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Blog zur US-Wahl:Trump nennt Bidens Familie kriminell

Bei Wahlkampfauftritten fordert Trump, man solle Joe Biden und dessen Familienmitglieder ins Gefängnis sperren. Anstatt sich ein zweites TV-Duell zu liefern, treten beide Kandidaten bei eigenen Townhall-Meetings auf.

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Am 3. November 2020 wählen die US-Amerikaner ihren Präsidenten. Wird es wieder Donald Trump? Oder gewinnt Joe Biden, der sich bei den Vorwahlen der Demokraten durchgesetzt hat? Alle Nachrichten und Entwicklungen im Überblick:

Trump nennt Bidens Familie kriminell

Samstag, 17. Oktober, 07:35 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden und dessen Familie scharf attackiert. Bei einem Wahlkampfauftritt in Florida am Freitagabend (Ortszeit) nannte Trump Bidens Familie "eine Familie des organisierten Verbrechens". Trump verwies dabei auf Geschäftsbeziehungen von Hunter Biden - dem Sohn von Joe Biden - in die Ukraine und nach China. Trumps Verbalattacke gegen Biden werden wohl auch aufgrund des immer größer werdenden Rückstand auf seinen Herausforderer in den Umfragen schärfer.

Auch bei einem Wahlkampfauftritt in Macon im US-Bundesstaat Georgia, ebenfalls am Freitagabend (Ortszeit), forderte Trump vor "Lock them up"-rufenden Anhängern (Sperrt Sie ein) Joe Biden und seine Familie sollten inhaftiert werden. "Wir haben über die letzten Monate herausgefunden, dass Joe Biden ein korrupter Politiker ist," sagte Trump vor Unterstützern. Trump hatte bereits im Wahlkampf 2016 immer mal wieder gefordert, seine Gegnerin Hillary Clinton solle eingesperrt werden. Clinton hatte als Außenministerin der Geheimhaltung unterliegende E-Mails über einen privaten E-Mail-Server verschickt. Das FBI prüfte die Vorwürfe, nahm aber keine Ermittlungen gegen Clinton auf.

Biden und Trump nutzen ihre Bühnen vor dem TV-Publikum

Freitag, 16. Oktober, 3.15 Uhr: Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat ein nationales Vorgehen gegen das Coronavirus und das Tragen von Masken angemahnt. Mit den Masken könne ein weiterer Lockdown verhindert werden, sagte Biden am Donnerstagabend (Ortszeit) in einer Fragestunde des Senders ABC mit Wählern in Philadelphia. US-Präsident Donald Trump komme eine Vorbildfunktion zu, sagte Biden. Wenn der Präsident keine Maske trage oder sich über Menschen lustig mache, die sie tragen, kämen die Leute zu dem Schluss, dass es nicht wichtig sei.

Biden will nach eigenen Angaben nicht alle Steuererleichterungen von Präsident Donald Trump rückgängig machen. Mit Bezug auf Steuersenkungen für die reichsten ein Prozent sagte Biden: "Darüber spreche ich, nicht alle Steuersenkungen abzuschaffen." Steuererhöhungen für Konzerne und Spitzenverdiener würde viel Geld einbringen, das das "Leben einfacher machen" könne.

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Trump hielt zur gleichen Zeit eine vom Fernsehsender NBC veranstaltete Fragestunde mit Wählern in Miami (Florida) ab. Er wiederholte seine falsche Aussage, dass nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC 85 Prozent der Menschen, die eine Maske tragen, sich mit dem Virus infizieren. Tatsächlich hatten nach einer CDC-Untersuchung 85 Prozent einer Gruppe von Coronavirus-Infizierten im Juli angegeben, sie hätten in den 14 Tagen zuvor oft oder immer eine Maske getragen. Trump verteidigte sein Vorgehen gegen die Corona-Pandemie: "Wir sind Gewinner."

Der US-Präsident machte keine Angaben dazu, wann er vor seiner Covid-Erkrankung zuletzt negativ auf das Coronavirus getestet wurde. "Ich erinnere mich gar nicht daran", sagte Trump. Er werde ständig getestet. Die Frage nach dem letzten negativen Testergebnis ist von Belang, weil im Raum steht, ob Trump womöglich noch Veranstaltungen abhielt, als er bereits wusste, dass er infiziert ist.

