USA:Da waren's nur noch zehn

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  • Für die nächste TV-Debatte haben sich nur zehn der anfangs zwei Dutzend demokratischen Präsidentschaftsbewerber qualifiziert.
  • Die Hoffnungen des moderaten Parteiflügels ruhen auf Ex-Vizepräsident Joe Biden.
  • Dessen größte Konkurrenten Elizabeth Warren und Bernie Sanders werben um die progressiven Wähler.

Von Alan Cassidy, Washington

Plötzlich diese Übersicht, zumindest ein Stück weit: Das Feld der demokratischen Präsidentschaftskandidaten, die gegen den Republikaner Donald Trump antreten wollen, beginnt sich zu lichten. In der Nacht zum Donnerstag lief die Frist ab, bis zu der die Bewerber gewisse Kriterien erfüllen mussten, um sich für die nächste Fernsehdebatte der Demokraten am 12. September zu qualifizieren. Einen Platz auf der Bühne hat nur erhalten, wer erstens mindestens 130 000 verschiedene Wahlkampfspender vorweisen konnte und zweitens in vier verschiedenen Meinungsumfragen mindestens zwei Prozent Zustimmung erreichte.

Diese Hürden waren zwar alles andere als hoch. Aber sie waren doch hoch genug, um für ein klareres Bild zu sorgen: Zur nächsten Fernsehdebatte von ABC News werden nach dem jetzigen Stand bloß noch zehn Demokraten erscheinen, um sich zu präsentieren. In den ersten beiden Runden waren es noch doppelt so viele Teilnehmer gewesen, sie mussten sich daher auf zwei Abende verteilen.

Fast nur noch bekannte Namen sind übrig: Biden, Warren, Sanders, Harris

Froh über diese Lichtung des Feldes sind besonders die etablierten Kandidaten. Von den bis dahin zahlreichen Außenseitern wird einzig noch der Unternehmer Andrew Yang dabei sein. Bei den übrigen Teilnehmern handelt es sich um die bekannten Namen der Demokraten, das heißt vor allem: der frühere Vizepräsident Joe Biden, die Senatoren und Senatorinnen Elizabeth Warren, Bernie Sanders und Kamala Harris, Bürgermeister Pete Buttigieg oder Ex-Minister Julián Castro. Damit startet nun so etwas wie die zweite Phase des demokratischen Wahlkampfs um die Nominierung - eine Phase, in der sich herausschälen dürfte, in welche Richtung sich die Demokratische Partei im Hinblick auf die ersten Vorwahlen im kommenden Februar bewegt.

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In dem ländlichen Staat finden traditionell die ersten Vorwahlen für die Präsidentschaft statt. Alle vier Jahre pilgern die Kandidaten deshalb reihenweise in den Mittleren Westen.

Von Alan Cassidy

Zwar steht es jedem Demokraten frei, solange an seiner Bewerbung festzuhalten, wie er oder sie es will. Doch wer die gestrige Deadline verpasst hat, der wird es sehr schwierig haben, weiterhin Spenden sammeln zu können. Denn alle mediale Aufmerksamkeit richtet sich nun auf jene Leute, die am 12. September in Houston auf der Bühne stehen werden. Ohne Berichterstattung gibt es aber kaum Spenden, und ohne Spenden lassen sich keine Wahlkampfmitarbeiter beschäftigen, keine Anzeigen und Werbespots schalten, überhaupt lässt sich kein richtiger Wahlkampf betreiben.

Zu diesem Schluss kam nun Kirsten Gillibrand, die Senatorin aus New York, die als eine der ersten Demokratinnen in den Präsidentschaftswahlkampf eingestiegen war. Sie zog ihre Bewerbung am Mittwoch zurück, nachdem klar wurde, dass sie die Qualifikation für die kommende Fernsehdebatte verpassen würde. In den US-Medien waren Gillibrand zunächst durchaus Chancen eingeräumt worden, weil sie mit ihrem Fokus auf Frauenrechten und Gleichstellungsthemen eine Nische zu besetzen versuchte. Ihre Umfragewerte blieben aber stets mickrig, und Trump kommentierte ihren Rückzug nun mit einem hämischen Tweet. Bereits vergangene Woche hatte Jay Inslee, Gouverneur des Bundesstaats Washington, seine Kandidatur abgebrochen. Er hatte sich auf den Kampf gegen den Klimawandel konzentriert.

Die meiste Auswahl bleibt noch progressiven bis linkspopulistischen Wählern

Bei den meisten Bewerbern, die nun nicht zur Debatte antreten dürfen, handelt es sich allerdings um Vertreter des moderaten Flügels der Partei. Progressive bis linkspopulistische Wähler haben nach wie vor eine Auswahl an Kandidaten, die Forderungen wie kostenlose Ausbildung für alle oder eine staatliche Einheitskrankenkasse vertreten. Die Hoffnungen der Moderaten konzentrieren sich hingegen auf den 76-jährigen Joe Biden, den früheren Vizepräsidenten unter Barack Obama.

Biden führt die allermeisten Umfragen nach wie vor an - vor Elizabeth Warren und Bernie Sanders. Das schien sich Anfang dieser Woche kurzzeitig zu ändern, nachdem Meinungsforscher der Monmouth University eine Umfrage veröffentlichten, die Biden erstmals hinter seinen Konkurrenten zeigte. In den TV-Studios diskutierten sie daraufhin zwei Tage lang fieberhaft, ob nun der Moment gekommen sei, an dem Biden seine Rolle als Spitzenreiter verliere. Der Appetit der amerikanischen Kommentatoren nach einer neuen Story, nach einem neuen Dreh in diesem Wahlkampf: er war nicht zu übersehen. Schließlich setzte sich dann aber doch noch die Erkenntnis durch, dass die Umfrage mit nur gerade 289 Teilnehmern vielleicht doch nicht ganz so aussagekräftig war. Und in Erhebungen, die kurz darauf veröffentlicht wurden, lag Biden wieder vorne.

Merklich groß ist auch das Interesse an dem Umstand, dass Joe Biden und Elizabeth Warren, die beiden Schwergewichte, bei der nächsten Fernsehdebatte in Houston erstmals gemeinsam auf einer Bühne stehen werden - ein "Royal Rumble", wie es das Wall Street Journal in Anspielung auf einen beliebten Wrestling-Showdown nennt. Warren, die Senatorin aus Massachusetts, ist derzeit vielleicht die Kandidatin mit dem größten Auftrieb, sie füllt auf ihrem Wahlkampf Hallen und Arenen mit Tausenden von Anhängern. Schlägt sie sich vor den Kameras im September gegen Biden gut, werden es vielleicht bald noch mehr werden.

© SZ vom 30.08.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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