Trumps Ukraine-Affäre:Die Ukraine fordert Militärhilfe der EU

Gleichwohl ist aus Sicht Kiews richtig, dass die EU und Berlin Militärhilfe verweigern, Washington Kiew seit 2014 aber Militärgüter für 1,5 Milliarden Dollar geliefert hat. Das militärische Kronjuwel dieser Hilfe waren 210 Javelin-Panzerabwehrlenkwaffen, die Moskaus in den Donbass geschickte Panzer zerstören können.

Hinzu kommt, dass Präsident Selenskij seit seinem Amtsantritt in etlichen Treffen und Telefonaten mit Macron, Merkel und Putin versucht, ein Treffen im sogenannten Normandie-Format zu vereinbaren, um über ein Ende des Krieges im Donbass zu sprechen. Gleichzeitig haben viele ukrainische Offizielle einschließlich Selenskij wenig für das etwa 2016 von damaligen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier vorgeschlagene Modell übrig, in den von Moskau kontrollierten "Volksrepubliken" als einen der ersten Schritte Wahlen abzuhalten.

"Wahlen abzuhalten, bevor wir Zugang zum Donbass haben, unsere Grenze zu Russland gesichert und uns mit den ausländischen Truppen beschäftigt haben und schließlich einen normalen demokratischen Wahlkampf führen können, wären ein Desaster", sagte Selenskijs Nationaler Sicherheitsberater Oleksandr Daniljuk Mitte September auf einer Konferenz in Kiew. Präsident Selenskij lehnt auch die Moskauer Idee von Friedenstruppen im Donbass ab. Erst wenn dieser wieder vollständig unter Kontrolle Kiews sei, "könnten Friedenstruppen an der Grenze zwischen der Ukraine und Russland einen Platz haben", sagte der Präsident auf der Konferenz.

Kiew stört schließlich, dass die Bundesregierung - anders als US-Offizielle - die Rolle Moskaus im Donbass nicht offen beim Namen nenne. Der US-Sonderbeauftragte für die Ukraine, Kurt Volker, sagte der Süddeutschen Zeitung dazu: "Die Russen kontrollieren mit regulären Offizieren die gesamte Befehlskette und jede Operation. Auch alle zivilen Dienststellen in Donezk oder Lugansk werden von Russen geführt oder berichten täglich nach Moskau und warten auf neue Anweisungen. Moskau führt die Volksrepublik und bezahlt sie."

Struktur und Namen russischer Offizieller seien bekannt

Auf der Konferenz in Kiew bestätigte ein amerikanischer Konferenzteilnehmer mit Zugang zu Militär- und Geheimdiensterkenntnissen zudem, dass Struktur und Namen der russischen Offiziellen bis hinauf zu "Schattengouverneuren" in Donezk und Lugansk Washington, Paris und Berlin bekannt seien. Trotzdem würden die Regierungen dies öffentlich nicht zugeben, "weil dann Moskaus Rolle im Krieg im Donbass öffentlich feststünde und die Regierungen politisch entsprechend reagieren müssten".

Und als ob der Ärger darüber nicht schon ausreichte, erbost Kiew zudem, dass Berlin Russlands Rückkehr in die Parlamentarische Versammlung des Europarates und den weitergehenden Bau der Ostseegaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland unterstützt. Die Pipeline kann Moskau ermöglichen, nicht mehr wie bisher Erdgas auch durch die Ukraine zu transportieren - für Kiew sind das Selenskij zufolge bislang jährliche Einnahmen von drei Milliarden Dollar. In seinen Augen sei Nord Stream 2 "eine allmähliche Aufhebung der Sanktionen" gegenüber Russland, bekräftigte Selenskij am Mittwoch in New York.

So gesehen zeigt die Mitschrift aus dem Weißen Haus zweierlei: Sie bestätigt, was man über Donald Trumps Sicht auf Angela Merkel schon länger wusste. Und sie legt offen, wie weit Kiew und Berlin derzeit auseinanderliegen.

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