Eigentlich sollten die Kandidaten in einer gemeinsamen Fernsehdebatte befragt werden. Die Planungen für das zweite Duell vor der Wahl am 3. November gerieten aber durcheinander, nachdem sich Trump mit dem Coronavirus infiziert hatte. Trump hatte sich geweigert, aus Sicherheitsgründen die Debatte online abzuhalten. Biden kündigte daraufhin eine eigene TV-Veranstaltung an, Trump zog nach.

Kamala Harris geht vorsorglich in Corona-Quarantäne.

Donnerstag, 15. Oktober, 17 Uhr: Die demokratische Kandidatin für das US-Vizepräsidentenamt, Kamala Harris, setzt nach zwei Corona-Fällen in ihrem Umfeld für den Rest der Woche ihre Wahlkampfreisen aus. Das sei lediglich eine Vorsichtsmaßnahme, betonte ihr Team. Man habe am Mittwochabend erfahren, dass Harris' Kommunikationschefin Liz Allen und ein Mitglied einer Flugbesatzung positiv getestet worden seien. Harris sei mit ihnen am 8. Oktober unterwegs gewesen. Dabei hätten aber alle N95-Masken benutzt, die auch den Träger schützen sollen.

Harris müsse nach Vorgabe der US-Gesundheitsbehörde CDC nicht in Quarantäne gehen, weil sie nicht in unmittelbarer Nähe der Infizierten binnen zwei Tagen vor deren positiven Tests gewesen sei, hieß es. Dennoch werde sie bis Ende der Woche auf Reisen verzichten und sich auf Online-Events beschränken. Harris hatte am Dienstag und Mittwoch an der Anhörung der Kandidatin für das Oberste Gericht der USA, Amy Coney Barrett statt im Sitzungssaal von ihrem Büro aus teilgenommen.

Biden sammelt Rekordsumme an Spenden

Donnerstag, 15. Oktober, 09:50 Uhr: Joe Bidens Wahlkampfteam hat im September die Rekordsumme von 383 Millionen US-Dollar (326 Millionen Euro) an Spendengeldern bekommen. Biden bricht damit seinen eigenen Rekord. Im Vormonat hat der Präsidentschaftskandidat der Demokraten 364,5 Millionen Dollar (310 Millionen Euro) gesammelt.

Biden verkündete die Rekordsumme in einem am späten Mittwoch (Ortszeit) auf Twitter veröffentlichten Video. "Ich bin überwältigt," schreibt Biden in dem Tweet zum Video. Er bedankte sich bei allen, "die ein paar Dollar beigetragen haben". 203 Millionen Dollar (173 Millionen Euro) der Gesamtsumme seien von Online-Spendern gekommen, schrieb Bidens Wahlkampmanagerin Jen O'Malley Dillon bei Twitter. 1,1 Millionen Menschen hätten zum ersten Mal dem Wahlkampfteam von Biden Geld gegeben. Insgesamt haben 5,5 Millionen Personen Bidens Wahlkampf mit Spenden unterstützt. Laut O'Malley Dillon verfügt das Wahlkampfteam über ein Gesamtbudget von 432 Millionen US-Dollar (368 Millionen Euro) für die letzten drei Wochen des Wahlkampfs.

Bidens Wahlkampfteam hat mittlerweile den finanziellen Vorsprung von Trumps Wahlkampfteam aufgeholt. Biden musste sich erst aus dem Feld der vielen demokratischen Präsidentschaftskandidaten herauslösen und demokratische Spender auf sich vereinen, während Trump direkt mit dem Wahlkampf und auch dem Sammeln vieler Spenden beginnnen konnte. Das Trump-Team hat die Summe der im September gesammelten Spenden noch nicht veröffentlicht. Im August hatte das Team des Präsidenten 210 Millionen (179 Millionen Euro) Dollar eingesammelt. Die Summe der von Biden gesammelten Spendengelder übertraf die Spenden an Trumps Wahlkampfteam zuletzt aber immer.

Einen deutlichen Anstieg der Spendengelder an Biden verzeichnete das Wahlkampfteam nach dem Tod von Supreme-Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg. Auch die TV-Debatte mit Trump spülte Spendengelder in Bidens Wahlkampfkasse: An einem Tag erreichten Spenden in Höhe von 31 Millionen Dollar (26 Millionen Euro) das Team von Biden.

