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Neues Kreuzfahrtschiff "Aida Nova":Frische Brise auf hoher See

Die "Aida Nova" ist das erste Flüssiggas-Schiff

Platz für 6000 Passagiere: Die Aida Nova ist eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt.

(Foto: dpa)

Die "Aida Nova" ist das erste Kreuzfahrtschiff, das mit Flüssiggas betrieben wird. Diese Technik reduziert die Emissionen deutlich - aber ein Problem bleibt.

Kapitän Boris Becker ist sichtlich zufrieden. Die erste Fahrt der Aida Nova von Eemshaven in den Niederlanden nach Lissabon ist reibungslos verlaufen. "Im Golf von Biskaya war es ziemlich hügelig, Windstärke 9", scherzt er, "auf der Brücke merkt man das schon ein bisschen." Auch das erste Anlegen im Hafen von Lissabon war gleich mit ordentlich Wind. Aber das sei normal in den Wintermonaten. Und genau solche Bedingungen müsse man beherrschen, wissen, wie das neue Schiff reagiert.

Das neue Schiff: Die Aida Nova ist das größte Kreuzfahrtschiff, das bislang in Deutschland gebaut wurde. Es ist 337 Meter lang, 65 Meter hoch, 42 Meter breit und bietet in 2626 Kabinen Platz für gut 6000 Passagiere. Doch die größte Neuheit ist etwas ganz anderes: Die Aida Nova ist weltweit das erste Schiff, das mit LNG fährt und so auch im Hafen betrieben wird. Das Schiff braucht keine Landstromversorgung. Während der Schiffsrumpf in der Meyer Werft in Papenburg montiert wurde, kommt das Kraftwerk des Schiffes - die Motoren und die drei gigantischen LNG-Tanks - von der Neptun Werft in Rostock. Der Vorrat der drei Gastanks soll für eine 14-tägige Kreuzfahrt reichen.

Die Abkürzung LNG steht für Liquified Natural Gas: Flüssigerdgas, auf minus 162 Grad gekühlt. Zur Sicherheit hat das Schiff auch Marinediesel gebunkert. Die Dual-Fuel-Motoren können bei Lastspitzen, etwa bei sehr schwerer See oder beim Starten und Anlegen, zusätzlich darauf zugreifen. Doch Kapitän Becker betont: "Beim ersten Lauf von Pier zu Pier sind wir trotz heftigen Seegangs mit hundert Prozent LNG gefahren."

Nach einer Bauzeit von drei Jahren, einigen technischen Verzögerungen und einem Brand ist die Aida Nova nun seit 19. Dezember erstmalig mit Gästen in den Gewässern um die Kanarischen Inseln und Madeira unterwegs. Im Sommer 2019 wird sie im Mittelmeer fahren. Ist nun eine neue Ära in der Kreuzfahrt angebrochen? Auf jeden Fall ist es eine wichtige Etappe in Richtung umweltfreundlichere Kreuzfahrt. Die Aida Nova ist das erste Schiff der neuen Helios-Klasse, an deren Entwicklung die Meyer Werft in Papenburg einen entscheidenden Anteil hatte. Zehn Jahre Forschung und Entwicklung stecken in der Baureihe. Für insgesamt neun Helios-Schiffe hat die Meyer Werft Aufträge oder Absichtserklärungen, zwei weitere für Aida Cruises (Auslieferung 2021 und 2023), weitere sechs sind für andere Töchter der finanzstarken Carnival-Gruppe bestimmt, zu der Aida gehört.

Flüssigerdgas gilt derzeit als sauberster fossiler Brennstoff, weil bei dessen Verbrennung weder Schwefeldioxide noch Rußpartikel oder Feinstaub entstehen und der Ausstoß von Stickoxiden um bis zu 80 Prozent, der von CO₂ um circa 20 Prozent reduziert wird. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat die Aida Nova noch vor ihrer Indienststellung in seinem Kreuzfahrtranking 2018 auf Platz eins gesetzt. "Wer eine Kreuzfahrt machen möchte, sollte aus unserer Sicht auf die Aida Nova gehen", sagt Dietmar Oeliger, der beim Nabu die Abteilung Verkehrspolitik leitet. Doch für die Nachhaltigkeitsbilanz müsse man die Gesamtlieferkette betrachten, etwa, woher das Erdgas komme. Frackinggas zum Beispiel würde die Nachhaltigkeit im Vergleich zu konventionellen Kraftstoffen deutlich mindern. Ein anderes Thema ist der Methanschlupf, das sind Methanentweichungen, die bei laufenden Gasmotoren auftreten können. Methan ist 25 mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Schon klar: Die Kreuzfahrtbranche und die Naturschützer werden wohl nie Brüder im Geiste werden. Doch Dietmar Oeliger vom Nabu räumt ein: "Beim Thema Feinstaub, dem gefährlichsten und am stärksten krebserregenden Verbrennungsprodukt, sehe ich einen Fortschritt."