bedeckt München
vgwortpixel

US-Republikaner im Wahlkampf:Gingrich greift nach dem Mond

"Ich bin grandios": Newt Gingrich strotzt vor Selbstvertrauen und gibt sich vor den Vorwahlen der Republikaner in Florida als Visionär: Der Held der Konservativen verspricht den Amerikanern bis 2020 eine Station auf dem Mond - sofern sie ihn zum Präsidenten wählten. Seine Gegner mühen sich, den republikanischen Space-Cowboy einzubremsen.

In China sehen sie einen Hasen, wenn sie den Mond anschauen. In Gambia ein Krokodil. In Europa, aber auch den USA entdecken viele beim Blick in den Nachthimmel den Mann im Mond. Newt Gingrich jedoch scheint in dem Erdtrabanten vor allem ganz viele Dollars zu sehen - und einen Wahlsieg.

Newt Gingrich, einer der zum Mond will. Oder zumindest ins Weiße Haus.

(Foto: AFP)

Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber hat jedenfalls gerade versprochen: Wäre er Präsident, würden die USA bis 2020 eine Mondstation errichten. "Am Ende meiner zweiten Amtszeit werden wir die erste permanente Basis auf dem Mond haben - und es wird eine amerikanische sein", sagte er nur wenige Kilometer entfernt vom amerikanischen Weltraumzentrum Cape Canaveral auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida, wo in knapp einer Woche die vierte Vorwahl der US-Republikaner stattfinden wird. Er wolle eine stabile kommerzielle Raumfahrtindustrie nach dem Vorbild des Luftfahrtbooms der 1930er Jahre entwickeln, sowie die Erforschung des Mars ausbauen, sagte Gingrich. Seine Fans jubelten ihm frenetisch zu.

Newt Gingrich ist ein Großmaul. Wiederholt hat er sich selbst als "grandios" bezeichnet. Er ist ein großer Redner, der es rhetorisch wohl auch mit Barack Obama aufnehmen könnte. Bei einer Debatte in South Carolina kanzelte er den Moderator in bemerkenswerter Weise ab, nachdem es dieser gewagt hatte, eine Frage zu seiner Exfrau zu stellen. Viele amerikanische Wahlkampf-Beobachter sehen darin den Moment, in dem sich Gingrich den Sieg bei der dritten Vorwahl der Republikaner gesichert hat - und zum ernsthaften Konkurrenten von Mitt Romney im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur aufstieg.

Und auch die Sache mit dem Mond ist keineswegs so abwegig, wie es im ersten Moment klingen mag. Zumindest, wenn man sie als wahltaktisches Manöver ansieht. Natürlich fragen sich viele seiner Landsleute: Wie will er das finanzieren? In wirtschaftlich schwierigen Zeiten! Sollte sich ein zukünftiger Präsident nicht lieber um die Probleme auf der Erde kümmern, statt das All als Abenteuerspielplatz zu nutzen? Romney hat schon versucht, seinen Rivalen an diesem Punkt zu treffen: "Ich glaube, wir haben ein paar andere Prioritäten, für die wir Geld ausgeben sollten, bevor wir auf den Mond fliegen."

Doch Gingrich, der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, lässt sich dadurch nicht verunsichern. Der - nach seinem fulminanten Comeback von South Carolina - Star der Konservativen gibt vor Selbstbewusstsein strotzend den Space-Cowboy und setzt mit seinen Mond-Plänen auf die Wiederbelebung des amerikanischen Frontier Spirit, den Pioniergeist. Immer weiter! Der Historiker Frederick Jackson Turner schrieb Ende des 19. Jahrhunderts, die Verfügbarkeit von freiem Land habe während des Großteils der amerikanischen Geschichte die Amerikaner entscheidend geprägt. Für ihn war die Ausdehnung nach Westen eine "immerwährende Wiedergeburt". Auch Gingrich muss sich nach South Carolina vorkommen, wie wiedergeboren. In Umfragen für Florida liegt er aktuell nur noch zwei Prozentpunkte hinter dem vermeintlichen Favoriten Romney. Immer weiter! Und wenn die Ausdehnung himmelwärts gerichtet ist.

Zur SZ-Startseite