Trump-Sohn Barron war mit Virus infiziert

Mittwoch, 14. Oktober, 23.50 Uhr: Knapp zwei Wochen nach ihrer Corona-Diagnose hat First Lady Melania Trump bekannt gegeben, dass sich neben US-Präsident Donald Trump und ihr auch Sohn Barron mit dem Virus angesteckt hatte. Der 14-Jährige habe keine Symptome gezeigt und sei mittlerweile wieder negativ auf das Coronavirus getestet worden, erklärte Melania Trump am Mittwoch.

Das Weiße Haus hatte zunächst erklärt, Barron Trump sei negativ auf das Virus getestet worden, nachdem bei seinen Eltern eine Corona-Infektion festgestellt worden war. Die First Lady bemüht sich, die Privatsphäre ihres 14-jährigen Sohnes zu schützen. Warum sie seine Diagnose nicht früher publik machte, erklärte sie nicht.

Die 50-Jährige blickte in ihrer Mitteilung auf ihre eigene Covid-19-Erkrankung zurück. "Ich hatte großes Glück, dass meine Diagnose mit minimalen Symptomen einherging, obwohl sie mich alle auf einmal trafen und es in den Tagen danach eine Achterbahn der Symptome zu sein schien." Sie sei mittlerweile negativ auf das Coronavirus getestet worden und werde demnächst wieder ihren Verpflichtungen nachkommen.

US-Präsident Donald Trump zog den milden Verlauf der Corona-Infektion seines jüngsten Sohnes als Grund für Schulöffnungen heran. "Barron wurde positiv getestet. Aber bei Barron war alles gut. Er wurde dann negativ getestet, richtig? Weil genau das passiert: Die Leute bekommen es und es geht wieder weg. Bringt die Kinder zurück in die Schulen, wir müssen die Kinder wieder zur Schule schicken", sagte Trump bei einem Wahlkampfauftritt im US-Bundesstaat Iowa am Mittwoch. Er sei überzeugt, dass sein 14-jähriger Sohn gar nicht gemerkt habe, dass er sich angesteckt hatte, "weil sie jung sind und ihr Immunsystem stark ist und sie es abwehren".

Trump setzt eigene TV-Fragestunde mit der von Biden an

Mittwoch, 14. Oktober, 15:15 Uhr: US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden werden statt ihrer zweiten TV-Debatte mit konkurrierenden Fragestunden gegeneinander antreten. Der Fernsehsender NBC kündigte eine Zusammenkunft von Trump mit Wählern am Donnerstagabend um 20.00 Uhr Ortszeit (2.00 Uhr MESZ am Freitag) in Miami an. Exakt für diese Zeit ist bereits seit vergangener Woche eine ähnliche Veranstaltung Bidens in Philadelphia vereinbart, die beim Sender ABC übertragen wird.

Eigentlich hätte am Donnerstag die zweite Debatte der Kandidaten stattfinden sollen, auch als Fragestunde mit Wählern. Die Planungen gerieten aber durcheinander, als Präsident Trump an Covid-19 erkrankte. Die Kommission gab vergangene Woche bekannt, dass sie die Debatte online abhalten wolle, statt die Kandidaten in einem Raum zusammenzubringen. Trump sagte daraufhin seine Teilnahme ab. Biden setzte dann seine eigene TV-Veranstaltung an. Darauf hat Trump nun offenbar reagiert.

Mit der Ankündigung gibt es auch neue Informationen zu Corona-Tests des Präsidenten. Der Sender teilte mit, dass bei Trump am Dienstag ein PCR-Test gemacht worden sei, der im Forschungszentrum National Institutes of Health unter anderem vom Immunologen Anthony Fauci analysiert worden sei. Dabei sei "mit einem hohen Grad an Sicherheit" festgestellt worden, dass Trump nicht mehr ansteckend sei. Trumps Leibarzt Sean Conley hatte diese Schlussfolgerung zuvor vor allem auf Antigen-Schnelltests bezogen, die als weniger verlässlich gelten.

Fauci erklärte, Trump sei nicht mehr ansteckend. Der Präsident könne deswegen an einer Veranstaltung des Senders NBC News am Donnerstag ohne Probleme teilnehmen, sagte er dem Sender CBS.

© SZ/dpa/Reuters/AP/AFP/Bloomberg//lalse/jobr/saul/mcs/bix/jsa/hij

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