bedeckt München 28°

Vorwahlen der US-Demokraten:Oh, wie schön ist Iowa

Democratic 2020 U.S. presidential candidate and former U.S. Vice President Joe Biden interacts with people at the Iowa State Fair in Des Moines

Volksnähe demonstrieren und möglichst viele Hände schütteln: Die meisten Bewerber für die US-Präsidentschaftskandidatur - in der Mitte Joe Biden (blaues Hemd) - besuchen die State Fair in Des Moines, eine Mischung aus Volksfest und Landwirtschaftsmesse.

(Foto: Eric Thayer/REUTERS)
  • Der erste US-Staat, der in den Vorwahlen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur abstimmt, ist traditionell das ländliche Iowa.
  • Ein Sieg hier kann einem Kandidaten Rückenwind geben - eine Niederlage seinen Wahlkampf beenden.
  • Zur Landwirtschaftsausstellung State Fair pilgern deshalb die demokratischen Kandidaten in die Hauptstadt Des Moines, um die Bürger zu überzeugen.

Den viel zu großen Corn Dog? Das triefende Kotelett? Oder doch den frittierten Käseklumpen? Joe Biden ist gerade erst an der Iowa State Fair angekommen, als er bereits vor einer der schwierigsten Entscheidungen steht, die ein Präsidentschaftskandidat hier treffen muss: Was nur soll er essen? Möglichst fettig ist gut, das suggeriert Volksnähe, doch zugleich sollte sich das Ganze so verzehren lassen, dass es auf den unweigerlichen Bildern nicht aussieht, als täte man es zum ersten Mal. Biden weiß das natürlich, es ist schon seine dritte Kandidatur für die Präsidentschaft, und vielleicht trifft er deshalb eine ungefährliche Wahl: ein Eis am Stiel. Da kann man nicht viel falsch machen.

Als Biden also in sein Eis beißt, sieht Faye Sieck ihre Chance. Sie ist mit ihrem Mann an der State Fair unterwegs und steht jetzt zufällig in der Nähe des Eisstandes. Ist er das? Er ist es! Sieck drängelt sich durch die Reporter und Mitarbeiter Bidens, sie schafft es bis zu ihm durch, es gibt ein Foto, einen Händedruck, ein paar warme Worte. "Ich werde ihn wählen", sagt Sieck danach: "Joe ist ein Guter." Sie bleibt auch für die Rede, die Biden auf einem Stück Gras hält, im Polohemd und mit Fliegersonnenbrille. Die Lokalzeitung Des Moines Register hat dafür wie immer einen Platz auf dem Messegelände reserviert. Fast alle der 24 demokratischen Präsidentschaftskandidaten kommen in diesen Tagen hierher, um eine Ansprache zu halten - und danach auch gleich den Rest des Staates mit Auftritten zu überziehen.

Wer in Iowa gewinnt, erhält Schwung für die folgenden Vorwahlen

Die Pilgerfahrt nach Iowa im August gehört fix in den politischen Kalender. Im Bauernstaat im Mittleren Westen starten Anfang Februar die Vorwahlen, in denen die Demokraten den Herausforderer von Präsident Donald Trump bestimmen. Das ist zwar erst in einem halben Jahr, doch trotzdem stecken die Kandidaten bereits jetzt viel Zeit und Geld in den Wahlkampf vor Ort, stellen Dutzende Mitarbeiter an und umwerben lokale Parteigrößen.

Politik USA Ihr Ziel: 72 Stunden ohne Mord
Baltimore

Ihr Ziel: 72 Stunden ohne Mord

Baltimore ist die gefährlichste Stadt der USA. Wie die Einwohnerin Erricka Bridgeford versucht, das Morden zu stoppen - zumindest an manchen Wochenenden.   Von Alan Cassidy

Wer in Iowa gewinnt oder zumindest gut abschneidet, erhält Schwung für die folgenden Vorwahlen. Das war etwa bei Barack Obama so, der 2008 überraschend in Iowa gewann. Wer hier dagegen durchfällt, für den ist die Kampagne womöglich bereits zu Ende, weil die Spenden ausbleiben, weil der Eindruck entsteht: Er oder sie packt es nicht. So erging es Biden bei seiner letzten Kandidatur vor elf Jahren. Die Wähler von Iowa als Königsmacher - und als Henker.

Politiker pilgern traditionell zur State Fair in die Hauptstadt

Dabei ist Iowa für Amerika alles andere als repräsentativ. Der Staat ist ausgeprägt ländlich, die Bevölkerung weißer und älter als anderswo. Dass hier jeweils zuerst gewählt wird, hat historische Gründe, die auch mit dem komplizierten Wahlsystem zu tun haben. In Iowa werfen die Leute nicht einfach einen Wahlzettel in die Urne, sondern sie treffen sich zu einer Wahlversammlung in ihrer Nachbarschaft, einem sogenannten Caucus. In Schulhäusern und Turnhallen debattieren sie dann über mehrere Stunden die Vor- und Nachteile einzelner Kandidaten, bevor sie sich schließlich entscheiden. Auf diesen Prozess sind die Menschen in Iowa stolz. Wohl nirgendwo sonst in den USA verfolgen die Wähler die Politik so genau wie hier.

Es hat daher eine gewisse Logik, dass die Politik auch an der State Fair eine wichtige Rolle spielt. Eine Million Besucher lockt die Mischung aus Jahrmarkt und Landwirtschaftsmesse in der Hauptstadt Des Moines an, es gibt sie schon seit 1854, als Iowa vor allem aus Prärie bestand. Die beliebteste Sehenswürdigkeit ist eine lebensgroße Kuh aus Butter, die in einem gekühlten Raum steht. Doch viele Leute kommen einfach, um sich den Magen vollzuschlagen. Mit Corn Dogs, natürlich, frittierten Würsten in Maispanade, die auf einem Holzspieß stecken, so wie überhaupt alles hier frittiert und auf einen Holzspieß gesteckt wird. Aber manche zieht es eben auch an die Fair, weil sie sich anhören wollen, was die Politiker zu erzählen haben.