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US-Republikaner bei TV-Debatte:Romney kontert Gingrich aus

Wegen seiner Finanzlage steht er heftig unter Beschuss - nun teilt er selber aus: Der US-Republikaner Mitt Romney kann in der letzten TV-Debatte vor der wichtigen Vorwahl in Florida alle Angriffe seines ärgsten Widersachers Newt Gingrich kontern. Allerdings gelingt es dem abgeschlagenen Rick Santorum, den Multimillionär empfindlich zu treffen.

Es waren keine angenehmen Nachrichten, die Newt Gingrich in den Stunden vor der 19. TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber in Jacksonville, Florida, erreichten. Mehrere Schwergewichte des konservativen Establishments äußerten sich kritisch über den Politveteran und drückten so indirekt ihre Unterstützung für Mitt Romney aus. Tom DeLay etwa, einst Mehrheitsführer der Grand Old Party im Repräsentantenhaus, nannte Gingrich "launisch und undiszipliniert" und der frühere Präsidentschaftskandidat Bob Dole bezeichnete Gingrich als beratungsresistente "Ein-Mann-Band".

Zwar tat Gingrich die Wortmeldungen zunächst mit einigen Sprüchen ab. Doch dürften die kritischen Bemerkungen seine Angriffslust angeheizt haben. Und so ging der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses in der von CNN übertragenen Debatte gleich zur Attacke über: Er halte Mitt Romney weiterhin für den Bewerber, der Einwanderung am stärksten ablehne und auch nicht davor zurückschrecken werde, Senioren auszuweisen, die illegal nach Amerika eingereist seien.

Doch Romney wusste, klug zu kontern: Er bezeichnete diesen Vorwurf als typisch für den Tonfall in Washington. "Mein Vater kam in Mexiko zur Welt, der Vater meiner Frau in Wales. Sie kamen in dieses Land. Zu sagen, ich sei gegen Einwanderer, ist abscheulich." Er wünsche sich viel mehr Einwanderer, die mit ihrer Vitalität den amerikanischen Traum verwirklichen wollten. "Aber diese Immigration muss legal sein", rief der Ex-Gouverneur von Massachusetts, der dafür plädiert, dass die elf Millionen illegalen Einwanderer das Land verlassen sollen - um später legal wieder in die USA einzureisen. "Unser Problem sind nicht elf Millionen Großmütter oder Großväter, sondern die elf Millionen Jobs, die Amerikaner und legale Einwanderer gerne hätten", sagte der 64-Jährige unter dem Beifall der Zuschauer.

Dass Romney bereit ist, mit harten Bandagen zu kämpfen, hatten die 18 Millionen Einwohner in Florida bereits in den vergangenen Tagen bemerkt: In Radiospots und im Internet wird der Eindruck vermittelt, Gingrich habe einst Englisch als Sprache des Erfolgs und Spanisch als Sprache des Ghettos bezeichnet. Die Bemerkung ist aus dem Kontext gerissen - Gingrich plädierte dafür, dass Einwandererkinder Englisch lernen -, doch der Spot ist typisch für die von den Super-Pacs finanzierten Negativkampagnen und verdeutlicht, wie verbissen um die Wählergruppe der Hispanics gerungen wird, deren Stimmen am kommenden Dienstag bei der Vorwahl in Florida entscheidend sein könnten. Elf Prozent der Republikaner in dem US-Bundesstaat haben Wurzeln in Staaten wie Kuba, Puerto Rico, Mexiko oder Nicaragua.

Romney zeigte sich in Jacksonville konzentriert und gut vorbereitet. Da gerade in Florida viele Bürger unter den Folgen der geplatzten Immobilienblase leiden, attackierte er Gingrich heftig dafür, die staatlichen Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae beraten und dafür 1,6 Millionen Dollar kassiert zu haben. "Diese Firmen sind immer noch ein Problem", sagte Romney. Gingrichs Gegenangriff, wonach Romney selbst Teile seines Vermögens in Freddie Mac und Fannie Mae investiert und somit von den zerstörten Träumen vieler Amerikaner profitiert habe, konterte der Ex-Gouverneur locker: Sein Vermögen werde von einem Treuhänder verwaltet und Gingrich selbst habe über einen Fonds Geld in die halbstaatlichen Hypothekenbanken gesteckt.

Moderator Wolf Blitzer musste sich mehrmals einschalten, um die beiden anderen Kandidaten Rick Santorum und Ron Paul zu Wort kommen zu lassen. Der libertäre Paul, der vor allem von vielen jungen Amerikanern unterstützt wird, investiert kaum Ressourcen für den extrem teuren Wahlkampf in Florida, sondern konzentriert sich auf Staaten wie Maine oder Arizona. Santorum, der Überraschungssieger von Iowa, rief seine Konkurrenten wiederholt dazu auf, weniger über Beraterverträge und Steuersätze zu reden als über die echten Probleme Amerikas.

Denn der Multimillionär Romney hatte sich bei diesem für ihn heiklen Thema gut geschlagen und Gingrich keine Angriffsfläche geliefert: Wenn man die Spenden zu seinem Steuersatz von nur 15 Prozent hinzuzähle, gebe er 40 Prozent seines Einkommens weiter. So konnte der 68-jährige Gingrich lediglich Obama attackieren: Er habe eigentlich kein Problem mit Romneys Steuersatz, sondern kämpfe eher dafür, dass jeder Amerikaner nur 15 Prozent zahlen müsse.

Gingrichs Vorschlag, bis 2020 eine Station auf dem Mond zu errichten, wurde von den anderen Kandidaten abgelehnt. Die USA hätten wichtigere Probleme, meinten Santorum und Paul unisono, während Romney seinem Nebenmann vorwarf, die Wähler in jedem Staat mit einem teuren Projekt zu umschwärmen. Wenn ihm ein Angestellter in seiner Zeit in der Privatwirtschaft ein solches Projekt vorgeschlagen hätte, wäre dieser entlassen worden. Hier war deutlich zu spüren, dass sich Romney mit einem Coach auf die Diskussionen vorbereitet hatte und alles versuchte, den wortgewaltigen Gingrich unter Kontrolle zu halten. Dies gelang ihm auch bei anderen Fragen - Status von Puerto Rico, Beziehungen zu Kuba, Nahost - ziemlich gut.

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