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Airbus-Katastrophe:Ägypten-Urlaub nach dem Absturz

  • Nachdem 2014 deutlich weniger deutsche Urlauber nach Ägypten gereist sind als in den Vorjahren, steigen die Zahlen 2015 wieder.
  • Noch ist unklar, wie sich der Absturz des in Scharm el-Scheich gestarteten russischen Passagierflugzeugs auswirkt.
  • Deutsche Fluglinien fliegen nicht mehr über den Sinai, die Reiseanbieter wollen zum aktuellen Stand nicht umplanen.

Von Monika Maier-Albang

Seit Beginn des Arabischen Frühlings ergeht es dem Tourismus in Ägypten wie einem Gast in der Achterbahn: Mal bewegt er sich nach oben, um dann wieder tief zu fallen. Je nachdem, wie stabil die politische Lage im Land gerade ist - und wie sehr sich die Urlauber um ihre Sicherheit sorgen. Falls sich herausstellt, dass der Absturz der in Scharm el-Scheich gestarteten Urlaubermaschine ein Anschlag war, der Touristen galt, dürfte Ägypten eine neuerliche Talfahrt bevorstehen.

Zuletzt war das Land wieder im Geschäft. War 2014 nach Angaben der ägyptischen Botschaft in Berlin mit 877 000 Urlaubern aus Deutschland das schwächste Jahr seit 2010, so steigen die Zahlen seit Anfang 2015 wieder an. Fürs Gesamtjahr rechneten die Ägypter mit einem Plus von 20 Prozent allein auf dem deutschen Markt. Stärker war nur der russische. Bis jetzt.

Deutsche Urlauber reisen vor allem ans Rote Meer

Während Studienreisen nach wie vor nicht gefragt sind, kamen zuletzt vermehrt Badegäste. Wobei deutsche Pauschalreisende Ziele wie Hurghada und Marsa Alam am Roten Meer bevorzugen. Scharm el-Scheich an der Südküste des Sinai hat zwar mit dem nahen Naturschutzgebiet Rus Mohammed mindestens so schöne Tauchgebiete wie die Küsten des ägyptischen Kernlandes. Und auch die Hotels sind pompös und günstig.

Dennoch haben sich die Deutschen mit dem Ort, der seit den 1980er Jahren als Touristenstadt in die Wüste gepflanzt wurde, nie recht angefreundet. Das liegt zum einen daran, dass hier Gäste aus Russland und England traditionell in der Mehrheit sind und der deutsche Urlauber lieber dorthin fährt, wo Leute sind, die seine Sprache sprechen. Zum anderen beeinflussen die Reiseveranstalter die Wahl des Zielorts: Wo immer sie große Kontingente abnehmen, werden Reisen günstiger.

Reiseanbieter wollen nicht umplanen

Veranstalter wie Tui oder Thomas Cook waren mit der Entwicklung zuletzt zufrieden. Auch der Charterflug-Anbieter Sunexpress rechnete bislang damit, in diesem Winter mehr Gäste nach Ägypten zu bringen. Das Land habe die Krise genutzt, sein Angebot zu verbessern, sagt Tui-Sprecherin Anja Braun. Viele Hotels in Hurghada seien trotz der schwierigen Lage modernisiert worden. Die Zufriedenheit der Gäste sei "sehr hoch".

Tui will bei den Angeboten zunächst auch nicht umplanen. "Die Einschätzungen des Auswärtigen Amtes sind für uns maßgeblich." Mehrere Fluggesellschaften kündigten am Montag dennoch an, den Sinai nicht mehr zu überfliegen. Landen können die Maschinen trotzdem im Küstenort Scharm el-Scheich - es gibt eine Route vom Süden übers Meer.

Die Warnungen des Auswärtigen Amtes hatten sich nach dem Absturz nicht geändert: Es gibt den vagen Rat zu "genereller Vorsicht" bei Reisen nach Ägypten. Von den Sahara-Gebieten wird "dringend abgeraten", und der Norden des Sinai ist ohnehin Sperrgebiet. Das ist bereits eine Menge an Warnungen, die aber so gehalten sind, dass die Tourismusindustrie damit leben kann. Zumal sich der Vermerk findet: "Die Ferienregionen am Roten Meer waren bisher nicht von Anschlägen betroffen."

© SZ vom 03.11.2015/sks

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