Baden-Württemberg:Schäuble wird zu Grabe getragen - mit Merz, ohne Merkel

Baden-Württemberg: Trauerfeier für Wolfgang Schäuble in der Stadtkirche Offenburg.

Trauerfeier für Wolfgang Schäuble in der Stadtkirche Offenburg.

(Foto: JOACHIM HERRMANN/REUTERS)

In Offenburg läuft die Trauerfeier für einen der prägendsten Politiker der Republik. Dabei verabschieden sich nicht nur Familie und Freunde, es spricht auch der CDU-Chef. Die Altkanzlerin kommt nicht.

Abschied von einem Ausnahme-Politiker, Langzeit-Abgeordneten und dem Architekten der deutschen Einheit: Spitzenpolitiker und Angehörige würdigen am Freitagvormittag im badischen Offenburg den verstorbenen CDU-Politiker Wolfgang Schäuble bei einer Trauerfeier. Als Redner sind unter anderem Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und der CDU-Bundesvorsitzende Friedrich Merz angekündigt. Nicht erscheinen wird Altkanzlerin Angela Merkel (CDU), wie ihr Büro verschiedenen Medien bestätigte. Sie werde aber an dem Staatsakt für Schäuble teilnehmen, der am 22. Januar in Berlin geplant ist.

Der auch öffentlich übertragene Gottesdienst in der evangelischen Stadtkirche von Offenburg wird von der Landesbischöfin von Baden, Heike Springhart, geleitet. Es sprechen auch CDU-Landeschef Manuel Hagel, Oberbürgermeister Marco Steffens (CDU) und Schäubles Tochter, ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, wie die Stadt berichtete. Anschließend gibt es ein großes militärisches Ehrengeleit, bei dem Soldaten den Sarg aus der Kirche tragen. Nach einem Trauerzug wird der Leichnam auf dem Waldbachfriedhof beigesetzt.

Schäuble war am zweiten Weihnachtstag im Alter von 81 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben. Das politische Berlin wird sich am 22. Januar von Schäuble verabschieden. An diesem Tag wird der Bundestag den von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angeordneten Trauerstaatsakt im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes ausrichten. Es werden die Spitzen des deutschen Staates - voran Steinmeier - und Hunderte Gäste aus dem In- und Ausland erwartet. Dem Trauerstaatsakt will der französische Präsident Emmanuel Macron ebenfalls beiwohnen.

Schäuble wurde am 18. September 1942 in Freiburg im Breisgau geboren. Den studierten Juristen zog es früh in die Politik. 1965 trat er in die CDU ein. In zahlreichen hochrangigen Ämtern prägte er in den Jahrzehnten danach die deutsche Politik. In seiner politischen Laufbahn war der Badener mehrmals Minister, CDU-Chef, Fraktionsvorsitzender und Präsident des Deutschen Bundestages. Niemand gehörte dem Parlament länger an als er, von 1972 bis zu seinem Tod.

Jedes Mal holte er in seinem Wahlkreis Offenburg das Direktmandat. Schäubles Wirken wurde zuletzt über die Parteigrenzen gewürdigt. Steinmeier nannte Schäuble einen "Glücksfall für die deutsche Geschichte", Merkel ihren "politischen Lehrmeister".

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