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Wahlkampf-Endspurt:Fahrplan zur Kanzlerschaft

Werbematerial der beiden Hauptkontrahenten auf einer Collage vereint

(Foto: dpa)

Ach richtig, die Wahl! Viele Bürger beschäftigen sich erst jetzt damit, am 22. September ihre Stimme abzugeben. Für das Duell Merkel gegen Steinbrück bedeutet das: Endspurt, quer durchs Land, 11.000 Kilometer. Was CDU, SPD und die kleinen Parteien noch vorhaben - ein Überblick.

"Es ist schon irre", raunte neulich einer, der in der CDU was zu sagen hat. "Wir machen seit Monaten Kampagne, und die Leute bemerken erst allmählich, dass sie am 22. September wählen sollen." Außerhalb der Berliner Käseglocke hätten bislang vor allem die Schulferien eine Rolle gespielt und vielleicht der Saisonstart der Bundesliga. Der Wahlkampf komme erst jetzt bei den Menschen an. Spät, aber mit Wucht.

Die Ausgangslage laut Umfragen: CDU und FDP haben je nach Institut 45 bis 46 Prozent, SPD, Grüne und Linke gemeinsam auch. Es kommt auf jede Stimme an. Was das für die Kandidaten bedeutet? Alle Kraft in den Endspurt legen, viele Kilometer machen. Obwohl die Ausdauer schwindet, das Nervenkostüm dünner wird - und damit die Fehleranfälligkeit wächst.

SPD: Von Tür zu Tür zu Tür mit Klartext - hoffentlich ohne Stinkefinger

Die SPD-Strategie heißt "Klartext", und sie sieht vielversprechend aus. Nach Aufholjagd, nach einer Chance. Schon für seinen Auftritt im TV-Duell vor zwei Wochen war SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück von seinen Genossen gefeiert worden. In der ARD-Wahlarena, einer Art Fernduell mit Kanzlerin Angela Merkel vor Publikum, setzte er am vergangenen Mittwoch noch einen drauf: "Steinbrück wie ein echter Herausforderer", jubelte Zeit Online. "Wenn der Wahlkampf doch immer so einfach gewesen wäre", schrieb Spiegel Online.

SPD-Wahlkämpfer schnitten sogleich alle Szenen zusammen, in denen Merkel bei ihrem Wahlarena-Auftritt "Ich guck mir das an" und "Ich nehme das mal mit" sagte - als Beleg dafür, dass nur Steinbrück Klartext rede.

Hinzu kamen die Einschaltquoten: 3,87 Millionen Menschen schalteten bei Steinbrück ein, bei Merkel waren es am vergangenen Montag nur 3,18 Millionen gewesen. Die Neugier der Menschen auf den Herausforderer ist groß, Klartext gewinnt, das ist die Botschaft, die SPD-Wahlkämpfer nun von Haustür zu Haustür tragen sollen. Fünf Millionen Klingeln wollen sie bis zum Wahlabend gedrückt haben.

Der "Stinkefinger", den Steinbrück auf dem Titel des aktuellen SZ-Magazins zeigt, ist dabei eine Hypothek. Das Foto ist dermaßen einprägsam, dass es dem Kandidaten noch häufig vorgehalten werden wird. Wie weit darf Klartext gehen? Das ist die Frage, die mitschwingt. Die CDU spottet:

Die andere Hypothek ist das Ergebnis der Bayern-Wahl am Sonntag: Wird die SPD im Süden abgewatscht, nimmt das der Steinbrück-Kampagne womöglich den Schwung.

Auffällig ist, dass der Kanzlerkandidat das flächenmäßig größte Bundesland ab sofort meidet: Von Freitagmorgen an reist Steinbrück kreuz und quer durch Norddeutschland. 3800 Kilometer gibt Google Maps für die Route aus, 39 Stunden Fahrt. Seine südlichste Station ist Saarbrücken am morgigen Samstag. Die offizielle "Endspurt"-Veranstaltung steigt am Donnerstag auf dem Berliner Alexanderplatz.

Wahlkampf Endspurt Steinbrück

Steinbrücks Tournee durch Deutschland: Der Süden fehlt

(Foto: Screenshot: Google Maps)

Die CDU ist damit später dran - und macht insgesamt mehr Kilometer.

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