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Ranking des Naturschutzbundes:Kreuzfahrtschiffe bleiben eine schmutzige Sache

Das Kreuzfahrtschiff Aida Nova fährt mit Flüssiggas.

Die Aida Nova ist eines von weltweit zwei Schiffen mit Flüssiggas-Antrieb.

(Foto: obs)
  • Die meisten Kreuzfahrtschiffe belasten nach wie vor massiv die Umwelt, kritisiert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in seinem Kreuzfahrt-Ranking.
  • Lediglich bei Schiffen mit Flüssiggasantrieb (LNG) fällt die Bilanz etwas besser aus.
  • Bislang kommt diese Technik jedoch erst auf zwei Schiffen zum Einsatz.

Kreuzfahrten boomen, kaum ein Segment auf dem Reisemarkt hat solche Zuwachsraten. Mehr als 2,2 Millionen Deutsche gingen im vergangen Jahr mit dem Schiff auf Reisen, 440 000 Gästebetten gibt es weltweit auf den schwimmenden Riesen. Dennoch hat die Branche ein Imageproblem. Die Abgase der Schiffe belasten die Luft und das Klima, vor wenigen Wochen hinderten Aktivisten in Kiel ein Schiff am Ablegen.

Einige Reedereien reagieren, lassen Schiffe mit umweltfreundlicheren Antrieben bauen oder rüsten alte Technik um. Noch allerdings seien sie die Ausnahme, kritisiert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in seinem aktuellen Kreuzfahrt-Ranking. Seit 2012 wird die Studie jährlich veröffentlicht, zum ersten Mal floss in das Ranking nicht nur ein, was die Schiffe für sauberere Luft tun, sondern auch, inwieweit sie das Klima belasten. Das Fazit: Das Gros der Branche setzt weiterhin umweltschädliches Schweröl ein und verzichtet auch auf Rußpartikelfilter. Lediglich ein kleiner Teil der Flotte werde etwas sauberer.

Gemeint sind Schiffe, deren Motoren mit Flüssiggas (LNG) betrieben werden. Das reduziert vor allem den Ausstoß von Stickoxiden deutlich. Die Aida Nova der Rostocker Reederei Aida Cruises, die im vergangenen Jahr vom Stapel lief, war weltweit das erste Kreuzfahrtschiff mit LNG-Antrieb und führt das Ranking an, gemeinsam mit der nagelneuen Costa Smeralda des italienischen Unternehmens Costa Crociere, die ebenfalls mit Flüssiggas fährt. Bis 2027 sollen insgesamt 26 LNG-Kreuzfahrtschiffe in Dienst gestellt werden, so die Ankündigungen der Reedereien. Noch fehlt es allerdings in vielen Häfen an der Infrastruktur, um Flüssiggas nachzuladen.

Auf den nächsten Plätzen des Rankings folgen Schiffe der Reedereien Hapag Lloyd, Aida Cruises, Hurtigruten und Ponant. Ihnen halten die Umweltschützer des Nabu immerhin noch zugute, dass sie Stickoxid-Katalysatoren einsetzen und ganz oder teilweise auf Schweröl verzichten, den billigsten und umweltschädlichsten Schiffstreibstoff. Der Großteil der schwimmenden Hotels mit Traumschiff-Image belaste jedoch weiterhin massiv die Umwelt.

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Mit Blick auf den Klimaschutz bekommt allerdings auch das vergleichsweise saubere Flüssiggas schlechte Noten. Denn ebenso wie Diesel ist es ein fossiler Brennstoff und hinterlässt einen stattlichen CO₂-Fußabdruck. Hier landeten im Kreuzfahrt-Ranking zwei Segelschiffe ganz vorn - den üblichen Erwartungen eines Kreuzfahrtpassagiers entsprechen sie wohl eher nicht.

Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller ging am Mittwoch bei der Vorstellung des Rankings hart mit den Reedereien ins Gericht: "Gerade dieser Tage kann niemandem entgangen sein, unter welch enormem Handlungsdruck die Weltgemeinschaft angesichts der Klimakrise steht. Dennoch spülen die Anbieter Jahr für Jahr weitere Riesenschiffe auf den Markt, die allesamt mit fossilen Kraftstoffen betreiben werden", sagte er. Der Umweltverband fordert, Kraftstoffe für die Schifffahrt nicht länger über Steuerbefreiungen zu subventionieren.

Das Ziel müsse der flächendeckende Einsatz emissionsfreier Technologien sein. Doch bis Kreuzfahrtschiffe mit Elektromotoren über die Weltmeere kreuzen, ist es noch ein langer Weg. Längere Routen sind damit noch nicht zu bewältigen, Elektroschiffe sind derzeit nur als Fähren auf kurzen Strecken im Einsatz. Die Hybrid-Technologie wäre eine Möglichkeit, auch auf Kreuzfahrten zumindest zeitweise auf fossile Brennstoffe zu verzichen. Die norwegische Reederei Hurtigruten kombiniert auf dem neuen Expeditionsschiff Roald Amundsen Diesel- und Elektroantrieb. Sensible Landschaften in Alaska und der Antarktis will man damit möglichst umweltfreundlich ansteuern. Drei weitere Schiffe der Reederei sollen mit Akkupacks zu Hybrid-Schiffen umgerüstet und zusätzlich mit einem Landstromanschluss ausgestattet werden.

Denn auch wenn sie im Hafen liegen, belasten viele der modernen Ozeandampfer die Umwelt, weil die Motoren weiterlaufen. Das allerdings liegt nach Angaben des Branchenverband der Kreuzfahrtindustrie, der Cruise Lines International Association (Clia), nicht nur an der Technik an Bord, sondern auch an der Infrastruktur an Land. In Europa gebe es mit Hamburg und Kristiansand in Norwegen nur zwei Häfen mit Landstromanlagen, weltweit seien nur 16 von 1000 angelaufenen Häfen entsprechend ausgerüstet.

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