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Wandern in Bayrischzell:Mit Schneeschuhen auf den Seeberg

Wenn es im Tal trüb ist, scheint auf dem Gipfel über dem Hochnebel oft die Sonne. Mit Schneeschuhen wird im Winter der bekannte Sommerwanderweg zur Abenteuertour.

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Schneeschuh Wanderung bei Bayrischzell auf den Seeberg

Quelle: Hauke Bendt

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Der frische Schnee knarzt unter den Füßen, kleine Eiszapfen hängen in den Tannen und das helle Licht wird aus allen Richtungen reflektiert. Es fühlt sich gut an, endlich wieder die Sonne am blauen Himmel zu sehen, den eigenen Puls zu spüren und die klare Luft zu atmen.

Wanderwege, die im Sommer langweilig geworden sind, bekommen im Winter einen ganz neuen Reiz. Keine Autos, keine Telefone, keine lauten Geräusche stören die Stille. Es gibt nichts außer dem Himmel, den Bergen ringsum und den beiden Wanderern, die mit ihren großen Schneeschuhen eine Spur in den frischen Schnee ziehen.

Schneeschuh Wanderung bei Bayrischzell auf den Seeberg

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Drängt sich in der Stadt der Winterblues auf, weil es schon wieder grau und ungemütlich ist, kann auch ein Sonntagsspaziergang mit Coffee-to-go die Stimmung nicht heben. Jetzt lohnt ein Blick auf den Bergwetterbericht: Mit etwas Glück handelt es sich bei dem trüben Wetter um Hochnebel. Dann reicht es aus, in den Voralpen ein paar entscheidende Höhenmeter zwischen sich und den Nebel zu bringen. Die Gefahr, auf der Autobahn im Stau zu stehen, zählt als Ausrede nicht: Es gibt wunderschöne Schneeschuhwanderungen, die ohne große Schwierigkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind - von der Stadt direkt in die Natur.

Schneeschuh Wanderung bei Bayrischzell auf den Seeberg

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Diese sehr schöne Tour beginnt in Bayrischzell. Sie ist aus München gut mit der Bayerischen Oberlandbahn zu erreichen. Das schwierigste Stück der Anreise ist der Weg aus der BOB heraus, am Gleis entlang und über den Bahnhofsvorplatz. Hier muss man nämlich aufpassen, nicht in die Mangel der Tagestouristen zu geraten, die mit Stöcken, Skiern, Rückenpanzern und Helmen die wartenden Skibusse zum Sudelfeld erreichen wollen. Sobald aber der bunte Haufen Wintersportler in den Bussen sitzt, wird Bayrischzell wieder beschaulich. An der großen alten Eiche vor der Kirche geht es nach rechts am Bach entlang. Gegenüber dem Gasthof ist eine kleine Bäckerei, aus der es nach Kuchen und frischen Semmeln duftet. Gut für diejenigen, die noch keine Brotzeit für den Gipfel haben.

Wenige Meter weiter, auf der anderen Seite der Hauptstraße, ist schon der Wanderparkplatz, auf dem viele gelbe Schilder die Richtung weisen. Hier beginnt die gut ausgeschilderte Wanderroute Nummer 645 auf den Seeberg.

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Bis zum Gipfel muss nicht ein einziges Mal auf einen Forstweg ausgewichen werden. Der Bayrischzeller-Höhenweg führt ab dem ersten Meter als Steig in Serpentinen durch den Wald. Immer wieder kann man einen tiefen Blick auf den Wasserfall und in die kleine Schlucht werfen, an deren linker Seite sich der Weg in die Höhe windet. Absturzgefahr besteht nicht, es gibt Geländer und der Steig ist breit genug. Unter den Wanderern wird das Dorf langsam immer kleiner.

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Nach einer guten Dreiviertelstunde hören die Serpentinen auf und der Weg ist nicht mehr ganz so steil. Der Wald wird licht und im Osten öffnet sich der Blick auf das Ursprungstal, den Großen Traithen und im Süden sogar auf den Alpenhauptkamm. Der schmale Pfad schlängelt sich weiter entlang der Bergflanke, gewinnt dabei leicht an Höhe und führt schließlich um den Seeberg herum bis zur Neuhütte. Der kleinen Hütte ist anzusehen, dass sie schon viele Winter hier oben überstanden hat. An dem verwitterten Holz über der Tür hängt neben einem aus Distelblüten gebastelten Kreuz ein kleines Schild: "1232 mtr.höhe Baujahr 1678". Die Blüten stammen vermutlich von der großen Wiese vor der Hütte. Im Sommer wachsen hier unzählige Blumen und es wimmelt nur so von Bienen, Hummeln und Grashüpfern. Jetzt liegt sie, von einer dicken Schneedecke bedeckt, kalt und ruhig da.

