Brände in Südeuropa und der Türkei:Was wird aus dem Urlaub?

Brände in Europa: Was ist mit Urlaub in ein paar Wochen?

Ein Strand in der Ferienregion Bodrum in der Türkei: Der Rauch der nahen Feuer liegt in der Luft.

(Foto: Emre Tazegul/dpa)

In Griechenland, Italien und der Türkei wüten verheerende Brände. Die drei Länder sind beliebte Reiseziele und gerade jetzt im Sommer gut gebucht. Kann der Urlaub nun storniert werden? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Eva Dignös

Man hatte in den Urlaubsländern rund ums Mittelmeer auf einen guten Reisesommer gehofft, um touristisch wieder auf die Beine zu kommen nach den langen Monaten der Corona-Lockdowns. Doch jetzt wüten die Feuer, auch Hotels und Campingplätze mussten evakuiert werden. Welche Rechte haben Urlauber, die demnächst in eine der betroffenen Regionen fliegen wollen? Und was ist mit Buchungen in den kommenden Monaten? Was Reisende jetzt wissen sollten.

Kann der Urlaub kostenlos storniert werden?

Reiserechtlich am besten abgesichert sind Pauschalreisende. Rauch und Asche in der Luft, Brandherde ganz in der Nähe - das sind in der Sprache des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) "unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände", welche die Durchführung einer Pauschalreise "erheblich beeinträchtigen" und deshalb dem Reisenden das Recht geben, kostenlos von der Buchung zurückzutreten. "Unvermeidbar und außergewöhnlich sind Umstände, wenn Reisende und Reiseveranstalter sie nicht kontrollieren können. Dies ist bei Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüchen, Waldbränden, Erd- oder Seebeben im oder in unmittelbarer Nähe des Reisegebietes der Fall", erläutert Jennifer Kaiser, Fachberaterin für Digitales und Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Wichtig dabei: Es kann nun nicht jeder Urlaub in die Türkei, nach Griechenland oder Süditalien gratis storniert werden. Die Reise muss tatsächlich konkret betroffen sein. Entscheidend ist die Lage am Ort - und nicht das persönliche Sicherheitsempfinden.

Auch der Reiseveranstalter kann im Übrigen die Reise absagen, wenn sie nicht wie geplant durchgeführt werden kann. Der Reisepreis muss dann innerhalb von 14 Tagen erstattet werden. Aktuell sei das wegen der Brände in Südeuropa noch nicht notwendig gewesen, berichten die großen Veranstalter.

Was gilt für Urlauber, die schon unterwegs sind?

Urlauber, die ihre Reise schon angetreten haben, können sich ebenfalls auf das Pauschalreiserecht berufen: Sie dürfen den Vertrag kündigen und für die nicht genutzten Leistungen Erstattung verlangen. Waren An- und Abreise Bestandteil der Reise, wie es bei den meisten Pauschalurlauben der Fall ist, muss der Veranstalter auch den Rücktransport organisieren und bezahlen. Verzögert sich die Heimreise durch die Feuer, steht er für maximal drei zusätzliche Übernachtungen gerade.

Wer trotz der Beeinträchtigungen bleibt, aber beispielsweise auf bereits gebuchte Ausflüge verzichten muss oder eine geänderte Rundreise-Route in Kauf nimmt, kann versuchen, sich nach dem Urlaub einen Teil des Reisepreises erstatten lassen. Schließlich verlief der Aufenthalt nicht wie vereinbart. Man sollte sich allerdings darauf einstellen, darum möglicherweise vor Gericht streiten zu müssen.

Ist ein kostenloser Rücktritt auch möglich, wenn die Reise erst in einigen Wochen beginnt?

Niemand weiß, wie sich die Lage in den kommenden Wochen entwickelt, wann die Feuer gelöscht und welche Regionen womöglich noch betroffen sein werden - ob also auch dann noch eine "erhebliche Beeinträchtigung" vorliegt. Deshalb greift das Recht auf kostenlosen Reiserücktritt hier noch nicht. Stornieren können Urlauber natürlich, müssen dann aber mit Gebühren rechnen. Allerdings sind die Reiseveranstalter durch die Corona-Pandemie derzeit kulant wie selten zuvor und gestatten oft noch kurzfristige Umbuchungen.

Welche Rechte haben Individualreisende?

Auch Individualreisende, die Flug und Unterkunft einzeln gebucht haben, bekommen ihr Geld zurück, wenn die Leistung nicht erbracht werden kann. Wird der Flug wegen der Brände storniert, muss entweder ein Ersatz angeboten oder das Geld erstattet werden. Eine Entschädigung hingegen gibt es nicht, auch nicht bei Verspätungen infolge von Asche und Qualm: Hier darf sich die Airline auf außergewöhnliche Umstände berufen, die sie nicht beeinflussen kann.

Beim Quartier ist entscheidend, ob die Buchung auf der Basis deutschen Rechts erfolgte. Dann muss die Ferienwohnung nicht bezahlt werden, wenn sie nicht bezogen werden kann, weil sie zum Beispiel in einem Sperrgebiet liegt. Umgekehrt gilt: Ist die Unterkunft bewohn- und erreichbar, hat der Vermieter seine Schuldigkeit getan. Er kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn am Strand der Himmel nicht blau, sondern aschegrau ist oder Sehenswürdigkeiten aufgrund der Brände nicht erreichbar sind. Wird der Vertrag direkt mit einem ausländischen Vermieter geschlossen, gilt das Recht des jeweiligen Landes.

Hilft eine Reiserücktrittskostenversicherung?

Nein, die Reiserücktrittskostenversicherung springt bei unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen in der Regel nicht ein. Sie ist als Absicherung für individuelle Risiken gedacht, etwa wenn man kurz vor der Abreise erkrankt, seine Arbeit verliert oder wenn ein naher Angehöriger stirbt.

© SZ
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