöne), von Aufenthaltsqualität und Nachhaltigkeit (die regionalen Zutaten im Haubenrestaurant "1908", das eigene Bioheizwerk mit Hackschnitzeln) - dann wird klar, dass es kein Zufall ist, sondern das Ergebnis einer Reihe richtiger Entscheidungen, dass das Holzner seit 113 Jahren einer Familie gehört und trotz der Zeitläufte heute weder im Portfolio eines internationalen Hotelkonzerns steckt noch zum hundertsten austauschbaren sogenannten Romantik-Hotel wurde. Damit das auch in Zukunft so bleibt, wollte Wolfgang Holzner das Hotel modernisieren, und zwar so, dass das historische Haus nichts Verstaubtes, Museales bekommt und durchaus ein Ort bleibt, dem man seine Geschichte anmerkt, aber kein Denkmal seiner selbst darstellt.

Der neue Spa-Bereich samt Infinity-Pool wurde genau zwischen den Lebensbäumen vor dem Haus platziert

"Jede Generation muss bei so einem Betrieb aufs Neue überlegen, was sie macht. Mir ging es darum, Brücken zu schlagen", sagt Wolfgang Holzner. Er hat den Spa-Bereich vergrößert, Suiten gebaut, mitsamt einer Tiefgarage direkt unter dem Tennisplatz, auf dem schon Italienmeisterschaften ausgetragen wurden. Aufgrund der begrenzten Baufläche und der Hanglage mussten mehrere Etagen in die Erde gegraben werden. Das war aufwendig, ist im Ergebnis aber unauffällig und fügt sich harmonisch neben dem Haupthaus in die Landschaft ein. Der Spa-Bereich samt Infinity-Pool passt genau zwischen die beiden hohen Lebensbäume, die einst für Wolfgangs Holzners Großvater und Onkel gepflanzt wurden.

Seit 1908 steht das Hotel auf dem Ritten, dem Hausberg Bozens, heute direkt an der Bergstation der Seilbahn, die im Minutentakt Einheimische und Touristen hoch nach Oberbozen und runter ins Zentrum Bozens befördert. Als das Hotel gebaut wurde, gehörte Südtirol noch zu Österreich, es regierte ein Kaiser und es gab natürlich noch keine Gondeln. Dafür verkehrte als Novum die Rittner Bahn, die am Waltherplatz in Bozen abfuhr und auf dem Berg am eigens dafür errichteten Hotel hielt - damals das einzige Gebäude weit und breit. "Es muss ein extremer Fremdkörper gewesen sein, eine Art Raumstation", sagt Wolfgang Holzner, "viel drastischer als die aktuellen touristischen Neubauten auf dem Ritten."

Ursprünglich hieß es Hotel Oberbozen - und gab dem später drum herum gewachsenen Ort seinen Namen. Wie die Hoteliers in der Schweiz schon Ende des 19. Jahrhunderts erfolgreich vorgemacht hatten, sollte die komfortable Herberge betuchte Gäste aus ganz Europa ins Gebirge locken, ohne dass die Herrschaften edlen Schweiß vergießen mussten. Der Ritten war in der K.-u.-k.-Zeit längst als idealer Ort zur Sommerfrische bekannt, sein sensationelles Panorama mit Schlern und Rosengarten berühmt. Hier oben auf 1200 Höhenmeter weht immer ein leichtes Lüftchen, es ist deutlich kühler als im Tal. Schon seit dem 17. Jahrhundert haben die wohlhabenden Bozner ihre Sommerhäuser hier oben gebaut.

Die Lampen sind original aus der Zeit des Jugendstils, aber mit LEDs versehen

Das Bähnchen ruckelt heute nur noch zwischen dem Flecken Maria Himmelfahrt und Klobenstein hin und her. Dafür schaufelt die Seilbahn pro Jahr eine Million Gäste. Mit der elitären Eleganz der Belle Epoque hat das Urlaubsgeschäft nichts mehr zu tun. Es gibt zig Hotels aller Preisklassen. Die einen Besucher machen hier Urlaub auf dem Bauernhof, die anderen fahren mit dem SUV im Chalet-Resort vor. Es ist alpiner Massentourismus, aber drinnen im Holzner herrscht immer noch, wenn auch zeitgemäß aufpoliert, der eigentümliche Glanz eines alpinen Grand Hotels, mondän und rustikal zugleich: mit Bauernmöbeln und echten Jugendstillampen, aber ausgestattet mit LEDs, mit original Thonetstühlen von 1908 im Speisesaal, knarzenden Stiegen und einem holzvertäfelten Grünen Salon, der Hotelbar, in der die Gäste nach dem Abendessen einen Drink nehmen und sich mit Brettspielen vergnügen wie anno dazumal, als gäbe es keine Fernseh-Flatscreens auf den jetzt insgesamt 53 Zimmern. Auch Kinder sitzen später am Abend noch hier, viele auffallend gut gekämmt und im Polohemd. Man kann sie auch mal reden hören von ihren Vätern, wer wo das größere Haus besitzt. "Wir haben noch eins in der Schweiz, direkt mit Seezugang."

Der Hoteldirektor hat mit vielen Gästen schon gespielt, als sie noch Kinder waren

Aber angenehm, dass das Parkhotel Holzner auch in der Zusammensetzung seiner Gäste klassisch ist: ein Ort der Begegnung, an dem noch unterschiedliche Generationen zusammenkommen - eher ungewöhnlich in Zeiten der Marktdifferenzierung zwischen Kinderhotels und Adults-only-Angeboten. Für Familien offen zu sein, ist Familienmensch Wolfgang Holzner wichtig. Er hat selbst vier Söhne, und seine Geschwister leben in ihren Häusern neben seinem Haus direkt am Hotel. Vom Opa bis zum Enkel sollen sich im Parkhotel alle wohlfühlen, es gibt Bereiche nur für Erwachsene, aber auch eine Sauna für Eltern und Kinder, Streicheltiere im Garten und pädagogisches Programm.

Die Familienfreundlichkeit zahlt sich aus. Stammgäste kommen seit Jahrzehnten immer wieder. Wolfgang Holzner sagt, die Gästekinder, mit denen er als Kind gespielt habe, reisten jetzt mit ihren eigenen Kindern an. Und wenn Südtirol vor der Corona-Pandemie eher Zweit- und Dritturlaubsziel mit wenigen Tagen Aufenthaltsdauer war, so sei es diesen Sommer für viele Gäste das Hauptziel gewesen. Manche seien wochenlang geblieben. Wie es sich für eine richtige Sommerfrische gehört.

DZ für zwei Personen je nach Saison zwischen 260 und 800 Euro inkl. Halbpension, www.parkhotel-holzner.com

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

© SZ
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