US-Politik Stephen Miller bringt den Hass in Trumps Reden

Trump-Berater Stephen Miller (li.) an der Seite von Chef-Strategist Steve Bannon. Miller ist Trump geradezu ergeben, sagen Kritiker.

(Foto: AFP)

Stephen Miller ist ein rechter Einheizer, Provokateur und Spalter. Ausgestattet mit einem messerscharfen Verstand. Das hat ihn zu einem wichtigen Berater von Donald Trump gemacht.

Von Thorsten Denkler, New York

Stephen Miller geht mit einem Lächeln vollkommener Selbstgewissheit ans Mikrofon. Er weiß genau, was er seinen ach so liberalen Mitschülern an der Santa Monica High School in Kalifornien gleich sagen wird. Und er ahnt bestimmt auch, wie seine Mitschüler reagieren werden. Sie werden ihn ausbuhen, auspfeifen und am Ende von der Bühne entfernen. Es wird ihn nicht stören. Er wird einfach weiter grinsen. Miller umfasst das Mikro mit seiner rechten Hand, in der linken hält er seine Zettel.

"Hi, ich bin Stephen Miller", beginnt er. "Einige werden mich kennen. (...) Ich werde Dinge sagen und tun, die niemand sonst sagen und tun würde." Dann holt er aus. Und schlägt zu: "Bin ich der Einzige, der krank und müde davon ist, seinen Müll aufheben zu müssen, wenn hier jede Menge Angestellte rumlaufen, die dafür bezahlt werden, das für uns zu tun?" Giftige Sätze.

Die Angestellten, von denen er spricht, gehören größenteils der Minderheit der Hispanics an. Immigranten aus Mittel- und Südamerika vor allem. Und dann ist es da, das liberale Buhen und das linke Pfeifen. Alles zu sehen und zu hören auf einem Video, das Mitschüler damals von dem Tag zusammengeschnitten haben. Was da noch keiner ahnte: 15 Jahre später ist dieser Stephen Miller einer der engsten Berater von Donald Trump. Und derjenige, der die Rhetorik des US-Präsidenten prägt, wie kaum ein anderer.

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Es sei alles nur ein Witz gewesen, verteidigt ihn ein Freund damals. Allerdings ein Witz, der einiges darüber erzählt, wie sehr dieser Stephen Miller die Provokation liebt. Miller ist heute ein unscheinbar-schlacksiger 31-Jähriger, der für sein Alter etwas zu wenig Haare auf dem Kopf hat. Ausgestattet mit einem messerscharfen Verstand. Ein Redetalent. Und einer, der seine Fähigkeiten voll in den Dienst von Donald Trump stellt. Ein 150-Prozentiger.

Miller arbeitet im West Wing des Weißen Hauses. Er gehört zum rechts-nationalen Flügel um den Chef-Strategen Steve Bannon, der unter anderem glaubt, dass die Welt in eine Katastrophe gesteuert werden muss, damit aus der Asche dann etwas Neues und in seinem Sinne "Gutes" emporsteigen kann. Miller und Bannon gelten als die Architekten der restriktiven Immigrations-Politik von Donald Trump. Dazu gehört auch der Einreisestopp für Menschen aus bestimmten muslimischen Ländern, der derzeit allerdings vor verschiedenen US-Gerichten festhängt. Demnächst muss der Supreme Court darüber entscheiden, das höchste Gericht der USA.

Miller war schon im Wahlkampf Trumps Redenschreiber. Der harsche, unversöhnliche Ton, die totale Kompromisslosigkeit in Trumps Reden - Miller ist derjenige, der all das dort eingepflanzt hat.

Er hat auch maßgeblich jene Rede geschrieben, die Trump am Tag seiner Amtseinführung gehalten hat. Trump hatte seinen Auftritt am 20. Januar nicht wie erwartet genutzt, um die Menschen und das Land nach einem harten Wahlkampf wieder zu einen. Er hatte, im Gegenteil, die versammelte politische Klasse beschimpft und seinen Anhängern eine neue "America first"-Politik versprochen. Die Rede war wie ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die in Trumps Augen das Establishment sind. Miller muss sich gefühlt haben wie damals auf der Highschool-Bühne. Nur dass Trump nicht von der Bühne entfernt wurde wie er damals.

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Miller kann aber auch anders, wenn es sein muss. Er ist mitverantwortlich für die Rede, die Trump auf seiner ersten Auslandsreise vor Vertretern muslimisch geprägter Staaten gehalten hat. Trump trat dort recht moderat auf. Er habe tiefen Respekt vor dem Islam, sagte er. Immerhin. Miller gehört nämlich eigentlich eher zu den Leuten, die den Islam als solchen unter Terrorismusverdacht stellen. In einem Beitrag für die Studentenzeitung seiner Universität schrieb er 2006 etwa völlig undifferenziert von einem "islamischen Terroristen", und nicht von einem islamistischen Terroristen.

Bis Miller zu Trumps Wahlkampfteam stieß, war er Mitarbeiter des knochenharten Konservativen Jeff Sessions, als der noch Senator aus Alabama war. In dem Amt gehörte Sessions zu den nicht weiter beachteten Rechten im Senat. Kaum jemand nahm ihn für voll - zu abwegig seine politischen Überzeugungen.

Zu Trump hatte Sessions allerdings einen guten Draht. Er empfahl ihm seinen loyalen Mitarbeiter Miller als Redenschreiber. "Wenn es um Themen, Botschaften und politisches Handeln geht, dann kenne ich niemanden, der wertvoller wäre für eine Präsidentschaftskampagne", sagt Session über Miller. Seitdem ist Miller an Trumps Seite. Sessions wurde nach dem Wahlsieg Justizminister.

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Millers Radikalisierung muss mit spätestens 14 Jahren begonnen haben. Mit dem gemeinsamen Wechsel auf die höhere Schule soll Miller einem langjährigen Kumpel die Freundschaft mit den Worten gekündigt haben: "Ich kann nicht länger dein Freund sein, weil du ein Latino bist."

Miller besuchte die multikulturelle und als überaus liberal geltende Santa Monica High School. Ehemalige Mitschüler erzählen, er habe sich dort über jeden lustig gemacht, der nicht fehlerfrei Englisch sprechen konnte. Später soll er deswegen sogar Wutanfälle bekommen haben. Eine Mitschülerin sagte über ihn, Miller habe damals erfahren, was es bedeutet, sich als weißer Mann in der Minderheit zu fühlen.