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Wichtige Vorwahl der Republikaner in Florida:Amerika im Kleinen

Anders als die konservativen Staaten Iowa und South Carolina sowie das liberale New Hampshire lassen sich über Floridas politische Grundstimmung keine Aussagen machen. Vor vier Jahren stimmte Florida mit 50,9 Prozent für Obama, zwei Jahre wurde der von der Tea Party gestützte Rick Scott mit ähnlich knappem Ergebnis zum Gouverneur gewählt. Hier gibt es große urbane Zentren mit vielen Geschäftsleuten und Beziehungen zur Finanzindustrie, eine prosperierende IT-Industrie sowie jene Ingenieure und deren Familien, die bei der NASA arbeiten und denen Newt Gingrichs Fantasie einer Kolonie auf dem Mond womöglich gefällt.

Newt Gingrich und seine Frau Callista bei ihrer Ankunft in Florida vor ein paar Tagen: Manch Beobachter meint erste Anzeichen von Müdigkeit bei dem Republikaner zu erkennen.

(Foto: AFP)

Während Südflorida, wo fast eine Million Juden leben, eher liberal tickt, gleicht das politische Klima im panhandle im Norden und rund um Jacksonville eher dem in Südstaaten wie Georgia oder South Carolina. Hier denkt man über Einwanderungsfragen ganz anders als in Miami-Dade, das nur 90 Kilometer von Kuba entfernt ist.

Im Allgemeinen ist der Einfluss der Evangelikalen jedoch viel geringer als etwa in South Carolina. Die Tampa Bay Times bringt es auf den Punkt:"Willkommen im größten battleground state der Vereinigten Staaten, liebe Kandidaten. Bringt die Fähigkeit mit, nicht nur einem Teil der Amerikaner zu gefallen, sondern allen!"

All dies spricht eher für den moderaten Romney als für "Nuclear Newt", vor dessen Nominierung nicht nur die einflussreiche konservative Kommentatorin Ann Coulter warnt: "Hitzköpfige Arroganz ist weder konservativ noch spricht es Wähler an."

Der Einfluss der Senioren

Wegen des milden Klimas leben in Florida überdurchschnittlich viele Senioren: Die Hälfte der Wähler ist älter als 56 Jahre und viele sind vom Platzen der Immobilienblase betroffen. Diese Gruppe, zu der viele Baby Boomer gehören, wird gerade bei Themen wie der Gesundheitsreform oder bei Infrastrukturprojekten genau hinhören, was die Kandidaten sagen.

Die Frage, welchen Lebensstandard die amerikanische Gesellschaft den jetzigen und künftigen Rentnern finanzieren will, spielt im Wahlkampf indirekt eine große Rolle: Alle Bewerber der Republikaner wollen den Einfluss des Staates verringern, was eine Privatisierung oder Kürzung der Sozialleistungen bedeuten würde - diese spielen aber für Senioren eine wichtige Rolle (ein Bericht des öffentlich-rechtlichen TV-Senders PBS fasst die Problematik zusammen).

So sprach etwa Rick Perry, der inzwischen aus dem Rennen ausgestiegen ist, von einer monströsen Lüge, wenn jemand behaupte, dass das US-Rentensystem in dieser Form überleben könne.

Diese Perspektive müssen die Bewerber den älteren Wähler schmackhaft machen, denn wie in Westeuropa gehen die Senioren auch in Florida überdurchschnittlich oft zur Wahl - der Weg zum Sieg führt also über diese Wählergruppe.

Die Entscheidung ist vielleicht schon gefallen

Noch eine weitere Tatsache macht die Abstimmung in Florida besonders: Schätzungen zufolge haben mindestens 150.000 der republikanischen Wähler bereits ihre Stimmen abgegeben. Beobachter sind sich einig, dass die meisten für Romney gestimmt haben, der lange als Favorit galt und am meisten in Werbung investiert hatte (http://www.weeklystandard.com/articles/new-romney-firewall_617425.html?page=1). Gepaart mit seiner wiedergewonnen Stärke spricht dies für einen Erfolg des früheren Gouverneurs von Massachusetts.

Nach der Abstimmung in Florida werden die vier Kandidaten durchschnaufen und sich besonders auf den Super Tuesday mit Abstimmungen in zehn Staaten vorbereiten, der in diesem Jahr am 6. März abgehalten wird. Die für Februar in sieben Bundesstaaten angesetzten primaries und caucuses sollten für Romney und sein gut organisiertes Team kein Problem sein.

In Nevada kann der Mormone auf die große Zahl seiner Glaubensbrüder zählen, in Michigan war sein Vater einst Gouverneur und in Missouri hat es Newt Gingrich noch nicht einmal auf die Kandidatenliste geschafft hat.

Für den republikanischen Strategen Ford O'Connell steht fest: "Wenn Mitt Romney in Florida gewinnt, kann er bis zum Super Tuesday den Tempomaten einschalten." Diese Aussicht sollte sowohl den Multimillionär Romney wie den Lautsprecher Newt Gingrich anspornen, in den kommenden Stunden alles zu geben.

© Süddeutsche.de/plin/mit Material von Reuters und AFP
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