USA: Republikaner:Von Wasilla nach Washington?

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Das Wohl und Wehe der Palin-Schützlinge erregte so viel Aufmerksamkeit, dass die Washington Post eigens eine interaktive Graphik mit dem Titel "Palin-Tracker" online stellte. Am Wahlabend zeigte dieser eine gemischte Bilanz: 32 ihrer Kandidaten hatten gewonnen, 17 verloren. Präsidentschaftsaspirant Mitt Romney konnte da bei den Kongresswahlen ganz anders punkten. Mitgekriegt hat es in seinem Fall jedoch kaum jemand. Sarah Palin überstrahlt alle. Misst man in Sendeminuten und Druckzeilen, ist sie derzeit die wichtigste Republikanerin.

Die fünf Millionen Zuschauer, die die erste Folge der Reality-Soap Sarah Palin's America schauten, sind da nur die Spitze des Eisbergs. Aus ihrer Heimatstadt Wasilla in Alaska twittert sie, pflegt ihr Facebook-Profil, kommentiert für den rechtskonservativen Sender FoxNews und plant die Werbetour für ihr neues Buch. Was sie damit allerdings bezweckt - außer viel Geld zu verdienen -, bleibt unklar.

Den Kontakt mit großen Sendern und Tageszeitungen scheut Mediendiva Palin und nennt sie "lamestream media". Dort würde sie immer nur falsch verstanden und ungerecht behandelt, erklärt sie im Interview mit dem New York Time Magazine. Doch dass sie die etablierten Medien meide, bestreitet sie: "Ich bin auf Facebook. Ich bin auf Twitter. Ich gehe niemandem aus dem Weg, ich bin da draußen", sagt sie.

Auch auf dem Sender TLC ist Sarah Palin präsent: Mit ihrer Reality-Show Sarah Palin's Alaska. Ein Teil einer großangelegten Werbekampagne für eine Präsidentin Palin, glauben die einen. Andere meinen, dass das "harmlose Reisetagebuch" ihr jegliche Glaubwürdigkeit als Politikerin nimmt. Schließlich nimmt die Politikerin in den Fernsehinterviews zu nichts Stellung - stattdessen unternimmt sie waghalsige Klettertouren, erschreckt Braunbären und präsentiert ihre chaotische Familie.

Ja, sie will

Sie selbst hält sich für mindestens so qualifiziert wie Barack Obama. In einem Interview mit Talkshow-Moderatorin Barbara Walters antwortet sie außerdem auf die Frage, ob sie 2012 gegen den amtierenden Präsidenten gewinnen könne: "Ja, das könnte ich." Dass sie darüber nachdenkt, anzutreten, enthüllte sie vergangene Woche im New York Time Magazine: "Ich denke darüber nach. Ich stecke gerade in offenen Diskussionen mit meiner Familie, weil meine Familie bei diesen Erwägungen die größte Rolle spielt."

Ihre Fauxpas und Stümperhaftigkeit trägt Sarah Palin derweil wie Ehrenmedaillen: als Beweis, dass sie kein Teil einer abgehobenen Politikerelite ist, sondern eine aus dem Volk. Das liebt sie dafür - oder zumindest die Hälfte des Volkes liebt sie. In der Gesamtbevölkerung können sie zwar mehr als die Hälfte nicht leiden. Befragt man nur US-Bürger, die sich als Republikaner identifizieren, hat Palin Beliebtheitswerte von mehr als 80 Prozent.

Das ist eine gute Basis für eine Kandidatur 2012. Als schillernde Figur könnte sich Sarah Palin in den Vorwahlen über das restliche Feld hinwegsetzen. Schon jetzt hat sie für die anderen potentiellen Kandidaten nur Verachtung übrig. "Diese Typen wollen, dass man ihnen zutraut, mit Ahmadinedschad fertig zu werden. Doch mit einer Hockey-Mama aus Wasilla nehmen sie es nicht auf? Solange sie das nicht tun, nehme ich sie nicht ernst", sagte sie dem Online-Magazin Politico.

Ob sie nächstes Jahr tatsächlich mit Mitt Romney und Co. in den Ring steigt - auch ihr Buch America by Heart hat auf diese Frage keine Antworten, dafür viele Widersprüche zu bieten. Genau wie Sarah Palin selbst. Der selbsternannten Grizzly Mom aus Alaska ist mit Logik einfach nicht beizukommen.

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