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Fußspuren führen einige Meter über die Wiese zu einer Bank. Von hier aus hat man einen schönen Blick hinunter ins Tal und im Westen auf Rotwand und Hochmiesing. Dank Südhang-Lage liegt die Wiese mit etwas Glück vollständig in der Sonne. Darum bietet es sich an, eine Pause einzulegen, obwohl die Hütte nicht bewirtschaftet ist. Ohne Coffee-to-go, dafür mit einer Thermoskanne Tee, belegten Broten und grandioser Aussicht.

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Sollte sich der Nebel noch nicht gelichtet haben, steigt man noch ein paar Meter hinauf bis auf den Seebergkopf - die höchste Erhebung des Seebergs. Vielleicht kommt man doch noch über die Wolkendecke. Wurde der Weg zum Gipfel aber nicht bereits von anderen Wanderern gespurt, ist er nicht einfach zu finden. Wer hier unsicher ist oder ohnehin schon genug hat, kann sich zwischen zwei Varianten zurück ins Tal entscheiden. Entweder geht es einfach auf demselben Weg zurück nach Bayrischzell, oder man folgt dem Forstweg hinter der Hütte und umrundet den gesamten Seeberg bis nach Geitau. Auch dort gibt es eine Haltestelle, von der aus die BOB zurück nach München fährt, und ein Gasthaus, in dem sich Wartezeit überbrücken lässt.

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Der Weg zum Gipfel aber führt direkt hinter der Hütte an steilen Wiesenhängen entlang. Bei angespannter Lawinenlage ist die Strecke mit Vorsicht zu genießen - oder besser gar nicht. Auch wenn es sich bei dieser Tour im Sommer um eine recht einfache Wanderung handelt, muss im Winter in jedem Fall der Lawinenlagebericht beachtet werden.

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Entscheidet man sich bei guten Verhältnissen aber für den Aufstieg, wird man am Gipfel mit dieser Fernsicht belohnt. Selbst wenn der Blick versperrt bleibt, erhellt spätestens unter dem Gipfelkreuz, beim Öffnen der Brotdose und nach dem ersten Schluck Tee, ein zufriedenes Lächeln das Gesicht des Wanderers.

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Informationen

Anreise

Die Bayerische Oberlandbahn fährt stündlich von München nach Bayrischzell.

Schneeschuhe

Wer keine eigenen Schneeschuhe oder keine Lawinenausrüstung besitzt, kann sich das Material in den Geschäftsstellen des DAV ausleihen; auch die Sportalm in Bayrischzell liegt in Sichtweite zum Startpunkt der Tour und hat neben Langlaufskiern auch Schneeschuhe im Angebot.

Bekleidung

Mütze und Handschuhe gehören genauso wie eine Sonnenbrille zur Winterausrüstung. Weil Schneeschuhwandern nicht nur schön, sondern auch anstrengend ist, schwitzt man besonders bergauf. Im Aufstieg reicht darum häufig ein dünnes Fleece-Shirt aus. Wenn man aber am Gipfel steht und der Wind bläst, ist es gut, etwas Warmes zum Überziehen und eine winddichte Jacke dabei zu haben. Die Schneeschuhe werden einfach mit Riemen unter den Schuhen befestigt. Wanderstiefel mit hohem Schaft und dicken Socken sollten es aber doch sein. Gamaschen verhindern, dass der Schnee in die Stiefel fällt.

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Verpflegung

Sowohl etwas zu Trinken als auch eine Kleinigkeit zu Essen gehören in den Rucksack, selbst wenn es nur eine Tafel Schokolade ist. Nichts ist unangenehmer, als mit Unterzucker und wackeligen Knien einen Berg hinunter steigen zu müssen.

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Dauer

Um am Nachmittag nicht in die Dunkelheit zu kommen, sollte man sich rechtzeitig auf den Weg machen. Es ist bei Nacht nicht nur für den Wanderer selbst, sondern auch für die Tierwelt stressig, wenn man mit Stirnlampe durch das Unterholz stolpert. Die Tour vom Parkplatz bis zum Gipfel auf 1538 Metern und wieder zurück hat eine Länge von 10 Kilometern. Bis nach Geitau ist es etwas weiter. Man sollte also gut fünf Stunden einkalkulieren.

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Alpine Gefahren

Diese sind, besonders im Winter, selbst auf einfachen Wanderwegen nicht zu unterschätzen. Auch am Seeberg gibt es, besonders auf der Südseite, steile Hänge und Rinnen, an denen sich Schnee sammeln und hinabrutschen kann. Daher ist es vernünftig, auch auf dieser Tour Lawinenschaufel, Sonde und LVS-Gerät (Pieps) dabeizuhaben und sich über die Lawinenlage zu informieren. Der DAV hat zum Thema Schneeschuhwandern eine Informationsbroschüre herausgegeben.

© SZ.de/kaeb/sks
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