Wikileaks Assange könnte sich noch als Bumerang für die Republikaner erweisen

Allerdings: Assange springt nicht über jedes Stöckchen, das Hannity ihm hinhält. Ob Obama das amerikanische Volk anlügt, wenn er die russische Regierung als verantwortlich für den Hackerangriff hinstellt, will er wissen. Assange gibt darauf keine klare Antwort: Obama verhalte sich eben wie ein Anwalt, der sich nicht festnageln lasse. Er spiele ein Spiel, um Trumps Wahlsieg als illegitim hinstellen zu können. Mehr nicht.

Aber ist es nicht so, dass die Podesta-Mails ein System der Korruption im Umfeld der Clintons offenbart hätten? Auch da geht Assange nicht mit. Korruption habe etwas mit Geld zu tun. Und ob Geld geflossen sei um ein bestimmtes Verhalten der Clintons oder der Demokraten zu erkaufen, könne er nicht sagen. Wohl aber, dass es ein System gegeben habe, in dem der eine dem anderen helfe. Eine Hand wasche die andere.

Hannity ist mit der Antwort nicht wirklich zufrieden. Das von Assange beschriebene Prinzip dürfte auch unter Republikanern weit verbreitet sein.

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Assange jetzt als Helden zu feiern, könnte sich deshalb noch als Bumerang für Trump und seine Gefolgsleute erweisen. Assange, ein früherer Computer-Programmierer und Journalist, hat Wikileaks 2006 gegründet. Große Aufmerksamkeit erhielt er im Jahr 2010. Damals veröffentlichte er Tausende von geheimen Pentagon-Akten, die das Vorgehen der USA im Irak-Krieg beschrieben. Darunter auch ein Video, das zeigt, wie von einem Hubschrauber aus auf zwei Reuters-Journalisten geschossen wird. Verantwortlich als US-Präsident war der Republikaner George W. Bush.

Im gleichen Jahr veröffentlichte Wikileaks 250 000 vertrauliche Kabelberichte von US-Botschaften an das US-Außenministerium. Mit zum Teil haarsträubend peinlichen Beschreibungen ausländischer Politiker.

Schon deshalb sind heute nicht alle Republikaner gut auf Assange zu sprechen. Auf CNN sagte der republikanische Senator Lindsey O. Graham: "Heute sind es die Demokraten, morgen kann es die Republikaner treffen." Und: "Niemand sollte sich darüber freuen, wenn eine ausländische Macht sich in unser politisches System hackt, um Einfluss auf unsere Wahlen zu nehmen. Und das ist, was die Russen getan haben." Egal, was Assange dazu sagt.

Assange sagt übrigens, er hätte die Mails auch veröffentlicht, wenn sie das Trump-Lager getroffen hätten. Wer weiß, vielleicht wird er in Zukunft dazu Gelegenheit bekommen. Dann wird er wahrscheinlich schnell merken, dass die neuen Bande mit den Trump-Freunden äußerst fragil sind. Und Sarah Palin wird sich womöglich gezwungen sehen, ihre Entschuldigung zurückzunehmen.

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