bedeckt München

Wahlkampf in den USA:Pitching von Paranoikern

CNN And Facebook Host The Republican Presidential Primary Debate In Las Vegas

TV-Debatte der Republikaner am Donnerstag in Las Vegas: Marco Rubio, Ben Carson, Donald Trump, Ted Cruz, Jeb Bush (von links)

(Foto: Bloomberg)

Wie im Horrorfilm: Die Fernsehdebatten der Republikaner illustrieren erschreckend deutlich, wie sehr Amerikas extreme Rechte die Angst vor dem Niedergang instrumentalisiert.

Kolumne von Carolin Emcke

Nach der Ausstrahlung eines fürchterlichen Videos, das Millionen erschütterte, riefen die Behörden Dienstagnacht dazu auf, Ruhe zu bewahren." So beginnt der Humorist Andy Borowitz seinen Kommentar in der neuen Ausgabe des New Yorker. "Das Video, das landesweit über CNN ausgestrahlt wurde, schien neun Extremisten zu zeigen, die in die Kamera schauten und sich steigernde Drohungen aussprachen." Experten müssten nun erst prüfen, wie authentisch die Drohungen seien. Was in Borowitz' Satire klingt, als gäbe es ein neues Terror-Video des IS, das die Zuschauer in Angst und Schrecken versetzt, bezieht sich in Wahrheit auf die Übertragung der Debatte zwischen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten in Las Vegas.

Die Gefahr wird in alles und jeden projiziert

Schon bei der Ouvertüre zur Diskussion, der sonst eher harmlosen Vorstellungsrunde, überboten sich die Konkurrenten in surrealen Schreckensszenarien eines bedrohten, zerfallenden Amerika, so als sei dies ein Pitching von Paranoikern, die sich um eine Klinikleitung bewerben. Gleich der erste Satz von Senator Rand Paul lautete: "Die Frage ist, wie wir Amerika beschützen können", die ehemalige Chefin von Hewlett Packard, Carly Fiorina, begann mit: "Ich bin wütend wie ihr alle", Jeb Bush, Bruder von George W. und ehemaliger Gouverneur von Florida, setzte an mit: "Unsere Freiheit wird angegriffen", Senator Ted Cruz eröffnete mit: "Amerika ist im Krieg" und Donald Trump antwortete auf die allererste ihm gestellte Frage mit inbrünstigem Pathos des Panikmachers: "Unser Land ist außer Kontrolle."

Das apokalyptische Narrativ fast aller republikanischen Bewerber kam dabei stets in der gleichen dramaturgischen Abfolge daher: erst die übermächtigen Feinde Amerikas so diffus wie möglich beschreiben. Die Gefahr kann dann in alles und jeden projiziert werden, wobei unterschiedliche, bereits bestehende Ressentiments (gegen Latinos oder gegen Muslime), gern passgerecht gemacht und miteinander verzahnt werden dürfen. Und dann sich selbst als möglichst aggressives Vernichtungsmittel gegen den Terror präsentieren, damit Amerika wieder zu alter Größe finden möge.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema